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LICHTENSTEIG: Russische Revolution im «Chössi»

«Oktober im Mai», so heisst die nächste Eigenproduktion des Chössi-Theaters. Schauplatz ist Russland vor hundert Jahren. Der Theaterautor und Schauspieler Michael Hasenfuss hat diese Revolutionskomödie eigens fürs Toggenburger Laienensemble geschrieben.
Anina Rütsche
Der Autor Michael Hasenfuss ist in Deutschland aufgewachsen und lebt nun in Zürich. (Bild: Caroline Otteni/PD)

Der Autor Michael Hasenfuss ist in Deutschland aufgewachsen und lebt nun in Zürich. (Bild: Caroline Otteni/PD)

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch

Er ist Schauspieler, Sprecher, Regisseur und Autor. Gute Voraussetzungen also für Michael Hasenfuss aus Zürich, um ein Theaterstück für ein erst kürzlich zusammengestelltes Laien­ensemble masszuschneidern. «Oktober im Mai – eine Geschichtsverfälschung», so lautet dessen Titel, wird am 25. Oktober im Chössi-Theater in Lichtensteig uraufgeführt. Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweiz und in Russland.

Herr Hasenfuss, Ihr Werk «Oktober im Mai» trägt den Zusatz «Geschichtsverfälschung». Weshalb?

Hierbei handelt es sich um eine Geschichte, die zwar auf wahren Begebenheiten basiert, zu der ich aber einiges hinzuerfunden habe. Den Bezug zum Toggenburg beispielsweise, den gab es so nicht. Er ist hier aber nötig, um der Geschichte einen Rahmen zu geben. Die Kennzeichnung als Verfälschung rechtfertigt auch die Verwendung von Humor in Bezug auf ein ernsthaftes Thema wie dieses. Der Humor kann Grenzgänge entschärfen, und er macht Freude. Schliesslich soll das Stück der Unterhaltung dienen und keine knochentrockene Geschichtslektion sein, bei der sich das Publikum langweilt.

Warum ist die Geschichte in der Zeit der Russischen Revolution angesiedelt?

Seit diesen historischen Ereignissen sind nun genau hundert Jahre vergangen, deshalb bot sich das Thema an. Die revolutionären Umwälzungen in der russischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts, im engeren Sinn die Oktoberrevolution von 1917, haben das Ende des Russischen Kaiserreichs besiegelt. Die Voraussetzungen hierzu ergaben sich aus einer Konstellation, in der sich die politische und die soziale Erosion in der Gesellschaft überlagerten. Und auch der Monat Mai ist von Umschwüngen und Aufständen geprägt. Man denke beispielsweise an den Tag der Arbeit, den internationalen Kampftag der Arbeiterbewegung. Solche Spannungen und Umwälzungen im Zeitgeschehen finde ich faszinierend – vielleicht auch deshalb, weil ich in Deutschland aufgewachsen bin. Zwar im Westen, aber vom Osten und der DDR bekam man dennoch einiges mit. Auch hier sind Gegensätze aufeinandergeprallt.

Nun schreiben Sie fürs Chössi-Theater in Lichtensteig – nach «Tell a Crime Story» in Wattwil (2013/14) sowie «Huld und Schuld» (2015) in Ebnat-Kappel ist dies bereits ihre dritte Produktion in dieser Gegend. Wie ergab sich der Bezug zum Toggenburg?

Es ist richtig, dies ist bereits mein drittes Stück, das im Toggenburg zur Aufführung kommt. Möglich wurde dies dank dem Kontakt zu Barbara Bucher, die bei «Oktober im Mai» für die Regie verantwortlich ist. Wir haben schon ­öfter zusammengearbeitet und dabei festgestellt, dass wir beruflich sehr gut miteinander harmonieren. Das aktuelle Projekt hat sich aus dieser Tatsache erge-ben.

Seit Ende März studiert das Ensemble jeweils donnerstags das Stück ein. Sind Sie bei den Proben auch dabei?

Bisher war ich nicht dort, denn ich kann der Regisseurin Barbara Bucher bei ihrer Arbeit voll vertrauen. Wenn die Proben weiter fortgeschritten sind, werde ich aber nach Lichtensteig fahren, vielleicht sogar mehrmals. Ich möchte unbedingt miterleben, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler mein Stück umsetzen. Solche Momente sind für mich als Autor aufschlussreich, ja, da bekomme ich immer Gänsehaut.

Inwiefern kommt es Ihnen zugute, dass Sie nicht ausschliesslich Autor sind, sondern auch Schauspieler?

Von meiner Bühnen- und Filmerfahrung profitiere ich extrem. Bereits beim Schreiben habe ich eine Vorstellung davon, wie die umgesetzte Szene wirken kann. Wichtig ist es auch, zwischen gesprochener und geschriebener Sprache zu unterscheiden. Bühnentexte orientieren sich am Gesprochenen, dies im Gegensatz zu Romanen.

Wie war es Ihnen möglich, ein Stück aufgrund eines frisch zusammengestellten Ensembles zu verfassen?

Um die Auswahl der Darstellerinnen und Darsteller hat sich Barbara Bucher gekümmert. Von ihr erfuhr ich anschliessend, wer beim Projekt mit von der Partie ist: Geschlecht, Alter, Bühnenerfahrung, Ansprüche und einige weitere Merkmale. Wir haben das Glück, dass bei «Oktober im Mai» viele Leute dabei sind, die schon früher Theater gespielt haben. Das vereinfacht die Sache, denn ich kann auch anspruchsvollere Passagen einbauen. Insgesamt kommen im 60 Seiten umfassenden Textbuch 30 Rollen vor. Die Auftragsarbeit setzte voraus, dass die Aufführung etwa zwei Stunden dauern soll. Ich denke, dass ich das ganz knapp einhalten kann (lacht).

Wie sind Sie beim Schreiben vorgegangen?

Zuerst habe ich die historischen Fakten recherchiert, dann habe ich zwei intensive Schreibwochen in einem Ferienhaus im Zürcher Oberland verbracht – alleine, weit weg vom Alltag. Ich brauche diesen räumlichen Abstand, um mich konzentrieren zu können. Meine Frau weiss das und unterstützt mich, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

In «Oktober im Mai» muss sich der Hauptdarsteller zwischen Heimat und Liebe entscheiden. Was würden Sie wählen?

Die Liebe! Auch ich musste diese Entscheidung einst treffen. 2004 kam ich in die Schweiz, weil ich mich in eine Schweizerin verliebt hatte. Mittlerweile sind wir verheiratet und haben zwei Kinder. Seit 2013 bin ich eingebürgert. Hätte ich noch einmal die Wahl, würde ich es wieder so machen.

www.michael-hasenfuss.ch

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