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LICHTENSTEIG: Lichtensteig könnte bald eine Kulinarik-Meile als Wahrzeichen erhalten

Studentinnen und Studenten der Universität Liechtenstein befassten sich mit der städtebaulichen Entwicklung der Gemeinde. Sie kamen zu verblüffenden Erkenntnissen und präsentierten kreative Vorschläge.
Martin Knoepfel
Die Kägi-Fabrik und die «Städtlichäsi» lieferten die Inspiration für eine Kulinarik-Meile an der Loretostrasse. (Bild: Visualisierung: Haris Memic, Universität Liechtenstein / Studio Wagner, Lichtensteig)

Die Kägi-Fabrik und die «Städtlichäsi» lieferten die Inspiration für eine Kulinarik-Meile an der Loretostrasse. (Bild: Visualisierung: Haris Memic, Universität Liechtenstein / Studio Wagner, Lichtensteig)

Die Stadtentwicklung ist eine trockene Materie, die Planer und vielleicht noch Politiker interessiert. Falsch. Über 100 Personen kamen zur Präsentation von Semesterarbeiten von 16 Studentinnen und Studenten der Universität Liechtenstein und diskutierten danach angeregt darüber. Am Montagabend stellten die Studenten ihre Arbeiten in der ehemaligen Blockfabrik in Lichtensteig einem grossen Publikum vor.

Der Auftrag lautete, Entwicklungsreserven innerhalb des Baugebiets von Lichtensteig aufzudecken (siehe Zusatztext). Dabei scheuten die Studenten nicht davor zurück, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. So wiesen sie darauf hin, dass man als erstes ein heruntergekommenes Restaurant sieht, wenn man sich Lichtensteig von Dietfurt her nähert. Erwähnt wurde auch, dass in der Gemeinde 48 Wohnungen leer stehen, eine weniger als im viel grösseren Wattwil.


Boulevardcafés sind der Renner

Die Vorschläge decken ein breites Spektrum ab, sodass es nicht möglich ist, alle Ideen hier zu erwähnen. Eine Gruppe befasste sich mit dem Bahnhof Lichtensteig, der allerdings auf Wattwiler Boden liegt. Den Studentinnen schwebt eine Aufwertung des Bahnhofplatzes vor. Der Platz vor dem alten Bahnhof könnte durch ein Boulevardcafé bereichert und südlich des Chössi-Theaters ein Garten angelegt werden.

Bei der Flöözli-Wiese soll die Thur durch eine Treppe zugänglich gemacht werden. Auffällig ist, dass die Studenten an verschiedenen Orten Boulevardcafés einrichten wollen, um die Quartiere zu beleben. Ein Thurweg taucht ebenfalls in diversen Ideenskizzen auf. Die reizvolle Landschaft des Thurtals wurde mehrfach als Vorzug Lichtensteigs genannt.


«Wohnmaschinen» architektonisch aufwerten

Eine andere Gruppe will die Quartiere Ober- und Unterplatten durch neue Wege besser vernetzen. Die «Wohnmaschinen» in Unterplatten sollen architektonisch aufgewertet werden. Um den Dorfeingang von Norden her zu markieren, wurde unter anderem ein Kreisel vorgeschlagen. Die Wiese zwischen Loreto- und Oberplattenstrasse möchten die Studenten kleinparzellig überbauen, dies als Alternative zum allerdings schon bewilligten KMU-Projekt.

Eine weitere Gruppe rät, hochwertige Wohnmöglichkeiten in den an die Altstadt angrenzenden Quartieren zu schaffen, um die Altstadt zu beleben. Kritisch wurde angemerkt, dass in diesen beiden Quartieren viel offener Raum in Form von Strassen oder Parkplätzen für die Autos reserviert ist. Da könnten mehrere oder grössere Tiefgaragen Abhilfe schaffen.


Nach dem Vorbild englischer Gartenstädte bebauen

Um den durchgrünten Charakter des Stadtbau-Quartiers zu erhalten, sollen die Bauvorschriften eine kleinteilige Bebauung nach dem Vorbild der englischen Gartenstädte sicherstellen. Auch das Quartier Unterplatten soll nach den Vorstellungen der Studenten in Richtung Gartenquartier entwickelt werden. Die Quartiere oberhalb der Loretostrasse könnten durch einen neuen Weg ohne grosse Steigungen verbunden werden.

Eine talseitig der Loretostrasse liegender und parallel zu ihr verlaufender Fussgänger- und Veloweg könnte die Loretostrasse aufwerten. Das sei sehr wichtig, hiess es, da die Loretostrasse alle Quartiere verbinde. Heute wendeten sich die an der Strasse gelegenen Häuser von dieser ab. Als Aushängeschild Lichtensteigs schlug eine Gruppe eine kulinarische Meile bei der Kägi-Fabrik und der «Städtlichäsi» vor. Zudem könnte man bei Neubauten die Gebäude um einen gemeinsamen Hof gruppieren.

Es sei aussergewöhnlich, dass eine Gemeinde in diesen Fragen eine so aktive Rolle spiele. Lichtensteig sei auf einem guten Weg, den es unbedingt weitergehen sollte, sagte Michael Wagner.

Innenentwicklung im Fokus

In den letzten Jahren fand die bauliche Entwicklung Lichtensteigs vor allem auf der grünen Wiese statt. Nun werde man sich auf die Innenentwicklung konzentrieren, sagte Stadtpräsident Mathias Müller. Der Perspektivwechsel ist nicht ganz freiwillig, denn Lichtensteig gehört zu den – vor allem im Toggenburg gelegenen – Gemeinden, die Bauland auszonen müssen.

Die Studentinnen und Studenten hatten sich unter Leitung Michael Wagners, Dozent an der ETH Zürich und der Universität Liechtenstein, mit der städtebaulichen Situation Lichtensteigs befasst, und lieferten Ideen für Aufwertungen und Neugestaltungen. Michael Wagner hat solche Studien unter anderem für Schaffhausen, Zumikon, Zernez und Grenchen realisiert. Studenten würden keine abschliessenden Lösungen liefern, sagte Mathias Müller, aber sie dächten freier, und die Aussensicht bringe neue Impulse. Der Gemeinderat wird die Ideen auswerten und entscheiden, welche er im Hinblick auf den neuen Richtplan aufnehmen wird. (mkn)

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