LICHTENSTEIG: Häppchenweise zur Anlage

Die Energiekommission veranstaltete am Samstag den Tag der Sonne. Ein neues Bürgerbeteiligungsmodell «Solar Lichtensteig» stand dabei im Zentrum.

Sascha Erni
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In der Freudegghalle wurde das Bürgerbeteiligungsprojekt «Solar Lichtensteig» vorgestellt.

In der Freudegghalle wurde das Bürgerbeteiligungsprojekt «Solar Lichtensteig» vorgestellt.

Sascha Erni

redaktion@toggenburgmedien.ch

Das Wetter mochte letzten Samstag nicht so recht mitspielen, es war kühl und regnerisch. Das hielt aber dreissig Interessentinnen und Interessenten nicht davon ab, sich am Tag der Sonne über die neusten Trends in der Solarenergie zu informieren. Vorträge und Objektbesichtigungen zeigten, was heute alles möglich ist. Abgerundet wurde das Programm mit Ausstellungen des regionalen Energiegewerbes, und im Verlauf des Morgens drückte dann doch noch die Sonne durch. Ein Hoffnungsschimmer?

Es liegt viel Potenzial brach

In Lichtensteig gäbe es viel zu tun, bei beschränkten Möglichkeiten. Die Kernstadt lässt aus Denkmalschutzgründen keine Installation von Solarpanels zu. Dabei stellt die Lichtensteiger Energieproduktion mit rund 1,7 Prozent ein Schlusslicht im Toggenburg dar, wie Thomas Walt von der Energiekommission Lichtensteig (EKO) festhielt. Potenzial bestünde für 25 Prozent Strom-Eigenproduktion, praktisch zielt die EKO auf rund 17 Prozent. Patrizia Egloff vom Verein Energietal Toggenburg betonte, dass es hier auch nicht um ein Wettrennen mit den ­anderen Gemeinden gehe. Jede Gemeinde habe ihre eigenen Strukturen und Möglichkeiten, einige hätten viel Wald, andere grosse Dachflächen zur Verfügung. Energietal Toggenburg arbeitet eng mit der EKO zusammen, bietet aber auch für Private viele kostenlose Dienstleistungen an. Prinzipiell habe man in Sachen Solarenergie vier Möglichkeiten, wie Walt und sei­ne Kommissionskollegin Romy Elmer erklärten: Als Hausbesitzer investiert man selbst in eine Anlage oder mietet sie sich. Als Mieter bleibt bisher nur das Abschliessen eines Ökostrom-Abos.

Am ersten Tag ein Viertel Einheiten verkaufen

Als vierte Möglichkeit setzt das neue Bürgerbeteiligungsprojekt «Solar Lichtensteig» an diesem Punkt an: Es soll für jeden erschwinglich werden, sich an einer Solaranlage zu beteiligen – für Mieter ebenso wie für Besitzer von Liegenschaften, die sich nicht für die Installation einer Fotovoltaikanlage eignen. Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger können Einheiten einer gemeinsamen Solaranlage für 300 Franken das Stück kaufen. Dafür bekommen sie pro Jahr und Einheit die Stromkosten für 80 kWh rückerstattet, zwanzig Jahre lang. Erst wenn alle Einheiten verkauft sind, geht das Projekt in den Bau; Betrieb und Wartung übernimmt im Anschluss die SAK. Interessierte müssen also nicht in Vorleistung gehen, und die Gemeinde wird nicht zum Stromproduzenten. Dieses Modell setzt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich bereits seit 2014 um. Sven Allemann und Marco Giansiracusa beschrieben am Samstag das Projekt als grossen Erfolg: In drei Jahren konnten neun Anlagen für über 2500 Eigner realisiert werden. Ganz so weit soll es in Lichtensteig nicht gehen, geplant sind 280 Einheiten auf dem Dach der ehemaligen Oberstufenschule. Der Verkaufsstart findet am 21. Mai in der Taverne zur Krone statt – absichtlich am Abstimmungssonntag zum neuen Energiegesetz, wie EKO-Präsident Martin Fricker sagte. Die Energiekommission hofft, bereits am ersten Tag ein Viertel der Einheiten verkaufen zu können. Als Zwischenziel ist ein Sonnenwendfest im Juni geplant, die letzten Einheiten sollen spätestens im Oktober verkauft sein.