Lehrer und Schüler wehren sich

Gegen die Schliessung der Weiterbildungsabteilung des BBZ Herisau regt sich Widerstand. Der Entscheid ist Teil der Sparbemühungen des Regierungsrats. Ende November kann sich der Kantonsrat abschliessend dazu äussern.

Michael Genova
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Ein Initiativkomitee setzt sich für den Erhalt des Weiterbildungsangebots am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Herisau ein: Heinz Kürsteiner, BBZ-Schüler und ehemaliger Primarlehrer, Initiant René Städler, Spanischlehrerin Pepa Espin Städler und Werner Gubler, Schüler am BBZ. (Bild: mge)

Ein Initiativkomitee setzt sich für den Erhalt des Weiterbildungsangebots am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Herisau ein: Heinz Kürsteiner, BBZ-Schüler und ehemaliger Primarlehrer, Initiant René Städler, Spanischlehrerin Pepa Espin Städler und Werner Gubler, Schüler am BBZ. (Bild: mge)

HERISAU. Am letzten Tag vor den Herbstferien erhielten die Kursleiterinnen und Kursleiter ein E-Mail des Rektors des Berufsbildungszentrums (BBZ) Herisau: «Die Erwachsenenbildung wird per Ende März 2016 eingestellt», schrieb Hanspeter Schläpfer. «Der grosse Spardruck hat uns zu diesem Schritt gezwungen.» Bei den Kursleitern war die Überraschung gross. Noch im März hatte es an einer internen Sitzung des BBZ geheissen: «Politisch gesehen bleibt die Weiterbildung unumstritten.»

Wert lokaler Angebote

Heinz Kürsteiner, ehemaliger Primarlehrer und Spanischschüler am BBZ, empört sich: «Einen so wichtigen Entscheid verkündet man langjährigen Mitarbeitern nicht per E-Mail.» Betroffen von der Schliessung sind 37 Kursleiter, davon 20 aus Appenzell Ausserrhoden. Auch eine Teilzeitstelle im Sekretariat wird gestrichen. Im vergangenen Jahr besuchten 678 Teilnehmer 79 Kurse. Der Betrieb der Weiterbildungsabteilung war nicht kostendeckend. Laut Rektor Hanspeter Schläpfer betrug das Defizit in den vergangenen zehn Jahren zwischen 60 000 und 100 000 Franken pro Jahr.

Für die Mitglieder eines Initiativkomitees rechtfertigt dies keinen so radikalen Einschnitt. «Der Kanton kann kein Interesse daran haben, dass lokale Weiterbildungsangebote verschwinden», sagt René Städler, Initiant der Gruppe. Auch für Heinz Kürsteiner ist die Erwachsenenbildung ein wichtiger Standortfaktor. Dabei verweist er auf das Regierungsprogramm, welches die Verbesserung der Rahmenbedingungen zum Ziel habe. «Wenn wir eigenständig bleiben wollen, kann es nicht sein, dass alle Interessierten die Migros Klubschule in St. Gallen besuchen müssen.»

«Kein gesetzlicher Auftrag»

Zur Kritik an seiner Kommunikationspolitik sagt Rektor Hanspeter Schläpfer: «Das kann ich nachvollziehen.» Er habe den Mailweg gewählt, um alle Kursleiter gleichzeitig zu informieren – auch jene Dozenten, die selten in Herisau seien. «Die Schliessung war ein sehr schwieriger Entscheid», sagt Schläpfer. Sachlich und finanzpolitisch sei es aber die richtige Massnahme.

Laut Schläpfer machte der Regierungsrat dem BBZ die Vorgabe, rund 200 000 Franken nachhaltig einzusparen. Daraufhin habe er unter anderem eine Schliessung der Weiterbildungsabteilung vorgeschlagen, die schon häufiger Diskussionsthema war. Der Regierungsrat und das Departement Bildung sprachen sich für diese Massnahme aus, mit welcher der Kanton rund 100 000 Franken jährlich einsparen wird. Hanspeter Schläpfer weist darauf hin, dass für Weiterbildungsangebote kein gesetzlicher Auftrag bestehe. Der Kanton sei lediglich zur Koordination der verschiedenen Angebote verpflichtet.

Antrag im Kantonsrat

Werner Gubler, auch er Teilnehmer eines Spanischkurses am BBZ, lässt dieses Argument nicht gelten. «Die Weiterbildung ist vielleicht nicht gesetzlich verankert, gehört aber zum Gemeinwohl.» Das Initiativkomitee fordert von den Politikern, ihre Entscheidung zu überdenken. Initiant René Städler hat Kontakt mit Kantonsräten aufgenommen. Am 30. November wird dem Kantonsparlament der Voranschlag 2016 zur Genehmigung vorgelegt. Die Weiterbildungsabteilung ist einer von vielen Budgetposten. Städler will erreichen, dass im Kantonsrat über die Erwachsenenbildung separat abgestimmt wird. Von einzelnen Kantonsräten habe er bereits positive Signale erhalten.