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Libinger Glockenspiel ist weit gereist

LIBINGEN. Die Wirtin des «Rössli» in Libingen, Priska Brändle, ist kürzlich auf das ehemalige Libinger Glockenspiel gestossen. Holländer, die es 1965 im Auftrag von Walter Meierhans in Weiler Hofen montierten, besuchen Libingen ab und zu. Sie gaben ihr den entscheidenden Hinweis, einen Prospekt.
Matthias Giger

Das Glockenspiel des Zürcher Organisten Walter Meierhans (1921 bis 2006) hat zwischen 1965 und 1979 Scharen von Touristen in das Dorf Libingen in der Gemeinde Mosnang gelockt. Doch Walter Meierhans hat sich mit einem Teil der Libinger Bevölkerung zerstritten und zog 1979 nach Frankreich. Die 59 Glocken nahm er mit und lagerte sie in Zürich. Über den Grund für den Streit gibt es verschiedene Versionen. Gegenüber der Rhone Zeitung Oberwallis – er lebte bis zu seinem Tod im Oberwallis – sagte Walter Meierhans, er sei aus Libingen weggegangen, weil sich keine nahen Parkplätze finden liessen. Auf der Website der internationalen Organisation World Carillon Federation heisst es, Walter Meierhans habe Libingen verlassen, weil man ihm den Hund vergiftet habe. Wenn man einen Libinger oder eine Libingerin auf den Wegzug von Walter Meierhans anspricht, heisst es, er sei am Streit «nicht ganz unschuldig gewesen» oder er sei «ein wenig schwierig» gewesen.

Bewunderer Albert Schweitzers

Dass das damals europaweit grösste Glockenspiel nach Libingen kam, daran war der Nobelpreisträger Albert Schweitzer nicht ganz «unschuldig». Walter Meierhans war mit dessen Tochter Rhena Schweitzer befreundet. Als Bewunderer Albert Schweitzers liess er einen Glockenturm und eine Gedenkstätte für Albert Schweitzer eröffnen. Den Erlös aus der Kollekte spendete er an das Hilfswerk von Albert Schweitzer in Lambarene. Die Idee mit dem Glockenturm war aber nicht ganz uneigennützig, denn der vermögende Kaufmannssohn und passionierte Glockenspieler und Organist erfüllte sich damit auch einen Kindheitstraum. Nach dem Tod seines Vaters stieg er aus der Papierfabrik seines Vaters aus und widmete sich der Musik. Er absolvierte die königliche Glockenspielschule in Mechelen.

Odyssee des Glockenspiels

Die Geburtsstätte der Glocken ist die königliche Glockengiesserei «Petit & Fritsen» im holländischen Dorf Aarle-Rixtel. Dort bestellte Walter Meierhans ein drei Oktaven Carillon (siehe Stichwort) bestehend aus 39 Glocken. An die Montage der Glocken im Weiler Hofen bei Libingen, erinnern sich noch viele im Dorf. «Die grosse Glocke wurde mit einem Seilzug montiert, die kleineren Glocken flog ein Helikopter zum Turm hoch», erzählt Mario Breitenmoser. Später kaufte Walter Meierhans 20 weitere Glocken.

Nach dem Abbau in Libingen blieben die Glocken nur kurz im Lager in Zürich, da Walter Meierhans in Châteaurenard in Frankreich erneut eine Gedenkstätte ins Leben rief. 1986 scheiterte dieses Vorhaben, auch der nächste Anlauf im Chateau Salavaux am Murtensee. Wegen überrissener Mietzinse verlor Walter Meierhans sein Geld. 1988 musste er sich von seinen 59 Glocken trennen. Der neue Besitzer entschied sich, das Glockenspiel in Avenches zu installieren. Doch dieser Plan wurde nicht realisiert. Die Firma «Petit & Fritsen» aus den Niederlanden schlug vor, das Glockenspiel auf ein Fahrzeug zu montieren.

1997 kaufte ein Niederländer namens Raatjes das Glockenspiel dem Vorbesitzer aus Avenches ab. Er liess die Glocken komplett sanieren, fand nach langer Suche im Mack Super-Liner ein geeignetes Fahrzeug für die 59 Glocken, die alleine 10 957 Kilo wiegen. Raatjes taufte das Instrument «Travelling Carillon De Paltz». Diesen Namen hat die «Rössli»-Wirtin Priska Brändle kürzlich in einem Prospekt gelesen, den ihr Holländer brachten.

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