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Leise fauchende Gesellschaftstiger

Brosmete
Bruno Eisenhut

Auf und davon! Statt nur davon zu träumen, habe ich dies in diesem Frühsommer gemacht. Gut, ich bin nicht ganz so verwegen wie einst Peter Reber mit dem Kutter über die Weltmeere gesegelt und war auch nicht so lange unterwegs. Aber zwei Monate habe ich mir auf Sardinien und auf Korsika dennoch gegönnt. Zusammen mit Frau und Kindern. Das war eine meiner bisher besten Entscheidungen in meinem Leben.

Voller einmaliger Familienmomente daheim angekommen, staune ich über mein Umfeld wenn ich von unserer Reise erzähle. Ich kann die Menschen mittlerweile kategorisieren. Es gibt diejenigen, die fragen, ob ich eine Auszeit benötigt hätte – ob am Ende gar ein Burn-out schuld an meiner Abwesenheit gewesen sei. Dieser Gruppe habe ich den Namen «die Betroffenen» gegeben. Warum sollten sie sonst darauf kommen, dass man nur eines Burn-outs wegen längere Zeit verreisen kann. Dann gibt es andere, die sogleich nachfragen, ob ich mit meinem Arbeitgeber einen Sabbatical – auf Neudeutsch eine (teilweise bezahlte) Auszeit vom Job – vereinbart hätte. Ihnen sage ich heimlich «die Gierigen». Es sind jene, die sich alles vom Arbeitgeber bezahlen lassen würden – ohne schlechtes Gewissen wohlverstanden. Und dann gibt noch jene Leute, die zu mir sagen, dass sie so etwas auch unbedingt machen wollen. Aber es hätte sich bisher halt nicht ergeben. Man hätte sich nicht einigen können, in welche Richtung der Welt die Reise gehen sollte, der Hund hätte nicht zwei Monate von zu Hause weg gewollt, oder das Dorffest könne nicht ohne einem durchgeführt werden; sapperement! Diese Gruppe nenne ich – verbunden mit Mitleid – «die Ängstlichen». Und schliesslich gibt es noch «die Begehrten». Das sind jene Leute, welche mir klar machen, dass sie bei ihrem Arbeitgeber oder in der Gesellschaft derart unabkömmlich seien, dass es für sie unmöglich sei, länger als zwei Wochen abwesend zu sein. Hoffentlich fallen «die Begehrten» nach einem Unfall oder einer Krankheit nie längere Zeit aus. Die Gesellschaft stünde vor dem totalen Zusammenbruch. Unheil droht!

Ich klopfe mir mit Genugtuung über diese Entscheidung zu verreisen auf die eigenen Schultern. Vor allem dann, wenn um mich herum alltagsmüde, leise fauchende Gesellschaftstiger damit drohen, dass sie jetzt dann bald für eine Weile alles hinschmeissen und ausbrechen würden.

Bruno Eisenhut

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