Lichtsignale werden gescheiter

ST.GALLEN. Die Stadt rüstet seit längerem die Verkehrsampeln nach: Dank eines ausgeklügelten Leitsystems reagieren die Lichtsignale flexibler auf das Verkehrsaufkommen. Erste Resultate seien positiv – nicht nur aus Sicht der Autofahrer.

Ralf Streule
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Obwohl es dem ungeduldigen Autofahrer vor dem Rotlicht oft anders vorkommen mag: Die Lichtsignalanlagen der Stadt werden schon seit Jahren von intelligenten Systemen gesteuert, die auf Verkehrsströme reagieren. Rund 2500 Induktionsschlaufen in den St. Galler Strassen messen auf den einzelnen Spuren das Verkehrsaufkommen und geben die Informationen an ein Computersystem weiter, welches wiederum die Ampel ansteuert.

Selber rechnen, ob Rushhour ist

Diese Steuerungsart sei in den vergangenen Jahren und Monaten vielerorts auf Stadtgebiet stark verfeinert worden, sagt Christian Hasler, Leiter Verkehr bei der Stadt St. Gallen. Und zwar dank der «Verkehrsabhängigen Programmwahl» (VAPW), einer der neuartigsten Technologien in der Verkehrssteuerung. Gut ein Drittel der städtischen Lichtsignalanlagen sind gemäss Angaben der Stadt inzwischen mit VAPW betrieben, zum Beispiel auf der Achse Bahnhof Nord–Rosenberg–Leonhardsbrücke–Geltenwilenstrasse–Oberstrasse bis Teufener Strasse.

Die zentrale Idee: Der Wechsel zwischen Phasen mit viel beziehungsweise wenig Verkehr soll fliessender werden. Bisher waren die Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen vom Programmierer klar definiert worden: Um Punkt acht Uhr morgens beispielsweise schalteten die Lichtsignale um von Stossverkehr- auf Flautenbetrieb mit kürzeren Umlaufzeiten (Kasten). Dies ungeachtet des eigentlichen Verkehrsaufkommens. Neu wird dieser Wechsel aufgrund der Infos der Verkehrsdetektoren ausgelöst. Die führe in den «Übergangszeiten» zu flüssigerem Verkehr, heisst es bei der Stadt. Was nach einer mässig grossen Änderung tönt, ist in der Praxis ein aufwendiger Prozess, wie Ernst Knöpfel, Leiter Verkehrssteuerung bei der Stadt, sagt. Zunächst müssten Verkehrsdaten gesammelt, dann das Zusammenspiel der Lichtsignale über längere Zeit beobachtet werden. Arbeiten, die derzeit an der Schönbühlstrasse bei der A1-Ein- und -Ausfahrt Neudorf umgesetzt werden. Ziel ist gemäss Ernst Knöpfel, bis in einigen Jahren sämtliche Anlagen der Stadt nachgerüstet zu haben. Wie stark sich der ganze Aufwand auf die Verkehrsströme auswirkt, könne noch nicht mit Zahlen belegt werden, sagt Ernst Knöpfel. Die Erfahrungswerte und Rückmeldungen seien aber positiv. Vor allem im Bereich der Leonhardsbrücke habe sich gemäss Rückmeldungen von Buschauffeuren und Autofahrern die Lage in gewissen Zeiten entspannt. Ein weiteres System, das den Verkehr vor allem in Flautezeiten komfortabler machen soll, ist die «voll verkehrsabhängige Steuerung» (VVAS). Dank der grossen Dichte an Induktionsschlaufen auf dem städtischen Verkehrsnetz können Anlagen gemäss Ernst Knöpfel spurweise rasch auf die Anforderungen der einzelnen Verkehrsteilnehmer reagieren.

In der Nacht erhält ein einzelnes Auto damit schneller grünes Licht als dies zuvor der Fall gewesen war.

Und die Velofahrer?

Im neuen Verkehrsleitsystem sollen gemäss Stadt auch Velofahrer und Fussgänger nicht zu kurz kommen. Dass das Verhältnis der Grünphasen von Langsam- und Autoverkehr eine politische Komponente hat, ist klar – vor allem im Zusammenhang mit der Städte-Initiative, die eine Plafonierung des motorisierten Individualverkehrs verlangt, und der kürzlich publizierten Mobilitäts-Statistik, die St. Gallen als «Autostadt» entlarvt. Dies sei man sich bewusst, sagt Ernst Knöpfel. Er hält sich aber aus der politischen Diskussion heraus: Für Verkehrsplaner gehe es ganz einfach darum, den städtischen Gesamtverkehr – auch öV und Langsamverkehr – flüssiger und sicherer zu machen.

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