Letzter Quartierladen stirbt

HERISAU. Die Spar-Filiale im Herisauer Quartier Säge wird per Ende Jahr geschlossen – wegen zu wenig Kundschaft. Quartierpräsident Hanspeter Kessler ist über den Entscheid enttäuscht.

Stefan Etter
Drucken
Hanspeter Kessler, Quartierpräsident von Säge, bedauert die Schliessung der Spar-Filiale. Seit der Eröffnung 1991 ging er hier stets einkaufen. (Bild: Stefan Etter)

Hanspeter Kessler, Quartierpräsident von Säge, bedauert die Schliessung der Spar-Filiale. Seit der Eröffnung 1991 ging er hier stets einkaufen. (Bild: Stefan Etter)

«Das ist eine Katastrophe», sagt Hanspeter Kessler, Präsident des Herisauer Quartiervereins Säge, als er mit betrübter Miene vor dem Spar Säge steht. «Es ist traurig, dass ein Quartierladen, der für rund 3500 Einwohner eine nahe und bequeme Einkaufsmöglichkeit bietet, nicht überleben kann.»

Die Spar Handels AG hat bekanntgegeben, dass sie die 1991 eröffnete Spar-Filiale im Herisauer Quartier Säge per Ende Jahr dichtmacht. «Der Laden ist nicht mehr gut gelaufen», sagt Silvia Manser von der Spar-Medienstelle. «Zudem hätten wir viel Geld in Geräte und in die Infrastruktur investieren müssen. Das hätte sich nicht mehr gelohnt.»

Mietvertrag nicht verlängert

So haben laut Silvia Manser die Verantwortlichen von Spar kürzlich entschieden, den Ende Jahr auslaufenden Vertrag mit der Wohnbaugenossenschaft Säge nicht mehr zu verlängern. «Es ist aus strategischer Sicht ein guter Zeitpunkt, die Filiale zu schliessen», sagt Manser. So bestehe auch genügend Zeit, für die Mitarbeitenden eine Lösung zu finden. «Alle sollen innerhalb der Spar Handels AG beschäftigt werden.»

Für Quartierpräsident Kessler ein kleiner Trost. «Während Jahrzehnten bin ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren und konnte unterwegs beim Spar einen Zwischenhalt einlegen, um speditiv und bequem einzukaufen.» Auch als heutiger Pensionär schätze er die Nähe des Quartierladens, der für viele Einwohner eine zu Fuss erreichbare Einkaufsmöglichkeit biete. «Mit dem Spar verschwindet bei uns der letzte Quartierladen.»

Mit Bus oder Auto ins Zentrum

Zwar gibt es laut Kessler im Quartier noch einen Tankstellenshop, doch der würde bei weitem nicht das gleich vielfältige Angebot führen. «Deshalb müssen die Sägler im nächsten Jahr mit dem Bus oder dem Auto ins Zentrum von Herisau fahren, um ihre alltäglichen Produkte zu kaufen.» Dass die Schliessung des Quartierladens für die Sägler Bevölkerung ein Problem darstelle, glaubt Manser von der Spar-Medienstelle nicht. «Wir haben in Herisau noch immer beim Gutenbergzentrum eine Filiale und an der Kasernenstrasse einen Tankstellenshop.» Diese seien durch Busse gut erschlossen.

Laut Quartierpräsident Kessler ist diese Variante aber um einiges umständlicher. «Es ist nicht jeder so mobil, dass er mit Bus oder Auto einkaufen gehen kann.» Doch die Quartierbewohner würden an der Schliessung eine Mitschuld tragen. «Ein Laden floriert nur dann, wenn er auch genügend Kundschaft hat.»