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Lektüre im Sommer

Brosmete
Paul Gisi

Wenn die Sommerhitze auch nachts nicht aus dem Zimmer weichen will, ist es herrlich, bei einem Glas kalten Weissweins oder einem eisgekühlten Gläschen Bündner Röteli schwere Lektüre zu lesen. Leichte Lektüre wie die Romane von Elizabeth Goudge oder Italo Svevo reserviere ich mir für den Herbst und Winter. Wenn die Hitze sich wie mit glühenden Speeren austobt, ist es wundervoll, voller Gedanken Pierre Teilhard de Chardin zu lesen oder «Ursprung und Gegenwart» des Philosophen Jean Gebser oder in den unendlich geschwätzigen Mikroskopien eines Marcel Proust oder in den ruhelosen wirklichkeitssuchenden Gedichten von Paul Celan. Wenn die Hitze sirrend ist, ist es wunderbar, Ludwig Wittgenstein und E. M. Cioran zu lesen, beide beflügeln in ungeahnte Räume. In Montpellier sich Voltaire zu nähern, in Neapel Bernhard von Clairvaux’ Ansprachen über das Hohelied Salomons zu lesen, das hilft einem über alle Hotelmiseren hinweg. Und nach einem Flug nach Athen erfüllt eigentlich nur der grosse Roman «Es führt kein Weg zurück» von Thomas Wolfe. Was gäbe es Schöneres, als am Meeresstrand in Stefan Zweigs Biografie über Balzac einzutauchen, oder im Flugzeug mit «Pandectae» («Allumfassendes»), den «Philosophischen Notizen aus dem Nachlass» von Arthur Schopenhauer, fortzufliegen. Und wie gut liest sich «Reise ans Ende der Nacht» von Louis-Ferdinand Céline bei Weisswein. Auch eine Wiederbegegnung mit Sigrid Undsets Jahrhundertroman «Kristin Lavranstochter» ist in den Hundstagen eine geistige Erfrischung. Und wer feinsinnige Labyrinthe mag, der soll wieder einmal Robert Walser in die Hände nehmen. Und als Geheimtipp empfehle ich den Roman «Talismano» von Abdelwahab Medded, eine Kettenreaktion von «Assoziationen, Erinnerungen, Erlebnissen sinnlich-erotischer Art», oder Gedichte des in der Bretagne geborenen Lyrikers Eugène Guilleviv. Auch Friedrich Dürrenmatts «Stoffe» sind ein Lesevergnügen im Sommer par excellence. Und wer es partout etwas leichter nehmen möchte, der lese Essayistisches oder Lyrisches von Dieter Fringeli oder Jean Petits Monografie über Le Corbusier, er kommt auf seine Rechnung. Die Lektüre der Vorsokratiker ist ein grosser Gewinn. Ergreifend Victor Hugos «Die Elenden». Für die Lektüre ist der Sommer eine herrliche Zeit.

Paul Gisi

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