Leitungen unterirdisch erstellen

Zurzeit wird die Kanalisationsleitung von der ARA Rehetobel nach Eggersriet gebaut. Auf zwei Abschnitten geschieht dies mittels modernster Bohrtechnik. Für alle Beteiligten ist das fast 10 Millionen teure Vorhaben eine Herausforderung.

Jesko Calderara
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Auf dem 615 Meter langen Teilstück von der ARA Rehetobel bis zur Lobenschwendi wird mit einem speziellen Verfahren gebohrt. (Bild: cal)

Auf dem 615 Meter langen Teilstück von der ARA Rehetobel bis zur Lobenschwendi wird mit einem speziellen Verfahren gebohrt. (Bild: cal)

REHETOBEL. Die rund 40jährige Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Rehetobel weist einen grösseren Sanierungsbedarf aus. Deshalb soll sie aufgehoben und die Vorderländer Gemeinde über Zuleitungen ans Kanalnetz des Abwasserverbands Altenrhein (AVA) angeschlossen werden. Den gleichen Schritt vollzieht auch Speicher. Als erstes wird im Rahmen des Projekts «Anschluss Goldachtal» die Kanalisationsleitung von der ARA Rehetobel bis zur bestehenden Verbandskanalisation in Eggersriet erstellt. Auf zwei Abschnitten des hügeligen Geländes können die Leitungen nicht im offenen Graben verlegt werden. Deshalb ist eine alternative Methode notwendig. Dazu wird im Augenblick ein 615 Meter langes Teilstück vom ARA-Standort Rehetobel durch den Michlenberg zur Lobenschwendi gebohrt. «Die Bauarbeiten sind aufgrund des geologischen Untergrunds anspruchsvoll», sagt Frank Lükewille, Leiter Siedlungsentwässerung beim Abwasserverband Altenrhein.

Spezielle Spülbohrtechnik

Bei beiden Bohrungen kommt mit der Spülbohrtechnik ein spezielles Verfahren zum Einsatz. Von der Startgrube neben der ARA Rehetobel haben die Fachleute als erstes mit der Pilotbohrung begonnen. Der Bohrkopf wird dabei von der Anlage ins Erdreich gedrückt. Bei unerwünschten Abweichungen von der geplanten Bohrachse könnten dank des eingebauten Senders Korrekturen vorgenommen werden, erläutert Lükewille. Der tiefste Punkt der Bohrung liegt rund 50 Meter unter der Oberfläche. Über das Bohrgestänge wird eine Wasser-Bentonit-Mischung bis zum Bohrkopf gepumpt, wo sie schliesslich austreten kann. Die Flüssigkeit transportiert das abgebaute Material weg und hilft, den Bohrkanal zu stabilisieren. Nach Erreichen des Zielpunkts wird das Bohrloch im Rückwärtsgang mit einem grösseren Bohrkopf bis zur erforderlichen Grösse erweitert. Danach können die Rohre mit einem Durchmesser von 25 Zentimeter eingezogen werden.

Die ersten Bohrarbeiten dauern voraussichtlich bis Ende August. Anschliessend erfolgt der Start zum 270 Meter langen Teilstück von der Lobenschwendistrasse bis zur Habset.

Künftig sind dem AVA Altenrhein 15 Gemeinden angeschlossen. Für Rehetobel wird sich dieser Schritt laut Frank Lükewille langfristig auszahlen. «Kurzfristig entstehen zwar Mehrkosten, über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist die gewählte Lösung aber wirtschaftlicher als die Sanierung der bestehenden Anlage.» Er erwähnt zudem die ökologischen Vorteile. Weil der Anschlusspunkt in Eggersriet tiefer liege als die ARA Rehetobel, müsse das verschmutzte Wasser nicht gepumpt werden, sagt Lükewille. «Wir benötigen künftig somit keine Energie.» Zudem verfüge die ARA Altenrhein ab 2016 über eine vierte Reinigungsstufe. Dadurch können auch Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser eliminiert werden, betont er.

ARA Rehetobel wird umgenutzt

Sobald Rehetobel im Frühling des kommenden Jahres am AVA-Netz angeschlossen ist, werden die Leitungen von der ARA Speicher bis zur Lobenschwendi gebaut. Kostenpunkt des Projekts «Goldachtal»: 9,6 Millionen Franken, exklusive Subventionen des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Die Becken der ARA Rehetobel werden künftig als eine Art Reservoir zur Steuerung der Abwasser-Ableitung genutzt.

Frank Lükewille Leiter Siedlungsentwässerung Abwasserverband Altenrhein (Bild: cal)

Frank Lükewille Leiter Siedlungsentwässerung Abwasserverband Altenrhein (Bild: cal)