LICHTENSTEIG: Feuer frei für 450 Schützen

Die Schützengesellschaft lädt vom 30. September bis 9. Oktober zum 365. Landschiessen ein. Im Gegensatz zu damals steht Tells Söhnen und Töchtern heute eine moderne Anlage zur Verfügung.

Peter Jenni
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Der 80-jährige Christian Brunner demonstriert in der Schiessanlage Tellsburg das Liegendschiessen mit einem Langgewehr 11. (Bild: Peter Jenni)

Der 80-jährige Christian Brunner demonstriert in der Schiessanlage Tellsburg das Liegendschiessen mit einem Langgewehr 11. (Bild: Peter Jenni)

«Beim Vorderladerschiessen ist die richtige Handhabe von Gewehr und Schwarzpulver unumgänglich, um böse Überraschungen zu vermeiden.» So tönte es bei den Schützen, als 1652 im Städtli das erste Landschiessen «der Schützen zu Lichtensteig» eröffnet wurde. Von Schützinnen war bestimmt noch keine Rede. War Schiessen damals eine vorwiegend militärische Angelegenheit, so hat sich dies spätestens mit den ersten Olympischen Spielen von 1896 in Athen zu ändern begonnen. Dies, als Sportschiessen zur olympischen Disziplin wurde, was bis heute mit zwei Ausnahmen so geblieben ist.
 

Feuer frei am 30. September

Obwohl es in der Schweiz noch einige Schwarzpulver- und Vorderlader-Schützenvereine gibt, kann man sich die damaligen Verhältnisse kaum mehr vorstellen, ebenso nicht, dass es das traditionelle Landschiessen im Felsenstädtchen Lichtensteig eines Tages nicht mehr geben könnte. Spätestens seit 1982 die elektronische Trefferanzeige eingeführt wurde, steht Schützinnen und Schützen in der «Tellsburg» eine moderne Anlage zur Verfügung. Zudem ist der Blick zu den 300 Meter entfernten Scheiben für jede Schützin und jeden Schützen eine Augenweide. Feuer frei für das 365. Landschiessen, an dem sich die Schiesssportbegeisterten in insgesamt acht Disziplinen in kameradschaftlicher Atmosphäre messen können, heisst es wieder vom 30. September bis 9. Oktober.

Thomas Bernet, seit wann sind Sie Präsident der SG Lichtensteig und OK-Präsident des Landschiessens?

An der Hauptversammlung 1995 wurde ich als Nachfolger unserer ersten Präsidentin Magdalena Kühne zum Präsidenten gewählt und seit 1996 bin ich auch OK-Präsident. Ausserdem versehe ich seit 1988 das Amt des Schützenmeisters Pistole.

Früher kamen bis 600 Schützen ans Landschiessen, inzwischen hat sich die Zahl bei 400 bis 450 eingependelt. Können Sie aufgrund der Anmeldungen bereits abschätzen, ob dies auch heuer der Fall sein wird?

Aktuell verzeichnen wir 380 Anmeldungen, das ist etwas mehr als letztes Jahr. Erfahrungsgemäss kommen während der Schiesstage viele Unangemeldete hinzu. Ich rechne mit etwa 450 Teilnehmern. Da heute mehr Stiche geschossen werden als früher, wird die Minderbeteiligung budgetmässig wieder kompensiert. Insbesondere seit es den beliebten Fünffachkranz gibt, hat sich die Anzahl geschossener Stiche nochmals erhöht. In Jahren mit einem eidgenössischen Schützenfest, im Fünfjahresturnus, finden keine Kantonalfeste statt, dann ist die Beteiligung bei uns jeweils merklich höher.

Seit wann kommen auch Frauen ans Landschiessen, wie gross ist ihr Anteil heute?

Früher waren es jeweils nur einzelne Teilnehmerinnen, mit dem Sturmgewehr 57. Nach der Einführung des Sturmgewehrs 90 und des Standardgewehrs nahm ihr Anteil stetig zu und liegt aktuell bei gut zehn Prozent.

Wie hoch etwa ist der ­ Anteil von Jugendlichen ­ bis 20 Jahre?

Etwa zwischen 25 und 30, auf jeden Fall machen sie inzwischen mehr als fünf Prozent aus. Es handelt sich dabei meist um Jugendliche, die mit älteren Schützen oder mit einem Verein zu uns kommen. Bis 20 Jahre erhalten Jugendliche das Schiessbüchlein von uns gratis.

Aus welchen Teilen der Schweiz kommen die meisten Teilnehmer?

Aus der Ostschweiz, den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich, aber auch aus den übrigen Deutschschweizer Kantonen und sogar aus dem Welschland und dem Tessin verzeichnen wir immer wieder Besucher. 75 bis 80 Prozent aller Teilnehmer kommen immer wieder oder zumindest mehrmals. Es gibt auch jene, die uns seit mehr als 50 Jahren ­regelmässig besuchen.

Sind die Besetzung der verschiedenen Chargen und die Rekrutierung von Hilfspersonal schwierig?

Grundsätzlich sind wir ein eingespieltes Team, wobei es in den verschiedenen Chargen wie Eingangskontrolle, Standaufsicht oder in der von Thomas Brändle geführten Festwirtschaft auch immer wieder Wechsel gibt, sei es altershalber oder aus Zeitgründen. Zum Teil kommen Helfer von ausserhalb, zum Beispiel Heimweh-Städtler oder solche, die den Kontakt mit anderen Schützen schätzen. Als Warner sind 12 bis 15 Schüler von der ­ 5. Klasse bis zur 3. Oberstufe im Einsatz, die meist gerne mitmachen. Jährlich scheiden etwa fünf aus und werden durch Neue ersetzt, die jeweils von den Verbliebenen instruiert werden. Im Umgang zwischen Schülern und Schützen, besonders auch älteren, gibt es in der Regel keine Probleme.

Toggenburger Landschiessen in Lichtensteig: Samstag, 30. September bis Montag, 9. Oktober (am 1./2./7./9.).