Liebe Redaktion

Im Hochsommer der letzten Jahre sah man sie gelegentlich, die Elektrobiker, Fahrer von Velos mit Motörli und Akku.

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Im Hochsommer der letzten Jahre sah man sie gelegentlich, die Elektrobiker, Fahrer von Velos mit Motörli und Akku. Diese Elektrobiker waren Feriengäste, die in einem Ausserrhoder Hotel ein Elektrobike mieteten und dann, wie es in einem Prospekt von Appenzellerland Tourismus heisst, «mit einem Lächeln über die Hügel des Appenzellerlands» radelten. Es war dies eine seltene und harmlose Gruppe, die so querfeldein durch den Kanton kurvte und unsere Heimat kennenlernte.

Das hat sich, wie ich festgestellt habe, auf dieses Jahr gewaltig verändert: Jetzt fahren auch Einheimische schon Elektrobikes! Dem ersten bin ich Anfang Februar begegnet, bei kaltem, aber schönem Wetter, dem zweiten einen Monat später – und jetzt in diesem schönen Frühling werden es immer mehr. Das Ärgerliche an der ganzen Entwicklung ist, dass die Elektrobiker uns richtige Biker – egal ob Rennvelo oder Mountainbike – für Artgenossen halten.

So hat mir der erste Elektrobiker, der mir entgegengefahren ist und wie ein Staatsoberhaupt auf seinem Thron im Sattel sass, mit erhabener Geste zugewunken. Ein anderer ist mir, als ich bergaufwärts wild schnaufend und schwitzend fast in die Lenkerstange biss, still von hinten her aufgefahren – und hat mich überholt. Das Schlimme und Unhaltbare war: Er hat mich beim Überholen lächelnd gegrüsst und geduzt, wie dies Berufschauffeure beim Znüni in der Beiz tun.

Im Verhältnis zwischen Elektrobikern und richtigen Bikern gibt es offensichtlich Missverständnisse: Einem Vespa-Fahrer würde es nie einfallen, einen entgegenkommenden Harley-Davidson-Fahrer, auch wenn beide ein Fahrzeug mit zwei Rädern haben, mit Handzeichen zu grüssen und eine Erwiderung zu erwarten. Das Gleiche gilt für den Lambretta-Fahrer und den Kawasaki-Fahrer. Allen Elektrobikern sei klar auf den Akku geritzt: Elektrobiken und Biken sind – wenn schon – zwei grundverschiedene Sportarten, quasi wie Töggelen und Fussballspielen oder wie Federball und French Open. Wer mit einem Motörli im Rahmen so tut, als sei er – Anfang Saison schon – voll im Saft und «mit einem Lächeln über die Hügel des Appenzellerlandes» radelt, blufft und ist anmassend. Und wenn er dann noch richtige, aber atemlose und im roten Bereich fahrende Biker grüsst, duzt und überholt, verletzt er die körperliche und seelische Integrität von sensiblen Gesundheitssportlern.

Ihr

Röbi Rohner

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion eine E-Mail. Wir publizieren diese Mails.