Liebe Redaktion

E-Mail von Röbi Rohner

Röbi Rohner
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Ich bin, wie es jeweils am Schluss meines E-Mails heisst, ein sehr aufmerksamer Leser der Appenzeller Zeitung. Ich habe aber auch die Wahlunterlagen genau angesehen, die wir in diesen Tagen für die Abstimmung vom 19. März bekommen haben. Dann findet der zweite Wahlgang für die Ergänzungswahl in den Regierungsrat statt. Zur Wahl stellen sich just die gleichen drei Personen, die schon beim ersten Wahlgang am 12. Februar kandidiert haben. Also noch einmal das gleiche Prozedere? Oh nein, einiges hat sich schon verändert, wenn man jetzt Zeitungen und Wahlunterlagen ansieht:

Dölf Biasotto sieht weiterhin aus wie der Traum jeder jungen Frau von einem Schwiegervater. Er wirkt wie ein zurückhaltender, freundlich lächelnder, ruhiger und korrekter Postautochauffeur, der sein Hobby öffentlich macht und sich mit seinem Spruch «Risotto mit Biasotto» für die Teilnahme an einem regionalen Kochwettbewerb bewirbt. Interessant ist, dass er damit die Gunst nicht nur des Gewerbeverbands von Appenzell Ausserrhoden, sondern auch der EDU Appenzellerland und der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Appenzell Ausserrhoden gewonnen hat, die auf dem Wahlzettel für den zweiten Wahlgang mit ihren Logos glänzen. Beim ersten Wahlgang war Biasotto der Kandidat ausschliesslich der FDP Die Liberalen und eines überparteilichen Komitees gewesen. Was zu diesem Stimmungsumschwung und der breiteren Unterstützung geführt hat? – Ich vermute, Biasotto hat SP und EDU – wie sein Risotto – einfach weichgekocht. Vieles verändert hat sich auch bei Inge Schmid. War sie im ersten Wahlgang noch «Unser Mann für Ausserrhoden», ist sie für den zweiten Wahlgang nicht nur wieder eine Frau geworden, sondern sogar eine Dame: «Damenwahl ins Herrenquartett». Hinzu kommt: War sie im ersten Wahlgang noch die Kandidatin der SVP Appenzell Ausserrhoden mit dem Sünneli-Logo auf dem Wahlzettel, ist sie beim zweiten Wahlgang jetzt «oben ohne»: Auf dem Wahlzettel fehlt ihre Partei als Absender. Ist dies eine Druckpanne oder geniesst sie nicht mehr die Unterstützung ihrer Partei? Oder verzichtet Inge Schmid gar darauf, auf dem Wahlzettel Kandidatin der SVP zu sein? Immerhin erhält sie jetzt und anders als im ersten Wahlgang – zumindest in einem Leserbrief – die Unterstützung der Frauenzentrale AR.

Peter Gut ist weiterhin ausschliesslich der Kandidat der Parteiunabhängigen von Appenzell Ausserrhoden. In Leserbriefen wird sein Familienname zum Wahlmotiv: Gut ist gut und deshalb soll man ihn wählen. Wenn ein Name Wahlgrund ist, werden Fredy Schlecht, Emil Bissig, Christian Lahme, Vreni Hässig, Sepp Fauler, Jacqueline Lausig und Karlheinz Nörgeli wohl nie Ausserrhoder Regierungsräte. In seinem Flyer wird aus Gut eine Mischung aus Staatsmann, Philosoph und Statistiker. Dort steht sinngemäss: Nichtwählende wählen nicht nicht. Oder auf Deutsch: Wer nicht zur Urne geht, überlässt die Wahl den andern, wählt damit also auch. Und weiter heisst es dort: Wenn die Mehrheit der Stimmberechtigten, die beim ersten Wahlgang nicht teilgenommen hat, trotzdem zur Wahl gegangen wäre und ein grosser Teil davon Gut gewählt hätte, wäre er Regierungsrat geworden. Das stimmt. Das stimmt aber auch für Biasotto und Schmid. Und hätten die Nichtwählenden mir die Stimme gegeben, gäbe es bereits jetzt einen neuen Regierungsrat, nämlich

Röbi Rohner

Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion ein E-Mail. Wir publizieren diese Mails.