Lichtensteig legt Rebberg an

LICHTENSTEIG. Im Zusammenhang mit der Sanierung des Sonnhaldenwegs lässt die Gemeinde Lichtensteig oberhalb der Bahnhofstrasse Reben pflanzen. Sie sollen unter anderem den Hang stabilisieren.

Martin Knoepfel
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Stadtpräsident Mathias Müller auf dem Areal des neuen Rebbergs. Im Hintergrund das Haus Weinburg. (Bild: Martin Knoepfel)

Stadtpräsident Mathias Müller auf dem Areal des neuen Rebbergs. Im Hintergrund das Haus Weinburg. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Gemeinde Lichtensteig geht unter die Winzer, wenigstens bildlich gesprochen. Am Abhang zwischen dem Sonnhaldenweg und der Bahnhofstrasse in Lichtensteig sieht man Erdterrassen. Das hat seinen Grund. Nach dem Willen des Gemeinderats wird dort ein Rebberg angelegt. Das kann man den Mitteilungen der Gemeinde Lichtensteig vom 12. November entnehmen.

Die Idee, Reben zu pflanzen, sei im Gespräch zwischen Hans Brunner und ihm entstanden. Der Hang sei ja von weither sichtbar, sagt Stadtpräsident Mathias Müller. Da mache sich ein Rebberg gut. Zudem sei der Hang etwas instabil. Momentan werden deshalb der Sonnhaldenweg und die Stützmauer des Weges saniert. Die Mauer habe Risse bekommen, sagt Mathias Müller. Der Rebstock sei eine Pflanze, die tiefe Wurzeln bilde und so Hänge stabilisiere, sagt Mathias Müller.

«Hervorragende Lage»

Dieser Hang sei eine hervorragende Lage, vielleicht noch besser als der Rebberg bei der Firma Högg. Die Mauer des Sonnhaldenwegs und die Bahnhofstrasse würden die Wärme speichern und sie langsam abgeben. Der Abhang sei gegen Westen und Süden gerichtet. Oberhalb des Sonnhaldenwegs stehe ja das Haus «Weinburg», ergänzt der Stadtpräsident.

Hans Brunner habe eine lange Erfahrung, und er habe bewiesen, dass er in dieser Lage guten Wein produzieren könne. Deshalb habe man ihm die Bewirtschaftung des Rebbergs übertragen, sagt Mathias Müller. Den dort produzierten Wein werde die Gemeinde an offiziellen Anlässen ausschenken. «Eher nicht», antwortet der Stadtpräsident auf die Frage, ob die Gemeinderäte im neuen Rebberg selber wümmen werden.

Die Kosten für den Rebberg beziffert Mathias Müller auf etwa 24 000 Franken. Das werde über den Kredit für die Sanierung des Sonnhaldenwegs abgerechnet. Mit dem Budget 2015 haben die Stimmbürger einen Kredit in Höhe von 368 000 Franken für die Sanierung des Sonnhaldenwegs bewilligt.

«Putzt Städtchen heraus»

Einen Weinberg kann man allerdings nicht so einfach anlegen. Es braucht einen Eintrag im Rebbau-Kataster. Den müsse die Gemeinde noch vornehmen, sagt Mathias Müller. Beim Bundesamt für Landwirtschaft hiess es, dass der Bund zwar Kriterien aufgestellt habe, dass aber die Kantone das Bewilligungsverfahren durchführen würden. Reben für die Weinproduktion dürften nur auf Grundstücken gesetzt werden, die für den Weinbau geeignet seien. Kriterien seien unter anderem die Neigung des Hanges, die Bodenbeschaffenheit, die Höhe des Rebbergs oder naturschützerische Gesichtspunkte. Wer Wein mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung produzieren wolle, müsse das entsprechende Reglement beachten.

«Der Weinberg wird das Städtchen herausputzen. Ich finde, das ist eine Superidee des Stadtpräsidenten», sagt Hans Brunner. «Deshalb mache ich mit.» Der Hobbywinzer bewirtschaftet den zwischen der Högg AG und dem Bahntrassee gelegenen Rebberg und produziert den «Städtli-Wii».

80 bis 100 Flaschen

Der Rebberg dürfte rund sechs Aren Fläche aufweisen. «Entlang des Zauns sollen Tafeltrauben gepflanzt werden, damit die Passanten von den Trauben kosten können», sagt Hans Brunner. Ferner schwebt ihm vor, die Reben über den Weg zu ziehen, so dass sie ein Laubdach bilden. Bis es so weit sei, dauere es aber mindestens drei Jahre, sagt er. Angepflanzt würden Reben der Sorte Riesling x Sylvaner. Nächstes Jahr werde man den ersten begrenzten Ertrag, «eine Traube pro Rebe», verzeichnen. Ab drei Jahren würden die Rebstöcke richtig tragen, sagt Hans Brunner. Er rechnet mit durchschnittlich 80 bis 100 Flaschen Wein pro Jahr aus dem neuen Rebberg. Der Wein – es wird ein Weisser sein – werde sich wahrscheinlich nur in Nuancen von seinem «Städtli-Wii» unterscheiden, sagt Hans Brunner. Er wolle noch abklären, ob der Wein aus dem neuen Rebberg getrennt von seinem «Städtli-Wii» gekeltert werden könne, damit die Gemeinde wirklich ihren eigenen Wein ausschenken könne, sagt Hans Brunner zum Schluss.