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LICHTENSTEIG: «Das Toggenburger Publikum ist super»

Einer der Hauptacts der diesjährigen Jazztage ist die Berner Band Züri West. Deren Sänger Kuno Lauener freut sich, auf der Bühne die Songs der neuen Platte vorzustellen und «alte Klassiker» zu singen.
Urs M. Hemm und Sabine Schmid
Kuno Lauener ist seit mehr als 30 Jahren Sänger der Berner Erfolgsband Züri West. (Bild: Urs Bucher (Zürich, 23. März 2017))

Kuno Lauener ist seit mehr als 30 Jahren Sänger der Berner Erfolgsband Züri West. (Bild: Urs Bucher (Zürich, 23. März 2017))

Urs M. Hemm und Sabine Schmid

Die Berner Band Züri West mit ihrem Sänger Kuno Lauener sind seit ihrem Beginn mit dem Toggenburg verbunden. Darüber und über den bevorstehenden Auftritt an den diesjährigen Jazztagen in Lichtensteig sprachen wir mit Kuno Lauener in einem Interview im Kunsthaus in Zürich.

Sie sind mit Züri West im Jahr 2008 an den Jazztagen in Lichtensteig aufgetreten. Welche Erinnerungen haben Sie ans Toggenburg?

Mir kommt spontan eine Anekdote in den Sinn. Als wir zum Nachtessen gehen wollten, lief in diesem Lokal sehr laute Hintergrundmusik. Mit passte dies nicht und nach einer Weile habe ich den Stecker aus dem Lautsprecher gezogen. Die Folge war, dass die Angestellten im Restaurant wütend wurden und uns nicht mehr bedient haben. Wir sind zurück in unsere Garderobe gegangen und haben Pizza bestellt. Danach wollten wir es den Toggenburgern zeigen und haben eine ziemlich energiegeladene Bühnenshow abgeliefert.

Welche Erinnerungen haben Sie sonst noch?

Damals ist Stephanie Heinzmann ebenfalls in Lichtensteig aufgetreten. Ich habe sie das erste Mal live gesehen und gehört. Sie hat mich sehr beeindruckt.

Kennen Sie das Toggenburg, abge­sehen von den Jazztagen in Lichtensteig?

Wir spielen immer wieder im Toggenburg. Unsere erste Platte haben wir bei Heiri Vogel im Sunrise Studio in Kirchberg aufgenommen, wir haben sogar eine Maxi-Single «Kirchberg» getauft. Wir haben dort in der «Eintracht» und auch in Mogelsberg im «Rössli» gespielt, zuletzt im Frühling auf unserer aktuellen Tournee. Mir gefallen die Gegend und die Holzhäuser im Toggenburg sehr gut.

Wie beschreiben Sie das Toggenburger Publikum?

Das ist super!

Sie treten am Samstag, 12. August, an den Jazztagen auf. Werden Sie daneben noch Auftritte weiterer Künstler hören?

Das kommt darauf an, was sonst noch läuft. Wenn ich an Festivals die Gelegenheit habe, schaue und höre ich immer wieder gerne anderen Musikern zu.

Sie treten an den Jazztagen auf. Ist Jazz für Sie ein Thema?

Ich hatte schon früh einen Bezug zum Jazz, da mein Vater Jazzmusiker war und zu Hause viel Jazz gespielt wurde. Aber ich musste mich als Sohn ja abgrenzen und habe mich mehr der Rockmusik gewidmet. Wir hatten aber dennoch ­immer wieder Berührungspunkte mit dem Jazz. Unser neuer Bassist, Wolfgang Zwiauer, kommt beispielsweise aus der Jazzbranche.

Ihre erste Platte «Sport und Musik» hat nach Punkrock geklungen, Ihre aktuellen Songs tönen viel ruhiger. Ist das eine Alterserscheinung?

Ich meine, das ist eher eine Folge der Veränderungen bei der Bandbesetzung. Wir haben nicht alle dieselben musikalischen Vorlieben. Bei uns können sich immer alle Musiker einbringen.

Also sind die Lieder nicht nur eine Solonummer von Kuno Lauener?

Ich schreibe die Texte und auch Musik, aber die anderen Bandmitglieder sind ebenso beteiligt. Mit der heutigen digitalen Technik haben diese Demos oftmals eine schon fast zu gute Qualität und wir scheuen uns manchmal fast, ein Lied noch einmal aufzunehmen.

Spielen Sie auch ein Instrument?

Ich spiele Gitarre und klimpere ein bisschen auf dem Klavier. Ich habe auch mal in einer Band Bass gespielt.

Dafür schreiben Sie die Texte?

Ja, die stammen aus meiner Feder.

Sie singen immer in der Ich-Form. Wie viel Kuno Lauener ist in diesen Texten enthalten?

