LIEBE: Beim ersten Tanz verführt

Wir porträtieren in loser Folge verliebte Paare und stellen die Geschichten dahinter vor. Den Anfang machen die Herisauer Norma und Walter Hummer, die im Februar diamantene Hochzeit feiern durften.

Alessia Pagani
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60 Ehejahre verbinden die Hummers, und noch immer sind Walter und Norma ineinander verliebt. (Bild: Alessia Pagani)

60 Ehejahre verbinden die Hummers, und noch immer sind Walter und Norma ineinander verliebt. (Bild: Alessia Pagani)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

Manchmal spielt einem das Schicksal in die Hände. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Liebesgeschichte der Hummers aus Heris­au. «Ich sehe es heute noch als Wunder, dass wir uns kennen gelernt haben», sagt die 82-jährige Norma Hummer. Zum ersten Mal aufeinandergetroffen sind die beiden in Klagenfurt. Die Heris­auerin wollte im August 1956 eigentlich nur zweiwöchige Ferien in Österreich verbringen – ihre ersten Ferien überhaupt. Am zweiten Ferientag ging sie gemeinsam mit der mitgereisten Kollegin «zum Tanz». «Das war damals üblich. Gerade als Mädchen durfte man ja nichts anderes unternehmen.» Schnell kam Langeweile auf. «Es war kein guter Tänzer da und wir wollten das Lokal schon wieder verlassen, als ich plötzlich diesen jungen Herrn sah und dachte: Wow, mit dem will ich tanzen», so Norma. Der Kärtner stand am Eingang am ­anderen Ende des Raumes und auch sein Interesse wurde geweckt. Und prompt forderte Walter Norma zum Tanz auf. «Wir tanzten rund dreiviertel Stunden, ohne miteinander gesprochen zu haben. Danach war es um mich geschehen», so Norma. Walter lieh sich sogar Geld, um die Musiker zu zahlen und seine Herzda­me zu einem Glas Wein einladen zu können. In den kommenden Tagen sollten sich die beiden jeden Abend sehen. Noch bevor Norma wieder in die Schweiz ­zurückgereist ist, kauften sich die beiden in Klagenfurt Verlobungsringe. Verlobung wollten sie schliesslich bei Normas Eltern in der Schweiz feiern.

Die Begegnung mit der damals 22-jährigen Norma brachte alle Pläne des jungen Walter durcheinander. Er sass schon auf gepackten Koffern, hatte die Genehmigung des Konsulats und das Visum, in Kanada als Holzfäller arbeiten zu dürfen. «Das bekommt man nicht so schnell. Mein Bruder wollte die Papiere auch, hat sie allerdings nicht gekriegt», so Walter.

Kurz nach dem Kennenlernen wollte der damals 23-Jährige, mit dem Versprechen Normas ihm nach Kanada zu folgen, eigentlich nur kurz in der Schweiz verweilen. Es kam anders: Walter entschloss sich, zu seiner grossen Liebe zu ziehen. «Ich hätte ja auch in Kanada ganz neu beginnen müssen.» Der Anfang im Appenzellerland war allerdings nicht ganz einfach. Wegen der Ungar-Krise hat Walter lange keine Anstellung gefunden. Schliesslich, im November 1956, fand er eine Stelle im Mischwerk bei Huber + Suhner. «Es war die am schlechtesten bezahlte Arbeit», sagt Norma. Zudem war Walter nicht bei jedem gern gesehen. Es sollte nochmals zwei Monate dauern, bis er zum ersten Mal von Normas Vater nach Hause eingeladen wurde. «Er war der Beziehung gegenüber gar nicht aufgeschlossen. Erst nach Weihnachten sagte er: Du darfst den ‹Schangli› nach Hause bringen.» Für das Verhalten sei er von vielen angegriffen worden. «Meine Mutter stand zwischen den Stühlen. Es war nicht einfach für sie.» Norma war damals schon schwanger mit dem ersten Kind und der Vater lenkte schliesslich ein. «Es hat lange gedauert, aber nachher war Walter ihm der Liebste», so Norma. Mit selbstbewusstem Auftreten hat sich Walter alsdann den Respekt des Schwiegervaters erarbeitet.

Jassen als Streitpunkt

Die Hummers waren in den vielen Jahren immer füreinander da und konnten sich aufeinander verlassen. Das sei eines der Geheimnisse ihrer langjährigen Ehe. «Und, dass wir zwei Fernseher haben», sagt Norma. Sie schaue auch mal gerne einen Rosamunde-Pilcher-Film, Walter hingegen bevorzuge Krimis. Das Ehepaar lacht gerne und viel miteinander. Auch neckt Walter seine Ehefrau immer wieder. «Ohne Humor geht gar nichts», so der Hausherr. «Natürlich haben wir auch gestritten. Aber wir waren nie nachtragend», so Norma und ihr Schatz ergänzt: «Immer die gleiche Meinung zu haben, wäre doch langweilig.» Heute würde nur noch das Jassen zu Streitigkeiten führen. «Wenn ich gewinne, ist sie immer verärgert.» «Dafür muss er immer das letzte Wort haben. Wenn man denkt, das Gespräch sei fertig, kommt immer noch etwas.» Wieder lachen die beiden herzhaft.

Mittlerweile sind die Hummers 60 Jahre verheiratet. Fünf Kinder und sieben Enkelkinder krönen die langjährige Beziehung der beiden.