25 Jahre Cinéclub Heiden: Rückblick auf eine schöne und zugleich herausfordernde Zeit

Der Cinéclub Heiden kann dieses Jahr auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Gründungspräsident Hannes Friedli und die aktuelle Präsidentin Fabienne Duelli berichten über diese Zeit.

Nadine Küng
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Hannes Friedli und Fabienne Duelli im Kino Rosental in Heiden. Bild: Ralph Ribi

Hannes Friedli und Fabienne Duelli im Kino Rosental in Heiden. Bild: Ralph Ribi

25 Jahre sind seit der Gründung des Cinéclub Rosental Heiden, damals noch Kinoclub genannt, vergangen. 1994 zog der Gründungspräsident Hannes Friedli von St.Gallen nach Heiden, ohne je vom Kino Rosental gehört zu haben. Jugendliche organisierten dort ein «Chaplin-Wochenende», welches Friedli besuchte. «Beim Rausgehen traf ich auf Alexa Schiess und erwähnte ihr gegenüber, dass es doch toll wäre, wenn es hier einen Cinéclub gäbe», sagt er.

Danach habe er lange nichts gehört und sei plötzlich zu einer Sitzung eingeladen worden. Er sei sehr überrascht gewesen. «Die besagte Frau Schiess hatte zusammen mit dem Lions Club Rorschach alles in die Wege geleitet. Auf einmal war ich Präsident, ohne dass ich dafür viel machen musste», sagt der SP-Kantonsrat.

Seit Friedlis ersten Kinobesuchen in Heiden hat sich viel verändert. Anfangs standen Möbel im Saal, da der damalige Besitzer und Betreiber Gallus Heeb damit handelte. Es wurde noch mit Kohle geheizt, weshalb die Leinwand immer leicht verschmutzt war. Heeb sei sehr sparsam gewesen – auch wenn es ums Auswechseln der Glühbirne des Projektors ging.

«Ich erinnere mich an ‹Mediterraneo›, den wir im ersten Cinéclub-Jahr zeigten – grundsätzlich ein sehr spannender Film.»

Man habe aber fast nur Stimmen gehört und kaum etwas gesehen. «Das Licht des Projektors war zu schwach.» Friedli glaubt jedoch, dass das Kino nicht mehr existieren würde, wäre Heeb nicht so sparsam gewesen. Inzwischen können die Filme im Kino Rosental nur noch digital gezeigt werden. Dies stellt manchmal ein Problem dar, da einige der älteren Filme digital nicht erhältlich sind.

Cinéclub fast aufgelöst

Am Mittwoch, 12. Februar, lief mit «Gundermann» der Jubiläumsfilm. Dass der Club dieses Jahr sein Jubiläum feiern kann, ist aber nicht selbstverständlich: 2016 wäre er fast aufgelöst worden, da sich keine Nachfolge für die frühere Präsidentin Franziska Bannwart fand. Fabienne Duelli hat diese Aufgabe dann zusammen mit der neuen Vizepräsidentin Sybille Falkenbach mit Begeisterung übernommen. Für die nächste Zeit scheint es um den Club gut bestellt zu sein. Seit rund zwei Jahren sei der Vorstand aus den gleichen Leuten zusammengesetzt. «So macht es mir Spass und ich habe vor, noch eine Weile weiterzumachen», sagt Duelli.

Der Cinéclub zeigt ausschliesslich Filme in der Originalsprache – früher wie heute. Fremdsprachige Filme sind mit Untertiteln versehen. Ausgewählt werden die Filme alljährlich an einer Sitzung. Fabienne Duelli sagt:

«Wir möchten ein möglichst vielfältiges Programm erstellen.»

Es ist immer ein Film mit Schweizer Bezug dabei, einer mit Dok-Elementen. Das Programm soll sich an eine breite Interessengruppe richten. Heute werden mehr aktuelle Filme gezeigt als früher. «Es gibt zu viele gute neue Filme, um nur die alten Klassiker zu schauen», sagt Friedli. Auch hat sich in den vergangenen Jahren filmtechnisch viel verändert. «Wir als Zuschauer sind schneller geworden – das merkt man im Film», sagt Duelli. Manchmal sei das langsame Tempo kaum auszuhalten.

Das Cinéclub-Programm mit Kurzbeschreibungen zu den Filmen schreibt Vorstandsmitglied Andreas Stock. Für die Gestaltung des Jahresprogramms ist nach wie vor Hannes Friedli, freiberuflicher Grafiker, zuständig. Sybille Falkenbach erstellt jeweils einen Newsletter mit weiterführendem Blog. Beides kann unter www.kino-heiden.ch eingesehen werden.

Der Kinoclub wurde damals zur finanziellen Unterstützung und als programmatische Ergänzung gegründet. Jährlich wurden sechs Filme gezeigt, heute sind es neun. Anfangs konnte noch jedes Jahr eine Spende ans Kino abgegeben werden. «Zu Spitzenzeiten, um das Jahr 2010, hatte der Cinéclub über 200 Mitglieder. Jetzt sind es rund 140, wovon jeweils ungefähr ein Drittel die Anlässe, die jeweils am Mittwochabend stattfinden, besucht. Friedli sagt: «Zu meiner Zeit waren es nie so viele Mitglieder. Ich war aber froh, denn wir hätten gar nicht genügend Platz für alle bieten können.» Damals hätten nämlich prozentual mehr Mitglieder die Kino-Abende besucht.

Konkurrenz durch das Heimkino

Duelli findet es schade, dass das Interesse am Kino nachlässt. «Die Konkurrenz sind weniger andere Kinos, als vielmehr DVDs und Videos, das Heimkino», sagt sie. «Dabei ist es doch einfach schöner, einen Film gemeinsam zu schauen.» Begeistert ergänzt Hannes Friedli:

«Wenn ich nach einem Film wieder ins Freie trete und überrascht bin, dass die Sonne scheint, dass ich noch an demselben Ort bin wie zuvor – das kann nur das Kino.»

Eine von Friedlis ersten Kindheitserinnerungen ist, dass seine Eltern ihn mit seinem Bruder allein zu Hause liessen, um ins Kino zu gehen. Sie waren Mitglieder des Cinéclubs St.Gallen. «Ich fand diese Abende allein zu Hause doof – meine ersten Erfahrungen mit dem Kino sind also eher negativ.» Doch bald wurde auch er zum Kinofreak: Bereits in St.Gallen war er Vorstandsmitglied im Cinéclub. «Ich war schon immer sehr cinephil», sagt er.

Sowohl Fabienne Duelli als auch Hannes Friedli blühen richtig auf, wenn es um Filme geht. Sobald ein Titel fällt, sind sie mitten im Erzählen und Schwärmen. «Ein Lieblingsfilm? ‹Le Tout Nouveau Testament› gehört mit Sicherheit zu meinen Favoriten», sagt Duelli. Er decke alle Bereiche des Lebens ab, alles werde auf eine grossartige Weise ins Absurde gezogen. Friedli sagt: «Ich habe ungefähr tausend Lieblingsfilme.» Einer davon ist «Strangers in Paradise». Er erzählt die Geschichte von zwei Nichtsnutzen in New York. «Es passiert nicht besonders viel, es gibt praktisch keine Dialoge. Trotzdem, der Film ist einfach umwerfend.»