Leidenschaft für Ami-Schlitten

17 Classic Cars aus drei Jahrzehnten: Fotograf Adrian Streuli zeigt sie in einem Bildband, stellt aber vor allem ihre Besitzerinnen und Besitzer vor. Über wemakeit.com läuft momentan der Versuch, das aufwendige Projekt zu finanzieren.

Monika Egli
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Im Bildband von Adrian Streuli wird auch Stefan Länzlinger, Grub, mit seinem Buick Century, Jahrgang 1957, vorgestellt. (Bild: Adrian Streuli)

Im Bildband von Adrian Streuli wird auch Stefan Länzlinger, Grub, mit seinem Buick Century, Jahrgang 1957, vorgestellt. (Bild: Adrian Streuli)

ST. GALLEN/HERISAU. Adrian Streulis erstes Wort war «Auto», als 5jähriger Bub konnte er jede Automarke anhand der Lampen bestimmen – wen wundert's, dass sein Weiterbildungsprojekt wieder mit Autos zu tun hat, und zwar mit amerikanischen Oldtimern der Jahre 1950 bis 1979? «Seit mein Vater mit einem Chevy Citation nach Hause kam – damals war ich 8jährig –, hat es mir den Ärmel reingenommen.» Adrian Streuli ist daran, einen Bildband über die Classic Cars zu gestalten, vor allem aber die Menschen vorzustellen, die diese Autos besitzen. Der Arbeitstitel «Behind The Wheel» ist geschlechterneutral gehalten, da er nicht etwa nur Männer porträtiert. Es gibt in der Schweiz viele Frauen, die sich dem Fifties-Style verschrieben haben: Von der Frisur über die Kleider bis hin zur Wohnungseinrichtung – und zum Auto. 17 Porträts von neun Männern und acht Frauen aus der ganzen Deutschschweiz sind es geworden. Einer davon ist Stefan Länzlinger aus dem appenzellischen Grub.

Vom Kreuzer bis zur Limousine

Jede porträtierte Person wird in einer Bilderreihe auf ungefähr sechs Seiten vorgestellt. Gezeigt werden nebst Fahrzeug und Besitzer auch dessen Umfeld, die Wohnung, der Arbeitsort, allenfalls die Familie. «Meine Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie kommen aus verschiedenen Generationen und sozialen Schichten, sie alle aber verbindet die Vorliebe für amerikanische Klassiker», sagt Adrian Streuli. Er wird aufzeigen, ob sie noch weitere, weniger offensichtliche Gemeinsamkeiten haben oder ob ein bestimmter Typ Oldtimer zu einem bestimmten Typ Mensch gehört. Denn der Zeitraum 1950 bis 1979 ist weit gefasst. In diesen drei Jahrzehnten prägten die kurvenförmigen Strassenkreuzer (50er), die kompakten «Pony Cars» (60er) und die übergrossen Limousinen (70er) das Strassenbild in Amerika.

Dorfarzt in Herisau

Adrian Streulis Wurzeln liegen in Ausserrhoden. Sein Grossvater Gottfried Streuli (1900–1964) zog von Uznach nach Herisau. Als Dorfarzt besass er als einer der ersten ein Auto. Adrian Streulis Vater hiess Peter (1937–1996). Er kam in Herisau zur Welt und wuchs im Sonnenhof 5, unweit der heutigen Migros, auf.

Der 41jährige Adrian Streuli hat ursprünglich Hochbauzeichner erlernt und das Diplom Gestalter FH in Basel erworben; dort gehörte Fotografie zum Studienplan, dort entdeckte er seine grosse Freude daran. Ab 2003 lebte er mit seiner Frau für sieben Jahre in Los Angeles, wo er als Gestalter und Fotograf arbeitete. Der Sohn war letztlich der Grund für die Rückwanderung der Familie nach St. Gallen; hier ist unterdessen auch eine Tochter zur Welt gekommen. Noch immer arbeitet er in einem Teilzeitpensum als Innenarchitekt, widmet unterdessen aber viel Zeit seinem Nebenerwerb, dem Fotografieren, das er über kurz oder lang zum Hauptberuf machen möchte. So entstand auch das Buchprojekt: Er absolvierte eine Weiterbildung im Rahmen der «GAF», der «Gruppe autodidaktischer Fotografen und Fotografinnen». Der Bildband ist Teil der Ausbildung. 2014 hat er damit angefangen, nun, ungefähr 50 Fotosessions später, steht er vor der Vollendung.

Noch fehlt Geld

«Dieses Buch würde sich zum Beispiel als Kundengeschenk eignen», nennt er einen möglichen Absatzmarkt. Im Moment ist er daran, das noch fehlende Geld zu beschaffen, denn die Herstellung des Bildbands geht ganz auf seine Kosten. Zwar kann er durch Beiträge von privaten Firmen einen Teil davon decken. Was noch fehlt, 17 000 Franken, versucht er jetzt, über das Crowdfunding wemakeit.com zusammenzubringen. Und das funktioniert so: Unter der Web-Adresse wemakeit.com/projects/behind-the-wheel kann, wer will, einen beliebigen Betrag bezahlen, schon 40 Franken werden gerne genommen. Kommen die 17 000 Franken innert einer gesetzten Frist zusammen, gehört das Geld Adrian Streuli. Erreichen die Beiträge den gesetzten Betrag jedoch nicht, ist der Versuch gescheitert, die Spender erhalten ihre Zahlung zurückerstattet. Das Projekt ist seit einer Woche aufgeschaltet, bereits ist die Hälfte der angestrebten Summe erreicht; 44 Personen haben dazu beigetragen (gestriger Stand). Adrian Streuli hofft, dass es weiterhin so flott läuft. Die Aktion läuft noch drei Wochen, bis am 16. Juli.

wemakeit.com/ projects/behind-the-wheel

Adrian Streuli Fotograf, Innenarchitekt und Gestalter (Bild: Franziska Martin)

Adrian Streuli Fotograf, Innenarchitekt und Gestalter (Bild: Franziska Martin)