Liebe Leserinnen, liebe Leser

Die Frühlingsmonate sind fast vorbei, und zwar nicht oft mit gutem Wetter. Aber nun kommt der Sommer mit viel Sonne, was wir uns erhoffen. Auch bei uns Alten und Jungen ist die seelische und gesundheitliche Lage nicht immer gleich. Nun will ich Euch herzlich begrüssen mit dem Wunsch, dass es Euch gut gehe.

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Die Frühlingsmonate sind fast vorbei, und zwar nicht oft mit gutem Wetter. Aber nun kommt der Sommer mit viel Sonne, was wir uns erhoffen. Auch bei uns Alten und Jungen ist die seelische und gesundheitliche Lage nicht immer gleich. Nun will ich Euch herzlich begrüssen mit dem Wunsch, dass es Euch gut gehe.

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Heute Morgen, beim Kaffee trinken, sah ich auf dem Tisch nebenan ein Säckchen Ovomaltine liegen, da dachte ich zurück an meine Jugendzeit.

Im Jahr 1924 diente meine Schwester in Solothurn bei Pfarrer Vontobel; die Frau Pfarrer war eine sehr liebe, gütige Frau, da ihre Tochter zu jener Zeit die Wäsche-Aussteuer richtete, konnte meine Mutter diese Wäsche sticken, und das wurde gut bezahlt und wurde gut gebraucht in Mutters Portemonnaie. Meine Schwester war aber nicht lange dort, aber Frau Pfarrer schickte der Mutter noch manche Jahre zu Weihnachten ein Paket.

Darin war jedesmal ein goldgelbes Päckli Tobler-Kakao, auf das ich mich freute, denn es kam im Monat ein- oder zweimal vor, dass die Mutter das so gute Pulver hervorholte und auf dem Sprit-Apparätli zwei Beckeli Milch wärmte für uns. Das war gut und unvergesslich für mich. So ein Kakao – ein Genuss!

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Eine Gelegenheit gab es für mich vor etwa drei Wochen, um viel zu lernen und anders zu denken. Die Zimmer-Partnerin, mit der ich circa drei Jahre zusammen war, ist leider verstorben.

Sie und ich lebten so gut und friedlich zusammen, denn jede lebte gerne für sich, und doch waren wir füreinander da. Die Liebe zum Gebet und Glauben erhielt sie aufrecht. Nun wurde aber ihr Körper zusehends schwächer, bis sie bettlägerig wurde. Beim Besuch ihres lieben Sohnes, der täglich kam, reagierte sie oft kaum mehr. Am zweitletzten Tag ihres langen Lebens war ihr Sohn von 8 Uhr bis nachmittags 15 Uhr bei der Mutter, dann sagte ich: «Gehen Sie heim, ich bin bei ihr.

» Und so ging er, etwas zögernd. Als ich mich an ihr Bett setzte und ihre Hand hielt, sagte ich: «Kennen Sie mich? Ich bin Frau Hautle.» Da probierte sie, die Augen zu öffnen, was mit Mühe ein wenig gelang. Ich fühlte mich so sonderbar. Ich betete mit der bemüht Lauschenden das Vaterunser und das Gedicht von Gottes Wiese (siehe Kasten).

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So bin ich bei der armen Kranken gesessen, und es gingen mir die Augen auf für solches, das auf uns wartet: der Tod. Aber es war nicht beängstigend, denn der Trost kam in jenem Moment, und zwar mit der lieben Frau, welche von dem Kreise der Sterbehilfe kam. Ich habe oft von der Sterbehilfe gelesen, aber scheinbar zu wenig, denn ich verglich es fälschlicherweise mit der andern Sterbehilfe, wo der Patient im Eigenwille etwas einnimmt, das zum Tode führt.

Diese Frau kam zum Trost der Kranken mit dem Gebet, mit tröstenden Worten und dass die Kranke spürt, dass jemand bei ihr ist. Ganze drei Stunden widmete sie der Kranken und zugleich den Angehörigen und mir zu einer seelischen Bereicherung. Jeden Tag kam sie, so auch am letzten Tag, wo die liebe Partnerin einschlafen durfte. So meine Abschiedsworte: Gott hat erhört Dir Deine Bitte und halte Dich in seine Mitte, wir danken ihm. Wer so an Gott geglaubt hat wie Du, erhält auch sicher seine Ruh.

Weit oben ist, dank Ihm, Dein Heim, dort wirst Du ewig glücklich sein.

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Danken möchte ich all jenen, die den Grundstein für diesen guten Zweck gesetzt haben und denen, die es selbstlos und tröstend weitermachen. Ich wünsche dafür viel Glück und Segen. Nun, liebe Leserinnen und Leser, hoffe ich, es gehe Euch so, wie mir: Ich denke jetzt ein wenig getroster über den Abschied des Lebens.

Nun wünsche ich Euch alles Liebe und Gute, besonders gute Gesundheit, verbunden mit den besten Grüssen

Lina Hautle-Koch