Lernende interpretieren Corona-Verhaltensregeln in Schriftbildern

Eine Teufner Gestalterin hat an der Schule für Gestaltung ein aktuelles Projekt realisiert.

Karin Erni
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«2 m. Das Mass aller Dinge». Dieses Logo findet sich auf der Corona-Informationsseite des Kantons Appenzell Ausserrhoden im Internet. Gestaltet hat es Silvia Droz aus Teufen. Sie ist Inhaberin eines grafischen Ateliers und arbeitet zusätzlich an einem Tag pro Woche als Lehrerin für Typografische Gestaltung an der Schule für Gestaltung in St.Gallen.

Die omnipräsenten BAG-Verhaltensregeln hätten sie auf die Idee gebracht, das aktuelle Thema im Unterricht aufzunehmen, sagt Droz. Ausgangslage bildete die Frage, wie man die Aussagen typografisch attraktiver lösen könnte. Die neun Lernenden der zweiten Klasse entwarfen anschliessend je ein Sujet. Entstanden sind individuelle Entwürfe, die sich entweder auf einzelne Verhaltensregeln beziehen oder die ausserordentliche Situation thematisieren. «Die Lernenden nutzten auch die Möglichkeiten der semantischen Typografie, indem sie im Schriftbild den Inhalt eines Wortes abbilden und somit dessen Bedeutung verstärken», so Droz.

Positive Erfahrungen mit Fernunterricht

Gestalterin Silvia Droz bringt Jugendlichen die Typografie näher.

Gestalterin Silvia Droz bringt Jugendlichen die Typografie näher.

Bild: Thomas Flück

Schon in der ersten Woche nach dem Lockdown hätten sie an der Schule für Gestaltung mit dem Fernunterricht begonnen, sagt Silvia Droz. «Ich muss zugeben, ich war am Anfang eher skeptisch, dass das funktionieren würde.» Doch die Lernenden seien sehr diszipliniert und nutzen die technischen Möglichkeiten zum Austausch mit der Lehrperson rege. Der eigentliche Unterricht findet mittels Videokonferenz statt. «Dort gibt es auch einen Austausch in der Gruppe, der sehr geschätzt wird.» Gewisse Einsamkeitsgefühle seien bei den Jugendlichen schon spürbar, so Droz. «Die grafische Arbeit zu diesem Thema war gleichzeitig auch eine gute Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, was denn für sie an der gegenwärtigen Situation besonders belastend ist. Aus dieser persönlichen Betroffenheit heraus resultierten dann auch ganz individuelle grafische Umsetzungen.»

In der gestalterischen Arbeit spiele immer auch die Haptik, das Gefühl, das ein Produkt in der Hand auslöst, eine wichtige Rolle, sagt Silvia Droz. «Ich habe daher bei mir im Atelier von jedem Sujet einige Doppelkarten gedruckt und diese den Lernenden zukommen lassen, damit sie diese versenden können. Zum Beispiel an Personen, die keinen Computer haben oder sich einfach freuen, wenn sie eine Karte mit ein paar persönlichen Worten bekommen.»