Leicht ins Wanken geratene Hoffnung

Ich gehöre noch zu jener Generation, die in den Fünfzigerjahren mit kurzen Hosen am Strassenrand stand und bei der Durchfahrt der Tour de Suisse Ferdi Kübler oder Hugo Koblet zujubelte.

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Ich gehöre noch zu jener Generation, die in den Fünfzigerjahren mit kurzen Hosen am Strassenrand stand und bei der Durchfahrt der Tour de Suisse Ferdi Kübler oder Hugo Koblet zujubelte. Da ist man ja fast verpflichtet, sich den derzeit in unseren Kinos laufenden Film «Hugo Koblet – Pédaleur de charme» anzusehen. Ich setze mich also nachmittags ins Scala 6 in St. Gallen und bin einer von elf Interessierten, sechs Männer und fünf Frauen. Elf mal 13 Franken Eintrittsgeld, das macht 143 Franken für Pédaleur und Charme.

Die sechs Männer sind wohl wegen des Pédaleurs hier, die fünf Frauen wahrscheinlich wegen dessen Charme. Sei's drum. Der Zufall will es, dass uns just am Tag meines Kinobesuchs aus Frankreich die Kunde vom Dopingverdacht gegen den letzten Tour-de-France-Sieger Alberto Contador erreicht. Sie wird selbentags noch «garniert» mit der Meldung aus Spanien, bei der dortigen Landesrundfahrt seien auch die beiden Iberer Ezequiel Mosquera und David Garcia in etwas zu intensiven Kontakt mit der Pharmazie getreten.

Ich setze dies in Relation zu den im Film gemachten ungeschminkten Aussagen Armin von Bürens, des einstigen Partners von Hugo Koblet bei den Sechstagerennen, wonach schon damals Pillen, Spritzen und Pülverchen nachgeholfen hätten. Und damit gerät auch die Hoffnung, wenigstens Fabian Cancellaras am gleichen Tag absolvierte Fahrt zum vierten Weltmeistertitel im Zeitfahren sei mittels natürlicher Kraftentfaltung zustande gekommen, halt schon leicht ins Wanken.

Martin Hüsler

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