Liebe Redaktion

Hunde und ihre Halter sind in der Schweiz vor dem Gesetz nicht gleich. Es gibt keine eidgenössische Hundegesetzgebung. Das Hundewesen ist wie das Polizei-, Schul-, Bau- und Pilzwesen kantonal und also von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt.

Ihr Röbi Rohner*
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«Das Ausserrhoder Hundegesetz wird massig wie ein Bernhardiner.» (Bild: fotolia)

«Das Ausserrhoder Hundegesetz wird massig wie ein Bernhardiner.» (Bild: fotolia)

Hunde und ihre Halter sind in der Schweiz vor dem Gesetz nicht gleich. Es gibt keine eidgenössische Hundegesetzgebung. Das Hundewesen ist wie das Polizei-, Schul-, Bau- und Pilzwesen kantonal und also von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt.

Appenzell Ausserrhoden ist zurzeit daran, mit einem neuen Hundegesetz (Abkürzung: HuG) «den Vollzug des Hundewesens mit vernünftigem Aufwand» bewältigen zu können. Das HuG soll insbesondere «dem gewandelten Verhältnis zwischen Mensch und Hund sowie dem Bedürfnis der Öffentlichkeit nach Schutz vor Hunden» Rechnung tragen. Im Gegensatz zu andern HuGen gibt es im Ausserrhoder Entwurf keine Rassenlisten, keine Verbote von gewissen Rassen, keine Bewilligungspflicht für das Halten von gewissen Rassen oder von Hunden ab bestimmter Grösse oder ab bestimmtem Gewicht. Es gibt keine obligatorischen Welpenförderungskurse, keine Junghundekurse und keine Erziehungskurse.

Dafür gibt es im neuen Ausserrhoder HuG-Entwurf fast doppelt so viele Artikel wie im noch gültigen, über 40 Jahre alten Gesetz. Man hat zwar das eine oder andere abgeschafft, so das Steuerprivileg für landwirtschaftliche Hofhunde oder besondere Anforderungen an Hunde, die als Zugtiere eingesetzt werden. Aber sonst kommt das neue Ausserrhoder HuG massig daher wie ein Bernhardiner. Der Kanton kann nach dem Entwurf Massnahmen anordnen, wenn Hunde «nicht sicher und verantwortungsbewusst» gehalten werden. Das kann eine Art Therapie für den Hund sein oder einen obligatorischen Kursbesuch für Herrchen oder gleich eine Therapie für Hund und Halter. Der Kanton kann auch öffentliche Kampagnen im Stile von Nichtraucher-Kampagnen oder «Bike to work» durchführen. Der Gesetzesentwurf sieht auch vor, dass Hunde einen Maulkorb tragen müssen, «wenn sie bissig sind», dass Halter das Halten oder den Tod eines Hundes innerhalb von 14 Tagen der Wohnsitzgemeinde melden und dass die Gemeinden Hundeasyle zur «vorläufigen Unterbringung und Pflege von streunenden und herrenlosen Hunden» bereitstellen müssen. Das neue HuG verbietet es den Ausserrhoder Hündelern, gleichzeitig mehr als drei Hunde auszuführen. Mehr als drei Hunde halten in Ausserrhoden «allerhöchstens 20 Personen»; das Rudelverbot betrifft also 0,04 Prozent der Bevölkerung und gibt es nur bei uns. Das HuG «entspricht einem öffentlichen Interesse an gut sozialisierten und gut erzogenen Hunden». Über schlecht sozialisierte, schlecht erzogene und bissige Halter sagt es nichts aus.

Als Ausserrhödler beginne ich über solche Regelungen und eine solche «Regelungsdichte» laut zu bellen und über die fehlende Selbstverantwortung still zu jaulen.

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion eine E-Mail. Wir publizieren diese Mails.