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LICHTENSTEIG: Diskriminierung bei Lohn eingeklagt

Das Kreisgericht Toggenburg behandelte am Donnerstag die Klage einer Toggenburgerin, die ihrem Arbeitgeber geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung vorwirft. Der Arbeitgeber wehrt sich mit dem Argument, die Frau erledige keine qualifizierte Arbeit.
Martin Knoepfel
Eine Toggenburgerin klagte wegen Lohndiskriminierung ihren Arbeitgeber ein. (Symbolbild: Hannes Thalmann)

Eine Toggenburgerin klagte wegen Lohndiskriminierung ihren Arbeitgeber ein. (Symbolbild: Hannes Thalmann)

LICHTENSTEIG. Der Verwaltungsratspräsident als Vertreter einer Toggenburger Firma der Metallindustrie und eine Mitarbeiterin dieser Firma trafen sich vor dem Kreisgericht Toggenburg. Die Frau klagte wegen geschlechtsbedingter Lohndiskriminierung und forderte eine Nachzahlung von 42 185 Franken für die Jahre 2011 bis 2015. Vorgestern war die Verhandlung in Lichtensteig. Bei Klagen unter dem Gleichstellungsgesetz muss die Klägerin ihre Behauptung glaubhaft machen. Der Arbeitgeber muss beweisen, dass der Vorwurf falsch ist. Es gibt also eine teilweise Umkehr der Beweislast. Das hielt der Richter eingangs fest.

«Arbeitsplatzbewertung nötig»

In der Firma erhielten drei von 18 Mitarbeitern weniger als 5000 Franken Lohn, die beiden dort tätigen Frauen und ein Mann, sagte die Anwältin der Klägerin. Dabei arbeiteten nur vier Personen länger in der Firma als ihre Mandantin. Falsch sei die Aussage der Firma, ihre Mandantin erledige nur einfache Hilfsarbeiten. «Die Klägerin erledigt die Buchhaltung weitgehend selbständig.» Jene Mitarbeiterin, die laut Firmenangaben die Buchhaltung besorge, arbeite nur einen Tag im Monat und mache dann Abschluss- und Kontrollarbeiten, sagte die Anwältin der Klägerin. Bei einer Firma dieser Grösse würde das für die Buchhaltung nicht reichen. Falsch sei das Argument, die Klägerin sei nur eine Telefonistin. Ihre Mandantin habe eine klar anspruchsvollere Ausbildung absolviert, sagte die Anwältin. Eine Arbeitsplatzbewertung solle zeigen, wie die verschiedenen Tätigkeiten in der Firma eingestuft würden.

Datenschutz ins Feld geführt

Die Klägerin müsse nicht täglich Rechnungen anderer Bereiche übernehmen, und die Softwarekenntnisse der Klägerin seien heute überholt, sagte der Vertreter der Firma. Die Klägerin habe früher keine Weiterbildung absolvieren wollen und sei später aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dazu in der Lage gewesen. Er sei enttäuscht, dass die Frau dem Gericht in der Lohntabelle die Löhne aller Mitarbeiter mit den Namen mitgeteilt habe. Es sei zudem «ein Witz», in diese Tabelle die Geschäftsleitung aufzunehmen. Der Vertreter der Firma vermutet, dass die Klägerin die Kündigung provozieren, die Firma auf ungerechtfertigte Kündigung verklagen und ALV-Gelder abholen wolle. Dass die Klägerin wegen einer schwierigen Familiengeschichte und als Besitzerin zweier Häuser finanziell knapp dran sei, gehöre zu den Risiken des Lebens.

Vergleich gelang nicht

Der Richter schlug einen Vergleich vor. Dieser kam aber nicht zustande. Die Gegenseite habe vieles vorgebracht, was persönlich sei und mit dem Thema Lohnungleichheit nichts zu tun habe, sagte die Anwältin der Klägerin. Nun müsse ein Gutachter die Aufgaben und die Qualifikation ihrer Mandantin im Vergleich mit den anderen Mitarbeitern des Betriebs feststellen. Sie sehe dem sehr gelassen entgegen, sagte die Anwältin. Der Vertreter der Firma entgegnete, die Persönlichkeit eines Mitarbeiters gehöre ebenfalls zur Arbeitsplatzbewertung, und forderte einen unabhängigen Gutachter. Ein Urteil wurde am Donnerstag noch nicht gefällt.

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