Büro teilen statt Post verteilen

Im Postgebäude soll ein Coworking Space entstehen. Dank der gemeinsamen Nutzung von Büroräumen können Toggenburgerinnen und Toggenburger vielleicht bald aufs Pendeln verzichten.

Ruben Schönenberger
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Ab 28. Oktober startet der Probebetrieb des Coworking Space im Lichtensteiger Postgebäude. (Bild: Urs M. Hemm)

Ab 28. Oktober startet der Probebetrieb des Coworking Space im Lichtensteiger Postgebäude. (Bild: Urs M. Hemm)

Rund 20'000 Toggenburgerinnen und Toggenburger pendeln regelmässig zur Arbeit. Für einige von ihnen könnte sich der Arbeitsweg in naher Zukunft bedeutend verkürzen. Am 28. Oktober startet in Lichtensteig der Betrieb des Coworking Space, anfangs zur Probe. Im Postgebäude sollen sich dann Selbstständige, Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer sowie Angestellte Büroräume teilen. Gerade für Letztere könnte das bedeuten, dass sie anstatt nach St. Gallen oder Zürich nach Lichtensteig pendeln könnten.

Für Projektleiter Tobias Kobelt ist Coworking denn auch die bessere Form von Home Office. «Wer zu Hause arbeitet, ist oft rund um die Uhr erreichbar. Wer stattdessen im Coworking Space arbeitet, kann die räumliche Trennung zwischen Arbeit und Freizeit besser vollziehen.» Es gehe aber nicht nur um gemeinsam genutzte Büroräume. «Es sollen ganz verschiedene Leute zusammenkommen. Dadurch erhoffen wir uns einen Austausch, der für alle befruchtend wirken kann», sagt Kobelt.

Gesucht: Community-Host

Nicht nur untereinander sollen sich die Nutzerinnen und Nutzer austauschen, auch im Projekt dürfen sie sich aktiv einbringen. «Gerade zu Beginn ist das Coworking Lichtensteig noch formbar. Dadurch können die ersten, die dort arbeiten, ihre Bedürfnisse sicher gut einbringen.» Eine Person wird dabei eine tragende Rolle spielen. Nach dieser sucht das Projektteam derzeit. «Zu Beginn sollte jemand möglichst immer vor Ort sein. Wer sich interessiert, soll sich auch einfach informieren und vor Ort umsehen können», erklärt Kobelt. Dafür offeriert das Projektteam dieser Person, dem Community-Host, einen Gratis-Arbeitsplatz. Wie viel die weiteren Nutzerinnen und Nutzer bezahlen müssen, steht noch nicht fest. «Wir werden zum Start des Probebetriebs aber sicher sagen können, wie hoch die Kosten in der Startphase sind.»

Damit die Kosten gerade zu Beginn tiefgehalten werden, stützen sich die Betreiber auf Partner ab. «Für den Probebetrieb erhalten wir von Lista Office Büromöbel. Und viele lokale Firmen helfen uns, zum Beispiel mit technischer Infrastruktur», sagt Kobelt. Diese regionale Partizipation liegt Kobelt besonders am Herzen. «Es geht natürlich auch um die Belebung des Ortes.» Das sei ebenfalls ein Anliegen der Gemeinde. Sie ist ausserdem Eigentümerin der Postliegenschaft und war auch Initiantin des Projekts. Der Betrieb wird hingegen nicht durch die Gemeinde verantwortet. «Ich bin der Ansicht, dass das eine Aufgabe für Private ist», sagt Kobelt. Mit dabei ist dafür die Genossenschaft VillageOffice. Diese will zusammen mit Partnern für ein schweizweites Netzwerk an Coworking-Standorten sorgen. Auch Lichtensteig soll dereinst dazugehören. Das ermöglicht noch mehr Flexibilität. Standorte gibt es aktuell beispielsweise in Winterthur, Frauenfeld oder Wil.

Mindestens ein halbes Jahr Erfahrungen sammeln

Ob es dazu kommt, hängt auch davon ab, wie gut der Probebetrieb in Lichtensteig läuft. «Es ist jetzt natürlich die Herausforderung, Nutzerinnen und Nutzer zu finden», sagt Kobelt. Wie lange man sich dafür Zeit lässt, hat das Projektteam nicht genau definiert. «Wir wollen aber sicher ein halbes Jahr Erfahrungen sammeln.» In dieser Zeit soll aus dem Projektteam auch eine definitive Organisation werden. In welcher Form ist noch nicht geklärt. Denkbar ist ein Verein oder eine Genossenschaft. Wenn der Coworking Space dann vom Projekt zum definitiven Angebot wird, soll auch das Postgebäude umgebaut werden. «Die Erfahrungen aus dem Probebetrieb sollen zeigen, welche Anforderungen wir erfüllen müssen. Wie viele Arbeitsplätze braucht es? Wie viele Nutzerinnen und Nutzer benötigen abgetrennte Arbeitsplätze, beispielsweise für Telefonate?» Und natürlich muss dann auch die Frage geklärt werden, wie der Umbau finanziert wird.

Informationsveranstaltung

Samstag, 28. Oktober, 14 Uhr, Postgebäude, Loretostrasse 2. Weitere Informationen unter www.coworkinglichtensteig.ch