LICHTENSTEIG: Hochwasser über die Strasse ableiten

Die Gemeinde will den Ziegelhüttenbach entlang der Uttenwilerstrasse öffnen. Das soll zugleich die Gefährdung durch den Meienbergbach verringern. Die Kosten belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Franken.

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Die Einmündung der Uttenwiler- in die Loretostrasse. Vorgesehen ist, dass der Ziegelhüttenbach zwischen der Strasse und der Städtli-Käserei – weisses Gebäude rechts – offen fliesst. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Einmündung der Uttenwiler- in die Loretostrasse. Vorgesehen ist, dass der Ziegelhüttenbach zwischen der Strasse und der Städtli-Käserei – weisses Gebäude rechts – offen fliesst. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Ziegelhüttenbach in Lichtensteig soll künftig entlang der Uttenwilerstrasse zwischen einem Punkt oberhalb der Einmündung der Oberplattenstrasse und der Unterquerung der Loretostrasse offen fliessen. Das kann man dem Wasserbauprojekt entnehmen, das seit dem 8. Dezember öffentlich aufliegt. Heute zwängt sich der Bach unter der Uttenwilerstrasse durch zwei parallele Röhren. Das Tobel des Ziegelhüttenbachs ist wahrscheinlich in den 1960er-Jahren aufgeschüttet und der Bach eingedolt worden. Das neue Bachbett liegt auf der südlichen Seite der Uttenwilerstrasse. Damit das Projekt realisiert werden kann, ist ein Ja in der kommunalen Volksabstimmung nötig. Die Volksabstimmung über den Kredit – und über einen weiteren für den Kauf des UBS-Gebäudes an der Hauptgasse – hat der Gemeinderat von Lichtensteig auf den 12. Februar 2017 angesetzt. Das kann man den neuesten «Mitteilungen aus dem Städtli» entnehmen.

Überflutungsgefahr weitgehend gebannt

Der Meienbergbach verläuft weitgehend in Röhren. Ihr Fassungsvermögen ist zu klein für ein Hochwasser, wie es statistisch einmal in 30 Jahren vorkommt. Überschwemmungen des Meienbergbachs würden hohe Schäden verursachen, da Wohngebiete betroffen seien, halten die Projektverfasser fest. Bauliche Massnahmen sollen dafür sorgen, dass künftig bei Hochwasser die austretenden Fluten des Meienbergbachs oder oberflächlich abfliessende Wassermassen ab dem Waldeggweg über die Uttenwilerstrasse ins neue Bett des Ziegelhüttenbachs geleitet werden, ohne in die dort stehenden Gebäude einzudringen. Das neue Bett des Ziegelhüttenbaches könne die zusätzlichen Wassermengen aufnehmen, heisst es im technischen Bericht zur Vorlage.

Von diesen Massnahmen versprechen sich die Projektverfasser eine weitgehende Elimination der Überflutungsgefahr im Bereich Uttenwilerstrasse-Loretostrasse-Austrasse. Auch die Gefahr von Überflutungen der Fabrik der Firma Kägi Söhne wird gebannt. Auf der Uttenwilerstrasse bleibt jedoch laut Gefahrenkarte ein mittleres Risiko von Überschwemmungen.

Bachöffnung als Voraussetzung

Bei Bauvorhaben müssen laut eidgenössischem Gewässerschutzgesetz eingedolte Bäche freigelegt werden, wenn das möglich ist. Die Öffnung des Ziegelhüttenbachs ist zudem die Voraussetzung dafür, dass man einen Teil des Wassers aus dem Meienbergbach bei Hochwasser über die Uttenwilerstrasse ableiten kann. Der Meienbergbach wird nicht geöffnet. Der Ziegelhütten- und der Meienbergbach haben ein Einzugsgebiet von total rund 23 Hektaren. Am Steilhang unterhalb der Austrasse kommt der Ziegelhüttenbach ans Tageslicht und fliesst thurwärts. Heute ist der Durchlass der beiden Bäche unter der Loretostrasse nur vom Auslauf her zugänglich. Deshalb soll bei der Loreto-strasse ein neuer Zugangsschacht zum Durchlass gebaut werden.

Das Areal des neuen Bachbetts ist im Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Das neue Bachbett schneidet die Deponie an. Ein Spezialist für Altlasten nennt es unwahrscheinlich, dass der Aushub stark belastetes Material zu Tage fördern wird. Allerdings sei unbekannt, welches Material für Auffüllungen unterhalb der Loretostrasse verwendet worden sei, warnt er.

Im «bestmöglichen Fall» kann das Vorhaben laut Stadtpräsident Mathias Müller 2017 realisiert werden, um Synergien mit der Überbauung des Areals des ehemaligen Kindergartens zu nutzen. Die Öffnung des Ziegelhüttenbachs und die Massnahmen am Meienbergbach sollen weitgehend parallel realisiert werden.

Gemeinde bezahlt rund 1,6 Millionen Franken

Den aufgelegten Projektunterlagen kann man weiter entnehmen, dass sich die Kosten des Projekts auf gut 2,4 Millionen Franken belaufen. Auf die Gemeinde dürften dabei Ausgaben von rund 1,6 Millionen Franken zukommen. Der Bund subventioniert das Projekt mit fast 500000 Franken und der Kanton mit etwas mehr als 300000 Franken. Perimeterbeiträge der Anstösser sind nicht vorgesehen. Fast 1,8 Millionen Franken kostet die Öffnung des Ziegelhüttenbachs. Knapp 700000 Franken sind für den Meienbergbach nötig.

Das Wasserbauprojekt und weitere Unterlagen können bis zum 6. Januar auf der Gemeindeverwaltung eingesehen werden. Sie sind auch auf der Homepage von Lichtensteig aufgeschaltet.

 

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch

www.lichtensteig.ch