LIBINGEN: Unfreiwillig ausgebremst

Freeskier Joel Gisler hat sich beim Halfpipe-Training für den Weltcup in Neuseeland an der linken Hand einen Bruch zugezogen und ist vorzeitig in die Schweiz zurückgekehrt.

Urs Huwyler
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Im Kraftraum kann Joel Gisler trotz der Handverletzung die Beine und den Rumpf trainieren. (Bild: Urs Huwyler)

Im Kraftraum kann Joel Gisler trotz der Handverletzung die Beine und den Rumpf trainieren. (Bild: Urs Huwyler)

Bisher verlief die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang für Joel Gisler aus Libingen suboptimal. Denn er zog sich als durchaus talentierter Inline-Skater bei einem Rückwärtssturz beim Aufprall eine Gehirnerschütterung zu und musste sodann zwei Tage später als Snowboarder Jan Scherrer aus Ebnat-Kappel zum Weltcup-Auftakt nach Neuseeland reisen. Eine gewisse Unsicherheit bestand, ob sich nach dem Flug und den ersten Trainings keine Kopfschmerzen einstellen würden. Aber «Alles klar», meldete der Ski-Freestyler aus Cardrona, dem bis zu 1860 Meter hoch gelegenen Skigebiet im Inselstaat mit 40 Kilometern Pisten und einer Halfpipe. Dies nicht zuletzt auch zur Beruhigung der Familie.

Trainingspause bis zum 6. Oktober

Zwei Tage ging alles gut, dann musste sich Joel Gisler bei einem nicht übermässig schwierigen Sprung mit der Hand in der Pipe abstützen und zog sich prompt ­einen Knochenbruch zu. Was die vorzeitige Rückreise in die Schweiz zur Folge hatte. «So wie es derzeit aussieht, werde ich bis zum 6. Oktober eine Schiene tragen müssen. Eine Operation ist wegen der relativ kleinen Bruchstelle kein Thema», erzählt der unfreiwillig ruhiggestellte «Einarmige».

Im Hinblick auf die Olympia-Selektion sollte die Verletzungspause keinen Einfluss haben. «Die Beine und den Rumpf kann ich weiter trainieren. Im Keller haben wir einen kleinen Kraftraum. Vielleicht braucht der Körper die Erholungs- und Regenerationszeit. Aber es ist sicher nicht ideal, dass ich den Saisonauftakt verpasse.» Andererseits braucht sich Joel Gisler nach der letzten Saison mit drei Weltcup-Finalplätzen und dem Sieg in der Qualifikation von Tignes wegen der Selektion keine Sorgen zu machen.

Premiere mit Sprung Switch rightside double 1080

Wie bei Jan Scherrer geht es zuerst darum, die Leistungen zu bestätigen. «Zweimal Rang acht und einmal sechs waren in Ordnung, doch ich möchte mich verbessern», sagt die Nummer zwölf der aktuellen FIS-Punkteliste. In der Halfpipe-Weltcupwertung nahm der 23-jährige Jumper des SC Speer Ebnat-Kappel Ende Saison 2016/17 Position sieben ein, gehört also zur erweiterten Weltklasse.

Seit einigen Wochen vermag Joel Gisler auch den Switch rightside double 1080 zu stehen. Er ist damit der erste Freeskier, der vorwärts beide Double cork 1260 und rückwärts beide Double cork 1080 macht. «Allerdings», schränkt der Nationalkader-Athlet ein, «braucht es noch einige Zeit, bis ich den Sprung beispielsweise bereits in der Qualifikation einsetzen kann. Aber ich weiss nun, dass ich ihn zu stehen vermag. Im Final habe ich damit die Möglichkeit, bei Bedarf die Schwierigkeit zu erhöhen.»

Noch vor der WM 2017 hatte Joel Gisler die Skimarke gewechselt und setzt seither auf Völkl. «Das Material stimmt, ich fühle mich wohl auf den Ski. Aber wir Halfpiper betreiben einen Risikosport. Anderseits sind immer wieder quer durch alle Sportarten Athleten verletzt. Die Belastung und die Anforderungen steigen von Jahr zu Jahr, doch für den Heilungsprozess bleibt kaum Zeit. Jeder drängt auf ein rasches Comeback, befürchtet, den Anschluss zu verlieren», orientiert das Bewegungstalent.

Joel Gisler braucht Geduld. Sonst, dies ist er sich bewusst, könnte bei einem Sturz auf die Hand der Olympia-Traum platzen. Die nächsten Wochen möchte er nutzen, um die Wettkampfvorbereitung zu optimieren. Bisher war in den Final-Runs verschiedentlich ein Leistungsabfall zu erkennen. «Ich habe mir nach der Qualifikation jeweils ausgerechnet, was möglich sein könnte und mich dadurch unter zusätzlichen Druck gesetzt.» Die Spiele beginnen am 9. Februar 2018. Es bleibt also Zeit, um sich physisch, psychisch und technisch in Bestform zu bringen.

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