Liebe Redaktion

E-Mail von Röbi Rohner

Sara Leu
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Wann immer man auswärts geht und mit fremden Leuten zusammen ist, kommt über kurz oder lang die Frage, was man denn tue, womit man denn sein tägliches Brot verdiene. Ich antworte jeweils knapp und korrekt: «Schulhausabwart» – und er- ziele damit keine aussergewöhnliche Aufmerksamkeit oder allenfalls eine Reaktion zwischen «Mitleid» und «zwölf Wochen Ferien». Schulhausabwart kommt als Beruf nicht besonders an und ist nicht sehr attraktiv.

Mit Berufen werden bestimmte Charaktereigenschaften in Verbindung gebracht und damit der Status des Berufsausübenden bewertet. Nach der Elitepartner-Studie aus diesem Jahr, habe ich in der «Appenzeller Zeitung» gelesen, mögen Männer fürsorgliche, akademische und kreative Frauen am meisten und empfinden deshalb Ärztin, Krankenschwester, Lehrerin, Wissenschafterin, Ingenieurin, Künstlerin und Architektin als attraktivste Berufe. Im Mittelfeld liegen Polizistin, Journalistin und Juristin, am Schluss Steuerberaterin und Politikerin.

Frauen wiederum finden Handwerker, Ingenieure, Architekten, Polizisten und Geschäftsführer anziehend, an der Spitze aber stehen Ärzte. Im Mittelfeld sind Journalisten, Juristen, Künstler und Lehrer zu finden. Am Schluss sind Steuerberater, Flugbegleiter und Politiker rangiert – Schulhausabwarte sind auf der Liste schon gar nicht aufgeführt und haben also nur ein kleines berufliches Ansehen.

In der Gewissheit, gemäss dieser Studie seit Jahren einen unattraktiven Beruf auszuüben, müsste ich eigentlich ziemlich erschüttert sein. Weil mein Beruf kein grosses Ansehen geniesst und auf Frauen nicht anziehend wirkt, suche ich mein Glück anderswo, nämlich bei meiner Freizeitbeschäftigung: Ein deutsches Monatsmagazin hat nämlich vor einiger Zeit gefragt, welche Hobbys der Männer den Frauen am meisten gefallen («Welche Freizeitbeschäftigungen finden Sie bei Männern sexy?»). Um bei Frauen Anklang zu finden, muss man keinen durchtrainierten Body haben (Fitness ist mit 55% auf Rang 3). Man muss auch nicht Fussballspieler (15%, Rang 8), Fallschirmspringer (12%, Rang 9) oder Fahrzeugtuner (6%, Rang 10) sein. Am besten kommen Männer bei Frauen an, wenn sie kochen (80%, Rang 1)! Das kann ein romantisches Dinner sein oder ein Frühstück mit frischem Brot und frischem Kaffee – oder aber Exquisites vom Grill. Grillieren ist Männersache, und die Grill- saison – meine Saison – hat eben begonnen.

Röbi Rohner

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Ausserrhoden. Er ist ein aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion ein E-Mail. Wir publizieren diese Mails. (red)