LICHTENSTEIG: Jutesack, Holz und Holzwolle

Die langjährige Tradition des Funkenverbrennens wurde auch dieses Jahr weitergeführt. Gestern Sonntag wurde der Funken verbrannt, um den Winter zu vertreiben.

Chiara Weber
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Der brennende Funken vom letzten Jahr. (Bild: Peter Schwarzmann)

Der brennende Funken vom letzten Jahr. (Bild: Peter Schwarzmann)

Chiara Weber

chiara.weber@toggenburgmedien.ch

Seit über 50 Jahren gibt es den Funken in Lichtensteig. Ein ­kleines eingespieltes Grüppchen aus freiwilligen Helfern baut ihn jedes Jahr auf. Der Funken besteht aus Massivholzpalletten und Büscheln aus Altholz. Gestopft wird der ganze Funke dann noch mit Holzwolle. Einen konkreten Plan gibt es nicht. «Jeder weiss was er zu tun hat, alle sind schon viele Jahre dabei», sagt Michael Ehrbar, der Leiter der Gruppe. «Das Funkenbauen wurde von den Vätern an die nächste Generation vererbt und sie vererben es an ihre Kinder weiter.» So kann die langjährige Tradition erhalten bleiben. Früher wurde der Funken auch Kellerräumetis genannt und noch auf dem Wolfshaldenplatz verbrannt. Jeder konnte bringen, was er nicht mehr brauchte, das wurde dann aufgeschichtet, mit gut 200 Liter Altöl übergossen und ange­zündet. Das waren auch Ma­tratzen und andere Möbel dabei. Der Funken, den sie heute verbrennen, ist aus reinem unbe­handeltem Holz, verbrannt wird er auf der Flöözliwiese. Es ist wichtig dass das Holz unbehandelt ist, damit der Funken gut brennt. Das Holz sind Restposten, die sie von Firmen geschenkt bekommen. Ausser die Büschel die müssen sie zukaufen. Früher hat das die Feuerwehr gemacht, jetzt nicht mehr, und es finden sich keine neuen Leute die das übernehmen würden. Aber auch dieses Holz ist altes Anfeuerholz aus dem Wald.

Fischkleister, Zeitung und Holzwolle

Der Böögg besteht aus einem ­alten Jutesack und wird gestopft mit Holzwolle und verkleidet mit Zeitung und Fischkleister. Bis vor ein paar Jahren war der Böögg noch ein Mann mit Hemd und Hose. Das wurde dann geändert, wegen der Kinder. Jetzt sieht der Böögg dem Sechse­läuten-Böögg, einem Schneemann, der Zürcher ähnlich. Natürlich dürfen auch die Böller nicht fehlen, die von einem professionell ausgebildeten Helfer angebracht werden. Die Veranstalter arbeiten eng mit der Feuerwehr zusammen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Der Böögg wird eingezäunt, damit keines der Kinder zu nah an das Feuer kommt.

Mit dem Funken soll der Winter verbrannt und vertrieben werden. Es ist der Abschluss der Fasnacht und der Anfang der Fastenzeit. Der Funken findet immer am Sonntag nach dem Aschermittwoch statt. Ursprünglich soll der Funken von einem heidnisch-germanischen Brauch, um den Winter zu vertreiben, abstammen. Dies konnte aber erst mit einem Brandbericht aus dem Benediktinerkloster Lorsch belegt werden. Nach dem ersten Weltkrieg war der Funken für eine Zeit verboten da es wenig Holz gab, erst nach dem zweiten Weltkrieg lebte der Brauch wieder auf und ist jetzt vielerorts Tradition.

Ein Umzug, von Kindern bis zur 6. Klasse, zieht von der Schule bis zur Föözliwiese durch das dunkle Städtchen. Jedes dieser Kinder hat eigens für diesen Umzug einen Lampion gebastelt. Diese werden von den Kinder während des Umzuges stolz präsentiert. Begleitet werden die Kinder vom Tambourenverein. Die Musikgesellschaft spielt am Anfang im Städtchen und später geben sie nochmals zwei Stücke auf der Wiese zum Besten. Anschliessend gibt es ein Feuerwerk, und mit dem Schlussknall des Feuerwerkes wird der Funken angezündet.

Die Ehre gebührt den Freiwilligen

Der Gruppe, die den Funken gebaut hat, gebührt die Ehre, den Funken anzuzünden. Auch für Verpflegung ist gesorgt, die Kinder bekommen ein Brötchen mit einem Schoggistängeli, ebenfalls gibt es Wurst und Getränke.

Auf die Frage was die Motivation sei, jedes Jahr freiwillig den Böögg auf der Flöözliwiese in Lichtensteig aufzubauen, lächelt Michael Ehrbar und antwortet, ohne zu überlegen: «Für die Kinder – zu sehen wie sie sich freuen und stolz ihren Lampion präsentieren. Aber auch die persönliche Freude am Abend.»