LICHTENSTEIG: Punktlandung mit Solarzellen

Erst vor zwei Wochen stellte die Energiekommission das Bürgerprojekt für eine gemeinschaftliche Fotovoltaikanlage vor. Aber die erste Hürde hat es am Sonntag in der Taverne zur Krone bereits genommen.

Sascha Erni
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Colette und Marcel Ochsner wollen mit der Beteiligung am Bürgerprojekt ihren jährlichen Stromverbrauch decken. (Bilder: Sascha Erni)

Colette und Marcel Ochsner wollen mit der Beteiligung am Bürgerprojekt ihren jährlichen Stromverbrauch decken. (Bilder: Sascha Erni)

Sascha Erni

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Das Resultat des Abstimmungssonntags war ganz im Sinne des Projektteams von «Solar Lichtensteig»: Das Städtchen hat das neue Energiegesetz mit 56 Prozent angenommen, als nur eine von drei Toggenburger Gemeinden. Die Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger zeigen sich mehrheitlich aufgeschlossen gegenüber der Energiewende. Das Bürgerbeteiligungsprojekt für eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der ehemaligen Oberstufenschule, das die Energiekommission am 6. Mai anlässlich des Tages der Sonne präsentiert hatte, (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete), fällt hier also auf fruchtbaren Boden. So verwundert es nicht, dass das sportliche Ziel für den ersten Verkaufstag – 25 Prozent veräusserte Anteile – bereits nach wenigen Stunden erreicht war. «Eine Punktlandung», wie der Präsident der Lichtensteiger Energiekommission, Martin Fricker, sichtlich erfreut feststellte.

Grosse Bandbreite an Beteiligungsmöglichkeiten

Der gelungene Start ist sicher auch dem Einsatz des Ehepaars Marcel und Colette Ochsner zu verdanken. Sie reservierten sich genug Einheiten, um den grössten Teil ihres Jahresstrombedarfs decken zu können. Als Stockwerkeigentümer mitten in der Altstadt stehen sie vor demselben Problem wie Mieter oder Besitzer von denkmalgeschützten Liegenschaften: Der Bau einer eigenen Fotovoltaikanlage ist schwierig bis unmöglich. «Wir können in der Altstadt nichts machen. Und als wir die letzten Tage die Plakate sahen, sprachen wir darüber und entschieden uns gemeinsam zu diesem Schritt», erzählte Marcel Ochsner. Das andere Ende des Spektrums fand sich bei Ehepaar Weber. Sie kauften einen einzelnen Quadratmeter Solardach, «sozusagen symbolisch», wie Susanne Weber lachend erklärte. Zurzeit seien bei ihnen andere Baustellen offen. «Wir finden aber die Idee des Beteiligungsprozesses eine tolle Sache,» sagte Weber, «also wollen wir das Projekt auch unterstützen.»

Ein pragmatischer erster Schritt

Innerhalb dieser Bandbreite bewegten sich alle getätigten Verkäufe und Vorgespräche des Sonntags. Manche reservierten sich fünf Quadratmeter und werden so über 20 Jahre jährlich 400 kWh von der SAK gutgeschrieben bekommen, andere dachten über den «symbolischen Quadratmeter» oder einen grösseren Einkauf nach. Dabei zeigten sich die Anwesenden wenig ideologisch, stellten Detailfragen und zeigten sich durchaus auch skeptisch. Aber die meisten waren sich einig: Das Projekt sei ein pragmatischer erster Schritt zu einer besseren Eigenstromversorgung Lichtensteigs.

Falls die Verkaufsphase erfolgreich verläuft, wird das Bürgerbeteiligungsprojekt ab November Strom von der geplanten Fotovoltaikanlage liefern. Vertragspartner ist die Gemeindeverwaltung Lichtensteig, Betrieb und Verrechnung wird über die SAK abgewickelt. Interessenten erhalten detailliertes Informationsmaterial und Kaufunterlagen auf der Gemeinde, ein Postversand in den nächsten Tagen soll das Projekt städtchenweit bekannt machen. Als nächster Zwischenschritt ist ein Sonnwendfest am 21. Juni geplant, bis dahin will die Energiekommission die Hälfte der Solarpanels verkauft haben. «Jetzt fängt die richtig schöne Arbeit an», wie Fricker gegen Schluss sagte.

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