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LICHTENSTEIG: Selbstbestimmt leben dank Freiwilligen

Die Gemeinde Lichtensteig bringt als Ostschweizer Pionierin das Zeitvorsorgemodell Kiss in unsere Region. Dazu wurde eine Genossenschaft gegründet.
Fridolin Weder (katholische Kirche), Peter Baumgartner (Pro Senectute), Silvia Frick (Netzwerk 60+, Lichtensteig), Susanne Weber (Gemeinderätin), Roland Walther (Präsident Genossenschaft), Mathias Müller (Stadtpräsident), Remo Schweizer (evang.-ref. Kirche), Trudy Fischer (Spitex), Markus Brändle (Heimleiter), Sabina Ruff (Beisitzerin), Susanna Fassbind (Kiss Schweiz). (Bild: PD)

Fridolin Weder (katholische Kirche), Peter Baumgartner (Pro Senectute), Silvia Frick (Netzwerk 60+, Lichtensteig), Susanne Weber (Gemeinderätin), Roland Walther (Präsident Genossenschaft), Mathias Müller (Stadtpräsident), Remo Schweizer (evang.-ref. Kirche), Trudy Fischer (Spitex), Markus Brändle (Heimleiter), Sabina Ruff (Beisitzerin), Susanna Fassbind (Kiss Schweiz). (Bild: PD)

LICHTENSTEIG. Die stark steigende Zahl älterer Menschen, die längere Lebensdauer und damit stets höher werdende Pflege- und Betreuungskosten sind für Private und die öffentliche Hand eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig sinken Bereitschaft und Möglichkeiten zur Freiwilligenarbeit, weil Kleinfamilien und Single-Haushalte zunehmen, Nachbarschaftshilfe aber abnimmt.

Und doch: Viele Menschen können und wollen sich vor allem im frühen Rentenalter in die Gemeinschaft einzubringen. Der Verein Kiss –in Zug vor fünf Jahren gegründet –nimmt sich dieser Thematik an; er hat ein erfolgreiches Modell entwickelt, welches vor allem in der Zentralschweiz in aller Munde ist. Die Gemeinde Lichtensteig holt dieses Erfolgsmodell ins Toggenburg.

Angebot ist erfolgversprechend

Die demographische Entwicklung und deren Auswirkungen sind hinlänglich bekannt. Ein Patentrezept, um die steigenden Kosten zu stoppen, gibt es nicht. Ein erfolgversprechendes Angebot ist das Zeitvorsorgemodell des Vereins Kiss. Der Motor hinter diesem Vorhaben ist die Mitgründerin Susanna Fassbind. In Zug und weiteren Regionen in der Zentralschweiz wird diese Idee seit fast vier Jahren erfolgreich umgesetzt.

Das Ziel von Kiss ist es, dass Menschen im Alter oder in schwierigen Lebenssituationen länger zu Hause bleiben und durch Freiwillige betreut werden können. Als Entlastung für die eigene Familie und zur Freude aller begleiten und betreuen Freiwillige mit fachlicher Unterstützung Menschen, die möglichst selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld weiterleben möchten. Als mögliche Leistungen kommen Hausarbeiten, Einkaufen, Fahrdienste, Sachtransporte, Vorlesen und ähnliches in Frage.

Die Freiwilligen werden geldfrei mit Zeitgutschriften honoriert, die sie für schwierigere Situationen im jüngeren Alter oder für das Alter ansparen, sofort brauchen oder anderen Menschen verschenken können. Jede Stunde ist dabei gleich viel wert, ganz unabhängig von der angebotenen Dienstleistung. Kiss bedeutet «Keep it small and simple». Dementsprechend ist die Organisation der Genossenschaft unbürokratisch und klein: Die Menschen werden von bezahlten Fachpersonen zusammengeführt (auch «Tandembildung» genannt), damit das Vertrauen untereinander wächst, die Leute gut betreut zu Hause bleiben und der Kitt in der Gesellschaft gestärkt wird. Das Ganze ist eine Win-win-Situation. Die Angebote ergänzen Spitex, Pro Senectute, private Anbieter und viele mehr. Ausdrücklich ausgeschlossen sind Pflegedienstleistungen, welche von Profi-Organisationen angeboten werden.

Lichtensteig als Pioniergemeinde

Die Gemeinde Lichtensteig hat zusammen mit rund 120 Seniorinnen und Senioren die Zukunft der Altersarbeit diskutiert und konkrete Projekte angestossen. Unter anderem wurde von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung der Lichtensteigerin Silvia Frick der Aufbau eines Zeitvorsorgesystems geprüft. Bei den Abklärungen zeigte sich, dass die Lösung, wie sie von Kiss betrieben wird, am zielführendsten ist.

Ende September gegründet

Am 29. September fand im Rathaus Lichtensteig die Gründung der Genossenschaft Kiss Toggenburg statt. Das Ziel ist es, dass sich langfristig die Organisation im ganzen Toggenburg ausbreitet oder sich das Zeitvorsorgesystem gar in der gesamten Ostschweiz etabliert. Der qualitative Nutzen des Modells wird durch eine laufende ETH-Evaluation überprüft; eine weitere Studie belegt, dass die öffentliche Hand mit Kiss Kosteneinsparungen in der Pflegefinanzierung erreicht.

In der Verwaltung der Genossenschaft Kiss Toggenburg wirken unter anderem Vertreter von Heimen, Spitex, Pro Senectute und Kirchen mit. Damit ist das Projekt breit abgestützt, und einer erfolgreichen Umsetzung steht nichts mehr im Wege. (pd)

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