LICHTENSTEIG: Putzen im Schoggiland

Inmitten von Kägi-Frets liegt der Arbeitsort der 28-jährigen Sandra Beslema. Für die junge Mutter bietet der späte Arbeitsbeginn, wie sie sagt, Vorteile.

Martina Signer
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Sandra Beslema ist bei RKW Reinigungen angestellt, die den Auftrag hat, die Kägi Söhne AG sauber zu halten. (Bild: Martina Signer)

Sandra Beslema ist bei RKW Reinigungen angestellt, die den Auftrag hat, die Kägi Söhne AG sauber zu halten. (Bild: Martina Signer)

Der rote ist für die Toiletten, der blaue für die Lavabos, der gelbe für die Ablageflächen und der grüne zum Abstauben: Die bunten Putzlappen haben alle eine bestimmte Funktion. Und befinden sich bei der Arbeit immer in den Händen von Sandra Beslema, die ihre Arbeit in der Kägi Söhne AG um 18.30 Uhr aufgenommen hat. Ab diesem Zeitpunkt ist sie dafür zuständig, dass Böden von Staub befreit wieder glänzen, Abfallkübel geleert werden, der Kägi-Shop für den nächsten Tag sauber und die Kantine aufgeräumt ist sowie die Bürotische keine Fingerabdrücke mehr aufweisen. Und das von Montag bis Freitag. Jeweils bis 22.30 Uhr. Oder 23 Uhr. Je nachdem, wie reibungslos der gewohnte Ablauf funktioniert. «Bürotische, die noch besetzt sind, putze ich später. In die Kantine kann ich erst nach viertel vor neun. Zuvor machen die Schichtarbeiter aus der Industrie hier Pause. Den Kägi-Shop mache ich meist zum Schluss.»
 

Nur noch zweimal pro Woche ins Fitnessstudio

Durch die Katakomben, vorbei an der Kantine, den Shop rechts liegen lassend, erreicht die junge Frau das Treppenhaus. «Zum Fitness gehe ich nur noch zweimal pro Woche, seit ich hier arbeite.» Sagt es und steigt vier Stockwerke nach oben, wo sie die erste von zahlreichen Toiletten reinigt. «Wenn ich etwas unten vergessen habe, muss ich wieder hoch.» Sie flitzt die Treppen rauf, wieder eine runter, den Gang entlang und noch ein Stockwerk runter, bevor sie wieder hocheilt. Dann sind alle Toiletten sauber. «Sollte ich etwas vergessen, hängt am nächsten Tag ein Klebezettel an der jeweiligen Tür.» Solche findet sie aber selten. Auch heute ist keiner zu sehen. Denn die Routine bringt es mit sich, dass Patzer zur Seltenheit gehören. «Sollte ich heute etwas vergessen, liegt es eindeutig an Ihnen und Ihren vielen Fragen», sagt sie zur Journalistin und schmunzelt.
 

«Um diese Uhrzeit habe ich meine Ruhe bei der Arbeit»

Die späten Arbeitszeiten scheinen der Reinigungskraft nichts auszumachen. Im Gegenteil: «Für mich als junge Mutter ist diese Zeit perfekt. Mein Mann ist von der Arbeit zu Hause, kümmert sich um den Kleinen, und ich habe hier meine Ruhe und kann konzentriert arbeiten.» Und das tut sie. Jeder Handgriff sitzt. Sie erblickt einen Bürotisch, der ziemlich chaotisch hinterlassen wurde. «Ich darf nichts verschieben. Nur rundherum abstauben.» Also bleibt die Unordnung bis zum nächsten Abend. Mindestens. «Meist sind diese Tische eines Tages plötzlich penibel aufgeräumt. Das werte ich als Zeichen, dass die Mitarbeiter den Tisch geputzt haben wollen.»
 

Rot, weiss, lecker, Kägi – und das überall

Bei jedem Schritt ist Schokolade allgegenwärtig. Nicht nur optisch. Man riecht sie auch. Vor allem dort, wo noch gearbeitet wird. «Wenn Sie in die Industrie mitkommen wollen, müssen Sie eine Haube anziehen.» Gesagt, getan. Hübsch sieht es zwar nicht aus, aber lange hat die junge Mutter hier nicht zu tun. Nur das WC gehört gereinigt. Und die Stoffrolle zum Händetrocknen muss ausgewechselt werden. Aber die Kägi-Frets sind zum Greifen nah. Die Reinigungskraft bemerkt, dass ihrer Begleiterin das Wasser im Mund zusammenläuft, und lacht: «Das ging mir früher genau so.»