Ich weiss es nicht. Es gibt Songs, in denen viel von mir drin ist. Es gefällt mir, in der Ich-Form zu schreiben. Auf der Bühne muss ich etwas darstellen. Darum performe ich die Texte, dass sie zu meiner Geschichte werden. Aber ich verstehe die Lieder klar als eine Geschichte, nicht als die Realität.

Wie entstehen Ihre Lieder? Setzen Sie sich mit der Absicht, einen Song zu schreiben, an den Schreibtisch?

Zu Beginn von Züri West habe ich sehr viele Texte einfach so geschrieben. Frei von Druck und ohne gross nachzudenken. Aber je mehr ich geschrieben habe und je weiter ich mich entwickelt habe, desto schwieriger wurde das. Heute brauche ich feste Strukturen. Ich setze mich am Morgen um 9 Uhr an den Schreibtisch – fast wie bei einem Bürojob. Und manchmal bleibe ich dann vor einem leeren Blatt sitzen und muss Geduld haben, bis plötzlich etwas kommt.

Wir sind Journalisten, sitzen am Schreibtisch und schreiben über Dinge, die zuvor passiert sind. Das ist nicht immer einfach. Wie können Sie sich bewusst hinsetzen mit dem Ziel, einen Song zu schreiben?

Auch das ist nicht einfach. Aber es ist die einzige Möglichkeit für mich, wie es funktioniert. Irgendwann komme ich ins Schreiben. Manchmal gelingen mir dann innert kurzer Zeit zwei, drei Songs, aber für den ersten brauche ich oft lange. Ich habe Entwürfe und fange immer wieder neu an. Ich habe inzwischen schubladenweise unfertige Texte und Ideen.

Warum singen Sie auf Berndeutsch?

Das hat sich so ergeben. Ich war in einer Band, bei der niemand sonst singen wollte. Eigentlich wäre ich lieber Gitarrist geworden, aber dann habe ich angefangen zu singen.

Seit Ihren Anfangszeiten mit Züri West vor 30 Jahren haben Sie einen steilen Aufstieg gehabt.

Als wir angefangen haben, wussten wir nicht, wohin das Ganze führen wird. Wir sind als Band aber schnell gewachsen.

Sie sind inzwischen zweifacher Vater. Wie können Sie Ihre Familie und den Anspruch der Öffentlichkeit trennen?

Das werden wir sehen. Meine Kinder haben bis jetzt noch gar nie richtig erlebt, dass ihr Vater auf Tournee geht.

Wie hart mussten Sie für den Erfolg arbeiten?

Es war am Anfang eine sehr leidenschaftliche, aber auch strenge Zeit. Damals, in den 1980er- und 1990er-Jahren gab es viele Bands und die Musikindustrie war ein florierendes Geschäft. Wir waren eine von vielen Bands, haben viele Konzerte gespielt und daneben noch gearbeitet. Irgendwann ist es dann losgegangen.

Können Sie mittlerweile von der Musik leben?

Ja. Im Moment ist aber das Plattengeschäft am Boden. Wir sind gespannt, wie der Verkauf der neuen Scheibe läuft.

Wie veränderte sich Ihr Einkommen durch den Gratisdownload?

Gratisdownloads sind die Realität. Dies, wie die Gratismentalität vieler Menschen überhaupt, lässt sich nicht so einfach stoppen. Das merken wir als Musiker schon, denn Gratisdownloads und Streaming bringen uns finanziell nichts. Früher stammten rund 50 Prozent unserer Einnahmen aus dem Verkauf von Tonträgern und 50 Prozent aus den Tourneen. Heute hat sich dieses Verhältnis verschoben.

Was kann das Publikum an Ihren Konzerten erwarten? Sie stellen gewiss die neuen Lieder vor. Aber sind auch die «Klassiker» zu hören?

Ja, die gehören dazu. Ich bin stolz auf die alten Hits, die wir haben. Ich singe «I schänke dir mir Härz» noch immer gerne. Wir haben fünf Jahre nichts von uns hören lassen. Wenn nun jemand an unser Konzert kommt und diesen Hit hören will, spielen wir den auch gerne.

Gibt es auch Lieder aus der Vergangenheit, die ihnen weniger gefallen?

Ich habe kein Problem mit einem einzelnen Song. Aber es gibt Lieder, die wir jetzt auf zehn Tourneen gespielt haben und mit denen wir nun eine Pause einlegen. Inzwischen haben wir sehr viele Songs zur Auswahl.

Spielen Sie immer dasselbe Programm, wenn Sie auf Tournee sind?

Am Anfang der Tournee legen wir das Programm fest und spielen es einige Male. Wir wechseln dann einige Songs aus, bis es läuft. Mit der Zeit schleicht sich dann oft eine Routine ein, dann stellen wir das Programm wieder auf den Kopf. Auch für uns Musiker ist es wichtig, dass wir das Programm lebendig halten. Darum kann ich jetzt noch nicht sagen, was unser Publikum in Lichtensteig hören wird.

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