«Lernt die Sprache der Musik»

Diese Woche sind sie unterwegs: Mitglieder des Jugendorchesters «il mosaico» besuchen die Primarschulklassen im Toggenburg und begeistern die Lehrpersonen und die Schulkinder als «Paten» für Prokofjews «Peter und der Wolf».

Peter Küpfer
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Vorname Name Funktion Funktion (Bild: alttoggenburger)

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NESSLAU. Pünktlich steht sie da am Bahnhof Nesslau, vollbepackt mit ihrer Instrumententasche, in der eine silberne Querflöte steckt, und mit anderem Gepäck, zum Beispiel einer Tasche mit leeren Getränkeflaschen aus Glas. Caroline Morger aus Eschenbach, frischgebackene Maturaabsolventin an der Kantonsschule Wattwil, und im Aufnahmeverfahren an eine Musikhochschule will sie die Musik zum Beruf machen. Sie ist Mitglied des Jugendorchesters der Kanti und der Musikschule Toggenburg «il mosaico». Und diese Woche ist sie als «Patin» unterwegs zu den Primarschulklassen, die sich für einen Besuch der Aufführung von Prokofjews Musikmärchen «Peter und der Wolf» an der Kanti angemeldet haben. Die Aufführungen für Schulklassen finden in der Woche nach dem 24. November statt, die öffentlichen Aufführungen des Werks finden am Samstag, 22. November, und Sonntag, 23. November, statt, jeweils um 17 Uhr an der Kanti Wattwil unter der Leitung von Hermann Ostendarp.

Die Kleinsten – voll motiviert

Im Primarschulhaus Büelen in Nesslau ist der Unterricht im vollen Gang. Caroline steigt entschlossen die Treppe hinunter, die zum Schulzimmer von Doris Widmer führt, Lehrerin der 1. Klasse. Sofort öffnet sich die Tür, die ABC-Schützen dürfen das Arbeitsblatt weglegen.

Die Musik-Patin wird von der Klasse mit einem erfrischend vorgesungenen Lumpenliedlein begrüsst. Dann will Caroline Morger von den Kindern einiges wissen. Ob sie selbst ein Instrument spielen? Ja, Blockflöte, Geige, Klavier, Handorgel, Xylophon. Was sich wohl in ihrem länglichen Etui befinde? Natürlich, eine Querflöte. Nun ist es an der Patin, ihrem prachtvollen Instrument Töne zu entlocken, was sie in raschen Läufen absolviert. Das atemraubende Tempo setzt die Kleinen in Erstaunen. Wie lange sie ihr Instrument wohl schon spielt? «Ein Jahr», meint eine Schülerin, und man sieht ihr an, wie lange ein Jahr für sie ist. «Ein bisschen mehr schon», sagt Caroline Morger. Ein Schüler schlägt die für ihn wohl undenkbar lange Zeit von «sechseinhalb Jahren» vor. Das ist viel, aber noch nicht genug. Insgesamt sind es bis heute acht Jahre. Caroline Morgers Querflöte weckt grosses Interesse. Man kann sie in drei Teile zerlegen, demonstriert die junge Musikerin. Schon mit dem Mundstück sind verschiedene Töne produzierbar, je nach Menge und Intensität der Luft, welche hindurchgeblasen wird. Die Blastechnik ist schwierig, erklärt Caroline Morger. Sie veranschaulicht das an den mitgebrachten Getränkeflaschen. Hält man sie senkrecht vor den Mund und lässt einen Luftstrom über die Öffnung gleiten, entlockt man den Flaschen tiefe, klagende Töne. Das gelingt einigen prompt, andere zeigen etwas mehr Mühe.

Viel Spass bei den Älteren

Caroline Morger schildert, wie viel Spass es macht, wenn man in einem grossen Orchester wie etwa dem «il mosaico» mitspielen darf. An Fotos und Skizzen werden die Zusammensetzung des klassischen Orchesters und einzelne Instrumente verdeutlicht. Dann setzt Caroline Morger wieder ihr Instrument an die Lippen und spielt einen Ausschnitt aus «Peter und der Wolf». Habt ihr erkannt, welches Tier hier musikalisch gestaltet ist? Fast alle Arme recken sich: Es war natürlich das lustig zwitschernde Vögelein. Schulhaus- und Klassenwechsel. Im gemütlichen alten Schulhaus in Ennetbühl empfängt einen Ruth Wickli, die fast ihr halbes Leben in diesen Räumen verbracht hat. Im Moment hat sie noch elf Schülerinnen und Schüler, Viert- bis Sechstklässler in einem Raum. Da auch hier die Schülerzahlen abnehmen, sind die Tage des heimeligen Schulhauses gezählt. «Noch dieses Schuljahr», sagt die Lehrerin, sichtlich bewegt, dann geht es für alle hinunter nach Nesslau. Die älteren Schüler zeigen sich selbstbewusst. Eine stattliche Zahl von ihnen, aktive Jung-«Juzer», stellen sich auf und empfangen uns mit einem herrlich mehrstimmig intonierten Jodel-Lied. Hier sind die Fragen zielgerichteter, das Interesse auch. Wie viel wohl so ein Instrument kostet, will ein Schüler wissen. Viel, sagt Caroline Morger mit Nachdruck und verweist darauf, dass man als Anfänger natürlich auf einfacheren und damit auch günstigeren Instrumenten spielt. Auch kann man bei der Musikschule ja Instrumente mieten, so der Hinweis einer Schülerin im Gespräch. Die junge Musikerin, Patin der Aufführung und der Musik selbst, schliesst ihre Ausführungen mit einem auf echter Begeisterung beruhenden Aufruf an die Schülerinnen und Schüler: «Es ist sehr schön, die Sprache der Musik zu lernen. Sie wird verstanden, auf der ganzen Welt, und ihr könnt Euch in Euren Empfindungen durch sie ausdrücken.» Am Schluss zeigt die Klasse, wie sie sich spielerisch auf «Peter und der Wolf» vorbereitet hat. Die Schülerinnen und Schüler stellen sich im Kreis auf und müssen ihren Platz als watschelnde Ente oder unbekümmert pfeifender Peter wechseln. «Das schafft schon im Voraus Identifikation mit dem Stück», sagt Ruth Wickli.

Caroline Morger fesselt die Aufmerksamkeit der Erstklässler von Doris Widmer (Nesslau) durch ihr Querflöten-Spiel. (Bild: Peter Küpfer)

Caroline Morger fesselt die Aufmerksamkeit der Erstklässler von Doris Widmer (Nesslau) durch ihr Querflöten-Spiel. (Bild: Peter Küpfer)

Caroline Morger Musikerin im Orchester «il Mosaico» (Bild: alttoggenburger)

Caroline Morger Musikerin im Orchester «il Mosaico» (Bild: alttoggenburger)