Lichtschlitze im historischen Dach

Der Dietfurter Altbausanierer und Tüftler Paul Rutz hat über Dachfenster in historischen Bauten nachgedacht. Nun hat er eine Konstruktion gefunden, die sich ins Dach integriert und vom Denkmalschutz akzeptiert wird.

Michael Hug
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Altbausanier Paul Rutz hat auch in seinem Haus seine neuartigen Lichtschlitze eingebaut. (Bild: Michael Hug)

Altbausanier Paul Rutz hat auch in seinem Haus seine neuartigen Lichtschlitze eingebaut. (Bild: Michael Hug)

DIETFURT. Dachfenster in historischen Bauten – für Handwerker wie für Denkmalschützer oftmals ein rotes Tuch. Der Hausbesitzer möchte es, der Handwerker könnte es anbieten, aber der Heimatschützer oder die örtlichen Bauvorschriften sind dagegen. «Doch es gibt Situationen, da sind ein oder zwei Dachfenster einfach unumgänglich», betont Altbausanierer Paul Rutz aus Dietfurt. «Es kommt vor, dass man mehr Licht in einer Dachwohnung will und die vorhandenen Fenster dazu nicht ausreichen.» Vorschriften oder die Meinung des zuständigen Mitarbeiters der Fachstelle Denkmalpflege des Kantons verhindern manchmal selbst pragmatische Lösungen. Paul Rutz war schon oft in der Lage, mit den Behörden um eine Bewilligung kämpfen zu müssen. Zuletzt an seinem eigenen, unter Schutz stehenden Haus in Dietfurt.

Bruch der Struktur

«Das Problem ist, dass Dachfenster, von aussen betrachtet, die Struktur eines Daches und oft auch die Proportionen brechen», so Rutz. Man müsste also ein Dachfenster so konstruieren, dass es nicht auffällt. Zumindest teilweise ist ihm dies bei seiner neuen Konstruktion gelungen. Rutz: «Ich habe die Einfassung aus Metall und den konventionellen Rahmen weggelassen, damit Glas und Ziegel fast nahtlos ineinander übergehen.»

«Lichtschlitze» nennt Rutz seine Konstruktion, denn seine ersten Prototypen hat er schmal, aber langformatig gebaut. Von aussen betrachtet, fällt die Glasfläche nicht stark ins Auge. Innen erzielt das Fenster denselben Effekt wie ein gewöhnliches Dachfenster: Es lässt Licht in den Raum. Es ist wegen seiner geringen Grösse trotzdem kein Wärmefänger und braucht deshalb weder Öffnungsvorrichtung noch Beschattungseinrichtung.

Lichtbringer, nicht Lüftung

Der Nachteil ist, dies bestätigt Rutz: «Es lässt sich nicht öffnen. Aber es ist ja auch als Lichtbringer gedacht und nicht als Lüftungsöffnung. Zum Lüften muss der Raum noch weitere Fenster haben.» Und wie steht es mit der Reinigung der Fenster? «Der Regen reinigt doch das Glas», lacht Rutz.

In der heiklen Dächerlandschaft des Städtchens Lichtensteig ist die Konstruktion schon zur Anwendung gekommen, erklärt Rutz weiter: «Aber so etwas baut man nicht einfach so ein ohne Absprache mit dem Denkmalpfleger. Moritz Flury, der in dieser Region zuständige Mitarbeiter der kantonalen Denkmalpflege, zeigte sich aber sehr aufgeschlossen.» Paul Rutz liegt es fern, seine Idee zu kommerzialisieren. Nicht mal patentieren lasse er sie: «Wenn es jemand ebenfalls so machen will, kann ich ihn gerne beraten. Es braucht die enge Zusammenarbeit zwischen dem Zimmermann, der das Fenster baut, und dem Dachdecker. Denn für beide ist dieses Element komplett neu.»

Die Dachfensterkonstruktion von Paul Rutz fügt sich optimal ins historische Dach ein, hier ein Beispiel aus dem Städtli Lichtensteig. (Bild: pd)

Die Dachfensterkonstruktion von Paul Rutz fügt sich optimal ins historische Dach ein, hier ein Beispiel aus dem Städtli Lichtensteig. (Bild: pd)

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