Liebe Redaktion

Nun gibt es also, wie ich in Ihrer Zeitung gelesen habe, ein Appenzeller Cola. Cola weckt bei mir Erinnerungen an die Jugendzeit.

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Nun gibt es also, wie ich in Ihrer Zeitung gelesen habe, ein Appenzeller Cola. Cola weckt bei mir Erinnerungen an die Jugendzeit. Coca Cola, dieses amerikanische braune Getränk mit der komischen Flasche, kam damals so richtig auf, war Gegenstand öffentlicher Diskussionen und elterlicher Ermahnungen: Coca Cola sei ungesund, schädige die Magenwände, mache die Zähne kaputt und reduziere den Appetit.

Und in der Schule behauptete einer, das Rezept für die Herstellung von Coca Cola wüssten nur gerade drei Personen, und wenn man ein weisses Leibchen mit Coca Cola waschen würde, färbe es sich braun und zersetze sich...

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Gemäss dem Artikel in der Appenzeller Zeitung heisst das Appenzeller Cola in Anlehnung an den Produktionsstandort Gontenbad Goba Cola.

Wer diesen Namen schnell ausspricht und noch etwas mauschelt, ist schnell in der Nähe der Originalbezeichnung Coca Cola. Und das ist natürlich sehr clever und raffiniert: Einen neuen Produktenamen auf einem bestehenden und bekannten aufzubauen, bedeutet keine bis geringe Aufbauarbeit und Markteinführungskosten, heisst weniger Aufklärung und weniger Werbung. Der Neue stützt sich auf Bekanntes und Erfahrenes ab, springt quasi auf den fahrenden Erfolgszug auf. So nannte die Migros ihr Rivella früher einfach Mivella.

Alle wussten, das schmeckt wie Rivella, kostet aber in der Migros etwas weniger...

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Mit etwas Phantasie liesse sich die Schlauheit der Goba-Leute bei uns doch auch noch anderweitig anwenden und zu Geld machen: So könnte man Sprünglis weltbekannte, zarte, gefüllte Makrönchen auch im Appenzeller Vorderland herstellen und unter dem Namen Lutzenbergerli vermarkten.

Oder man könnte daselbst eine Caramel-, Chocolat-, Grand- Marnier- oder Vanille-Creme – in der ewig gleichen Konservenbüchse – produzieren und sie als Walder Creme verkaufen. Bäcker und Konditoren zwischen Appenzell und Teufen sei empfohlen, ein Honig-Mandeln-Zitronen-Orangeat-Gewürz-Biscuit anzufertigen und es als Hasler-Läckerli an eine grosse Kundschaft zu bringen.

Und alle Metzger im Appenzellerland, also im Land der Sitter, dürften schon bald erfolgreich Sitterio Salami herstellen.

Ihr

Röbi Rohner

* Der fiktive Röbi Rohner wohnt in Appenzell Ausserrhoden. Er ist ein sehr aufmerksamer Zeitungsleser. Immer, wenn er sich freut oder ärgert, schreibt er der Redaktion eine E-Mail. Wir publizieren diese Mails.