Liebe Redaktion

Die vielen Artikel in der Appenzeller Zeitung zum Dunant-Jahr und seinen Veranstaltungen haben mich angeregt, selber einmal nach Heiden zu gehen.

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Die vielen Artikel in der Appenzeller Zeitung zum Dunant-Jahr und seinen Veranstaltungen haben mich angeregt, selber einmal nach Heiden zu gehen. Das Wetter über die Feiertage war so gut, dass ich per Bike ins Vorderland fuhr und gleich eingangs Dorf – leicht ermüdet vom Trampen – an einem rot-weissen Bauwerk hängen blieb. Es war ein massiver, roter Betontisch in Form des Schweizer Kreuzes mit festen, weissen Sitzflächen in den Ecken. Und er lud zum Abhocken und Ausruhen ein.

Auf der Oberfläche dieses Tisches sind an verschiedenen Stellen Schilder angemacht, auf denen steht: «Tisch für private Friedensgespräche zur Beilegung zwischenmenschlicher Konflikte».

Ich begann interessiert zu lesen: Da war von einer «Heidener Konvention» die Rede und von den fünf Schritten in einem Gesprächsverlauf. Eine Konvention, so hab ich mir vorgestellt, ist so etwas wie ein Vertrag oder eine Übereinkunft.

Man einigt sich darauf, wie es auf dem Schild steht, freiwillig ein Problem, das die Beziehung belastet, zu bezeichnen und es gemeinsam und respektvoll zu bearbeiten. Dabei gibt man offen Einblick in die eigenen Gefühle und hört dem Gegenüber gut zu. Und setzt dann um, was man gemeinsam beschlossen hat.

Für die Fernbedienung des Fernsehapparats und für die Kamera gibt's eine Bedienungsanleitung, für die Rüeblitorte ein Rezept und für das Unkrautmittel eine Gebrauchsanweisung.

Wie aber löst man zwischenmenschliche Konflikte? Die «Heidener Konvention» begann mich zu begeistern. Sie stellt simpel und klar Regeln auf und beschreibt einen Gesprächsverlauf in fünf Schritten: Die «Heidener Konvention» als Grundlage nehmen, Problem und Ziel festlegen, gemeinsam Lösungsvarianten suchen, sinnvolle Massnahmen auswählen und dann umsetzen. So einfach ist das.

Am «Tisch für private Friedensgespräche» sitzt man bequem einander gegenüber und hat diese fünf Regeln stets vor sich. An einem Tisch hat es Platz für vier zeitgleiche Zweiergespräche. In Heiden gibt es insgesamt vier solcher Tische. Allerdings kann ein «Tisch für private Friedensgespräche», wie der Künstler H. R. Fricker auf dem Schild schreibt, überall stattfinden.

Wer wenig erfahren mit privaten Friedensgesprächen ist, dem sei Heiden trotzdem empfohlen, Hin- und Rückfahrt am besten mit dem Bike. Eine Velofahrt, so mein kleiner Vorschlag zur Konfliktbewältigung, lüftet nämlich durch und baut Aggressionen ab.

Ihr

Röbi Rohner

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion eine E-Mail. Wir publizieren diese Mails.

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