LICHTENSTEIG: Weintrauben vor dem Stadttor

In Lichtensteig ist seit Mitte März eine neue Idee spruchreif. Mit der Gründung der neuen Weinbaugenossenschaft soll hier eigener Wein angebaut und gekeltert sowie Raum für Erholung und Freizeit geschaffen werden.

Thomas Geissler
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Am Fusse von Lichtensteig, am Floozhang, sollen künftig Weinreben wachsen.

Am Fusse von Lichtensteig, am Floozhang, sollen künftig Weinreben wachsen.

LICHTENSTEIG. Das Toggenburg als Weinanbaugebiet? Was auf den ersten Blick vielleicht stutzig macht und die Frage aufwirft, ob das funktionieren kann, soll noch in diesem Jahr bewiesen werden. Die Weinbaugenossenschaft Lichtensteig will, getreu dem Gedanken einer pionierhaften Gestaltung des öffentlichen Raums, am Fusse des Städtlis einen eigenen Weinberg betreiben.

Der oberhalb der Floozwiese gelegene Weingarten soll künftig als Erholungsort am Rande des Städtlis dienen. Eine Besonderheit sei es, dass es in Lichtensteig noch nie Reben am Floozhang gegeben habe, erzählt Önologe und Vorstandsmitglied der Weinbaugenossenschaft Andreas Fischer. «Wir möchten beweisen, dass es sogar möglich ist, ohne Chemie Reben auf dieser Höhenlage anzubauen», erklärt Susanna Stockhammer, Vorstandsmitglied. Um dies gewährleisten zu können, werden spezielle pilzwiderstandsfähige Trauben gewählt.

Vieles ist in Planung

Mit Veranstaltungen und der Möglichkeit zur Mitarbeit beim Rebbau will man ein spassiges und erholsames Gemeinschaftsprojekt starten. «Geplant ist es, den Wein auch hier zu keltern», so Susanna Stockhammer. «Das wird aber noch nicht in den nächsten zwei Jahren geschehen.» Daneben wird es Kurse rund um den Weinbau geben. Geplant sind auch Naturkurse für Kinder, bei denen die Biodiversität im Rebberg untersucht wird. «Wir werden eine möglichst grosse Biodiversität anstreben, in der einheimische Tiere sich neben den Reben wohl fühlen sollen», erklärt Susanna Stockhammer. Weiterhin soll es Kurse für Degustation, Keltern und Mosten, aber auch schmackhaftes Gastgebertum und Kochen geben.

Im Mittelpunkt der Tätigkeiten der Genossenschaft stehen aber der Anbau, die Verarbeitung, die Kelterung und der Vertrieb eigener Weine. Dabei wird vor allem der naturnahe Umgang mit den Ressourcen in den Vordergrund gerückt.

Weitere Rebberge erhofft

«Das Ziel ist es, die Erde im Dialog mit der Natur zu kultivieren, zu pflegen, gesunde Nahrung zu produzieren und Schönheit zu schaffen», erklärt die Genossenschaftspräsidentin Julia Leijola.

Dabei hofft man bereits jetzt auf eine Ausstrahlungskraft des Projektes und weiterer Rebberge im mittleren Toggenburg. «Wenn sich das bewährt, könnten durchaus noch andere steile Hänge in Rebberge umfunktioniert werden», hofft auch Susanna Stockhammer. Ausserdem können Leute, die kein eigenes Land besitzen, ihren Traum vom eigenen Wein am Floozhang verwirklichen. Die Idee stösst bereits auf Begeisterung. Neben den sieben Amtsträgern im Vorstand zählt die Weinbaugenossenschaft schon jetzt 22 Mitglieder. Ab dem fünften Jahr soll der Ertrag aus dem Wein die laufenden Kosten im Weinkeller decken. Die jetzt nötigen Finanzen für dieses Vorhaben generiert die Genossenschaft zum einen durch die Zeichnung von Anteilsscheinen. Diese können zu 300 Franken das Stück bezogen werden. Zum anderen unterstützt die öffentliche Hand das Projekt mit Fördergeldern. Die Gemeinde sah in der Nutzung des Hanges eine interessante Alternative zur bisherigen Verwendung, mit hohem Gewinn für die heimische Bevölkerung. «Die Vorarbeit wurde von der Gruppe <Blühendes Lichtensteig> geleistet, die schon über zehn Jahre in der Gemeinde aktiv ist», berichtet Andreas Fischer. Als Andreas Fischer und Susanna Stockhammer der Gruppe beitraten, nahm die Idee zu einem Weinberg Gestalt an und konnte damit schnell die Unterstützung der Gemeinde finden.

Der erste Wein

Die Arbeiten am Weinberg im Flooz sollten bald beginnen, doch gilt es, erste Startschwierigkeiten zu überwinden. «Die Idee war, im Mai anzufangen. Wegen eines Erdrutsches haben wir gemerkt, dass es ein Stromkabel im Hang gibt, welches dies verhindert. Wir hatten eine Baubewilligung erhalten, aber die Gemeinde hatte keine Kenntnis von dem quer im Hang verlaufenden Kabel. Dies wirft uns nun etwas zurück, da das Kabel eventuell verlegt werden muss», so Julia Leijola. Wann mit dem ersten Wein gerechnet werden kann, ist von vielen Faktoren abhängig. «Insgeheim erhoffe ich mir, dass wir schon im nächsten Jahr das erste Fässli füllen können», zeigt sich Andreas Fischer optimistisch. Für diese Grössenordnung braucht man 300 Kilogramm Trauben. Sollte es im nächsten Jahr nicht klappen, bleibt man in der Genossenschaft aber zuversichtlich: «Ganz bestimmt ist es übernächstes Jahr so weit», freut sich Andreas Fischer.

Der Vorstand der Weinbaugenossenschaft: Susanne Stockhammer, Hans-Rudolf Gygax, Ruth Suter (Genossenschafterin, Vertretung für Andreas Fischer), Stephan Haller, Harry E. Eichholzer, Corina Schiess, Julia Leijola und als Gemeindevertreter Stadtpräsident Mathias Müller (von links). (Bilder: Thomas Geissler)

Der Vorstand der Weinbaugenossenschaft: Susanne Stockhammer, Hans-Rudolf Gygax, Ruth Suter (Genossenschafterin, Vertretung für Andreas Fischer), Stephan Haller, Harry E. Eichholzer, Corina Schiess, Julia Leijola und als Gemeindevertreter Stadtpräsident Mathias Müller (von links). (Bilder: Thomas Geissler)