LICHTENSTEIG: Das Städtli wird zur Bühne

Noch einmal schlafen, dann ist es endlich so weit. Lichtensteig hat sich herausgeputzt für die 29. Ausgabe der Jazztage. Dino Kleger ist neuer Bauchchef.

Delia Hug
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Dino Kleger (links) als neuer Bauchef übergibt seinem langjährigen ­Vorgänger Urs Castelberg (Mitte) zusammen mit Konstrukteur Hanspeter Wehrli einen zum Grill umgebauten Rollator. (Bild: Urs Hemm)

Dino Kleger (links) als neuer Bauchef übergibt seinem langjährigen ­Vorgänger Urs Castelberg (Mitte) zusammen mit Konstrukteur Hanspeter Wehrli einen zum Grill umgebauten Rollator. (Bild: Urs Hemm)

Delia Hug

delia.hug@toggenburgmedien.ch

Zwar ist die Durchfahrt seit Mittwochmorgen gesperrt, dennoch wimmelt es in der Hauptgasse des Städtli von Menschen und Fahrzeugen. Bereits eine Stunde nach dem Startschuss zum Aufbau der Lichtensteiger Jazztage ist das Zelt auf dem Goldenen Boden fast fixfertig erstellt. Das Festival dauert vom 11. bis 13. August, wobei am Sonntagabend schon beinahe alles wieder ab­gebaut sein wird. Mindestens 20 Helfer sind permanent im Einsatz, nochmals so viele sporadisch. Die Stimmung ist familiär, denn man kennt sich seit Jahren.

Diese gute Zusammenarbeit erleichtern die Aufbauarbeiten für den neuen Bauchef Dino Kleger enorm: «Ich bin überhaupt nicht nervös. Es läuft bis jetzt alles bestens», sagt Kleger mit einem Blick zu Urs Castelberg. Dieser ist ebenfalls die Ruhe selbst und geniesst es, die Arbeiten als Vizechef zu begleiten. Einzig die sanierte Kalberhalle stellt die Helfer vor neue Herausforderungen, wie Urs Castelberg meint: «Wir können mit dem Stapler nicht mehr einfach gerade hineinfahren, da der Windfang schräg verläuft.» Was hingegen bestens funktioniere, seien die neuen Steckdosen. Nicht ganz ein Kilometer Kabel werden verlegt. Auf den gesamthaft 110 Garnituren an Festbänken werden am kommenden Wochenende rund 10000 Becher Bier stehen und genüsslich bei swingender Musik geleert werden.

Knapp 120 Lampen bringen die Erleuchtung

Das Gerüst der Hauptbühne wurde am Mittwoch aufgebaut. Am Donnerstag wird die grösste der fünf Bühnen mit Licht und Lautsprechern bestückt. Damit am Freitagnachmittag die Künstler ihre Bühne in Empfang nehmen können. Die Bühne hat eine Länge von 36 Metern und steht auf zehn Stützen. 80 Lampen sind statisch, weitere 38 haben einen bewegbaren Kopf. 32 Lautsprecher lassen die Musik durch die Gassen schallen. Die Hälfte davon werden allein für den Bass montiert. Zwölf Boxen werden zusätzlich für die Musiker auf der Bühne angebracht. Weitere vier hängen in den Gassen des Städtlis.

Nadescha Kleger, die Tochter von Dino Kleger. ist überall mit dabei. «Ich bin schon von klein auf mit von der Partie. Die Jazztage sind für mich eines der Highlights des Jahres», sagt die aufgestellte Nadescha, während sie mit dem Staplerfahrer herumalbert. Vater Dino Kleger sieht seine Tochter bereits als zukünftige Bauchefin, doch das soll noch einige Jahre dauern. Zuerst sorgt sie für das leibliche Wohl der Helfer. Mit zwei Kolleginnen bereitet Nadescha Kleger das Mittagessen für über 40 Arbeiter vor. «Manchmal muss ich sie dann wieder aufscheuchen, damit sie weiterarbeiten, aber ich spiele gerne mal den Chef», witzelt sie. Danach müsse sie noch die Vorhänge in einer der Künstlergarderoben in der Stiftung Gall’sche Offizin anbringen.

Sonderwünsche der Stars würden selbstverständlich erfüllt werden. Jeder Künstler erhalte sein eigenes Körbchen, damit er oder sie sich wohl fühlen. Obwohl Züri West als einer der letzten Acts spielt, kommt deren Techniker bereits am Freitag um 13 Uhr. Deshalb müsse sie jetzt vorwärts machen, meint Dinos Tochter. «Aber wir sind sehr schnell unterwegs. Schon am Samstag sind wir mit dem Zeltbau auf dem Postplatz zwei Stunden eher fertig gewesen.»

Zum Abschied gibt es einen Rollator mit Grill

Zehn Jahre lang war Urs Castelberg stellvertretender Bauchef, bevor er wiederum zehn Jahre als Bauchef fungierte. Nun ist er in seinem letzten Amtsjahr im Organisationskomitee der Lichten­steiger Jazztage nochmals Vizebauchef. «Ich denke, der endgültige Austritt wird mir schon schwer fallen», sagt Urs Castelberg. Doch er sei sehr erfreut über seine Nachfolge. Mit Dino Kleger als Bauchef könne er die Bauarbeiten beruhigt übergeben.

Dass sein Amt bei Dino Kleger in guten Händen ist, sieht man bei den Aufbauarbeiten sofort. In seiner Hosentasche sind etliche Aufgabenlisten vorzufinden. «Klar habe ich ihm noch etwas geholfen bei den Vorbereitungen. Doch auch jetzt beim Aufbau klappt alles wie am Schnürchen, ohne dass ich gross etwas sage», zeigt sich Castelberg zufrieden. Denn auch Dino Kleger sei schon ein langjähriges Mitglied des OK. Als Geschenk bekam Urs Castelberg einen multifunktionalen Rollator. Dieser bietet alles, was ein Männerherz begehrt. Einen Grill für goldbraune St. Galler Bratwürste, eine Kühlbox für ein erfrischendes Bier und zwei Rückspiegel, damit er jedermann oder, besser gesagt, jede Frau sehen kann.

www.jazztagelichtensteig.ch