LICHTENSTEIG: Mit viel Schwung wird gefeiert

Die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen der Kirche Lichtensteig. Gebaut wurde das Gotteshaus in den 1960er-Jahren dank der Frauen.

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Blick von oben auf die reformierte Kirche Lichtensteigs. Geplant hat die Kirche der Zürcher Architekt Oskar Bitterli. (Bild: PD)

Blick von oben auf die reformierte Kirche Lichtensteigs. Geplant hat die Kirche der Zürcher Architekt Oskar Bitterli. (Bild: PD)

Vor rund 50 Jahren bekam Lichtensteig das «Gesicht», wie man es heute kennt. Massgeblich daran beteiligt waren Reformierte und Katholiken. Mit ihren Kirchenneubauten prägen sie das Bild des Städtchens. Am 10. September 1967 weihen die reformierten Kirchbürger ihre neue Kirche ein.

Rund drei Jahre später begehen die Katholiken die Weihe ihres Neubaus, der an der Stelle der früheren neugotischen Kirche steht. Damit endet auch eine Partnerschaft, die seit der Reformation bestand. Lichtensteig hat bis dahin eine «paritätische Kirche»: Beide Konfessionen nutzten denselben Sakralbau. Bereits ab 1935 haben aber beide Konfessionen Pläne für eine eigene Kirche. Denn es gibt Spannungen, etwa wegen der Benützungs­zeiten.

Die Frauen wollen bauen

Ab 1954 wird das reformierte Bauvorhaben konkret. Anstoss ist, dass die Kirchgemeinde das Grundstück für einen Neubau als Schenkung erhält. Bald sammelt der Frauenverein unter dem Motto «Wir Frauen, wir bauen» Geld für die eigene Kirche. 1964 lösen die Kirchbürger das paritätische Verhältnis mit den Katholiken auf. Diese bezahlen den Reformierten 250000 Franken als Anteil an der bestehenden neugotische Kirche sowie das Grundstück. Gleichzeitig wird ein Projektwettbewerb mit sieben Architekturbüros lanciert.

Realisiert wird das Projekt des Zürcher Architekten Oskar Bitterli, für das die Kirchbürger einen Kredit von 1,7 Millionen Franken bewilligen. Der Bau zeigt, wie sich in dieser Zeit das Verständnis des Gottesdienstes verändert. Bei den früher üblichen Längsbauten sind die Sitzreihen hintereinander gestaffelt, ausgerichtet auf einen «Frontalunterricht» des Pfarrers. Nun rückt das Gemeinschaftliche in den Blick. «Die Bankreihen sind L-förmig angeordnet. Durch das Näherrücken soll die Gemeinde aktiver am Gottesdienst teilnehmen», schreibt Bitterli zur Lichtensteiger Kirche. Für die Kirchbürger ist der Neubau ein Meilenstein. «Die Kirchgemeinde steht vor einem Tag, der zu einem Höhepunkt ihrer Geschichte werden soll: Das erste eigene Gotteshaus», schreibt der Kirchgemeindepräsident zur Einweihung. Die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg (MTG), zu der Lichten­steig heute gehört, begeht das Jubiläum exakt 50 Jahre nach der Einweihung. «Am 10. September 2017 gibt es eine Feier für das Städtli Lichtensteig und die ganze Kirchgemeinde», sagt Trix Gretler, in Lichtensteig wohnhafte Pfarrerin des MTG. Sie ist ­beeindruckt vom Schwung, welchen das Bauprojekt in der damaligen Gemeinde ausgelöst hat. Und Trix Gretler sieht Parallelen zur heutigen Zeit. «Wie damals sind wir auch heute in einer Aufbruchszeit.» Allerdings seien die Ziele verschieden. Damals grenzten sich die Konfessionen voneinander ab. «Heute gehe es um das ökumenische Miteinander und das Zusammenwachsen der Kirchgemeinde MTG mit den Dörfern Lichtensteig, Wattwil und Krinau.» (pd)

10. September, Jubiläums-Feier, reformierte Kirche Lichtensteig.