Lichtgeschwind

HERISAU. Glasfaserkabel-Netz in Herisau: Der Standort wird gestärkt. Seit kurzem wird am ersten flächendeckenden Netz der Ostschweiz gearbeitet. Gestern informierten die SAK als Erstellerin der Infrastruktur und die Gemeinde über Tempo, Provider und den Wettbewerb.

Guido Berlinger-Bolt
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Lichtgeschwinde Partner: (v. l.) Paul Signer, Herisaus Gemeindepräsident, und Lukas Mäder, stellvertretender CEO der SAK. (Bild: gbe)

Lichtgeschwinde Partner: (v. l.) Paul Signer, Herisaus Gemeindepräsident, und Lukas Mäder, stellvertretender CEO der SAK. (Bild: gbe)

Die Zukunft wird schneller, die Zukunft wird vielfältiger und anspruchsvoller. Dies gilt auf vielen Gebieten; im besonderen gilt das aber im Bereich der Kommunikation: Immer mehr Daten, so der Anspruch der Konsumentinnen und Konsumenten, immer mehr Daten sollen immer schneller transportiert werden. Bilder, Filme, Musik, Dokumente, Firmendaten. Genügten bislang Kupferkabel für die Datenübertragung, so werden diese in absehbarer Zeit an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stossen. Überwunden wird die Grenze – das ist keine Neuigkeit – mit Glasfaserkabeln.

Ehrgeiziges Projekt

In der digitalen Gesellschaft in der wir leben, öffnet sich so ein weiteres Feld dem Konkurrenzgedanken: Die Erschliessung von Liegenschaften, ja ganzen Landschaften mit dem Glasfaserkabel. Die Lichtgeschwindigkeit hält nun Einzug im Alltag – flächendeckend zuerst in Herisau, später in der ganzen Ostschweiz. Gestern informierten deshalb der Herisauer Gemeindepräsident Paul Signer und die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) über den Stand in Sachen Breitbandanschluss fürs Volk.

Im Verlauf des letzten Jahres nahm ein «Fiber to the home»-Pilotprojekt (FTTH) in Herisau konkrete Formen an; die SAK machte dabei offenbar so gute Erfahrungen, dass sich der SAK-Verwaltungsrat dazu entschloss, in Herisau das erste flächendeckende Glasfaserkabel-Netz der Versorgungsregion zu erstellen. Lukas Mäder ist stellvertretender CEO der SAK und innerhalb des Stromversorgers verantwortlich für das SAKnet, wie das Glasfasernetz genannt wird. Natürlich, sagt er, hätten verschiedene Faktoren zu dieser Entscheidung geführt; dass hier aber bereits grosse Glasfaserstrecken bestünden, etwa zwischen den meisten Schulhäusern, einzelnen Unternehmen und Gebäuden der Gemeindeverwaltung, habe für Herisau gesprochen. So werden denn dieser Tage die ersten Liegenschaften ans SAKnet angeschlossen. Sie werden, so Mäder, bald über optimalen Fernsehempfang sowie schnelles Internet und Telefonie verfügen. Die SAK tritt als Infrastrukturbetreiberin auf – und aktuell: als Erbauerin dieser Infrastruktur. Der Spatenstich erfolgte gestern im Showroom der Herisauer Firma Kobler und Lehmann; hier ist die Informations- und Anlaufstelle für Kundinnen und Kunden (– hier oder im Internet). Lukas Mäder und die SAK haben ein hohes Tempo vorgelegt: Monatlich zwischen 400 und 600 Nutzerinnen und Nutzer wollen sie in den nächsten drei bis vier Jahren ans Glasfaserkabel-Netz anschliessen. Das neue Kabel wird bis ins Haus verlegt – Fiber to the home.

Wettbewerb gewährleistet

Selber bieten die SAK indes keine Provider-Dienste an, hier springen Dritte in die Bresche. Das sei im übrigen, so Gemeindepräsident Paul Signer, einer der drei Gründe, weshalb die SAK für Herisau die richtige Partnerin für dieses Projekt sei: Der Wettbewerb unter den Anbietern sei so gewährleistet, ebenso der diskriminierungsfreie Zugang aller Anbieter zu diesem Netz. Ein zweiter sei das ausgewiesene Know-how im Leitungsbau und -betrieb. Signer: «Die SAK müssen nicht erst Experimente eingehen – sie wissen, wie das geht.» Und schliesslich drittens: Als Stromanbieterin ist die SAK bereits jetzt «in allen Häusern und Unternehmen drin» – sie muss nicht erst neue Gräben aufreissen, sondern kann bestehende Leitungen um das Glasfaserkabel ergänzen.

In Gemeinden, in denen lokale Anbieter den Strom in die Haushalte und Betriebe liefern (etwa Speicher und Trogen oder Heiden und Walzenhausen), arbeitet die SAK in Zukunft über Verträge mit diesen zusammen. In direkt versorgten Gemeinden wie Herisau erstellt sie das Glasfaserkabel-Netz selber. Bis in zehn Jahren sollen deren sämtliche erschlossen sein. Herisau ist also erst der erste Schritt auf diesem Weg.

Und: Herisau bezahlt für die Lichtgeschwindigkeit übrigens nichts. Es sind die Kantone, denen die SAK gehört, die für eine Ostschweiz am globalen Glasfaserkabel-Netz aufkommen.