Weiterbildung in Nachhaltigkeit: Lehrer lernen von Bauern

Rund 60 Ausserrhoder Lehrpersonen tauschten die Schulstube gegen Wiese, Weinkeller und Stall.

Karin Erni
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Zum biologischen Wirtschaften im Weinberg gehört auch das Kompostieren des Tresters. Bild: Karin Erni

Zum biologischen Wirtschaften im Weinberg gehört auch das Kompostieren des Tresters. Bild: Karin Erni

Der neue Lehrplan fordert vermehrt Alltagsbezug im Unterricht. Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde und fordert die produzierende Landwirtschaft stark. Ein Bauernhof bietet für Kinder zudem viel spannendes Anschauungsmaterial. Alljährlich lädt das Amt für Volksschule und Sport die Lehrpersonen aller Zyklen zu einer gemeinsamen Weiterbildung ein. Schwerpunktthema des diesjährigen Anlasses war die Bildung zur nachhaltigen Entwicklung. Regierungsrat und Landammann Alfred Stricker eröffnete die Weiterbildung mit dem Bezug zum Lehrplan.

Gastgeber Matthias Tobler hat mit Ehefrau Monika den Bleichehof in Wolfhalden vor zehn Jahren übernommen und von Milch- auf Fleischproduktion umgestellt. Neben den Bio-Weidebeef-Rindern hält die Familie Pferde und bewirtschaftet einen Weinberg am Buchberg in Thal. Die Lehrpersonen konnten sich am Mittwochnachmittag für zwei von insgesamt fünf Workshops zum Thema nachhaltige Entwicklung entscheiden.

Anspruchsvolle Produktion von Bio-Wein

Grossen Zulauf hatte der Workshop Weinproduktion. Matthias Tobler hat seinen Weinberg auf biologische Produktion umgestellt. Das ist mit einigen Herausforderungen verbunden, wie die Teilnehmer erfahren durften. Die einheimische Blauburgundertraube wird stark vom falschen Mehltau befallen. «Dagegen hilft im biologischen Landbau nur Kupfer», erklärte Tobler. Dieser sei zwar nicht per se giftig, könne aber ab einer gewissen Dosis schädigend wirken und sich im Boden anreichern. Er spritze daher nur so viel wie unbedingt nötig und stelle ab August den Einsatz ganz ein. Gegen die anderen Pflanzenkrankheiten kann Tobler Fenchelöl oder Tonerde spritzen. Mit der Pflanzung von Neuzüchtungen wie die Maréchal Foch, einer früh reifenden und widerstandsfähige Traube, will er den Einsatz von Kupfer weiter verringern. Die Traube ergibt farbintensive und tanninreiche Weine, die offenbar auch dem Geschmack der Kunden entsprechen. Um die Reben nicht unnötig zu schwächen und die Weinqualität zu verbessern, erntet der Weinbauer nur eine geringe Menge von 600 Gramm Trauben pro Quadratmeter.

Das Appenzellerland ist Grasland

Ein weiterer Workshop war der nachhaltigen und gesunden Fleischproduktion gewidmet. Referent Hansjürg Hörler aus Gais erklärte anhand der Bodenbeschaffenheit eindrücklich, dass sich der Boden im Appenzellerland weniger für Ackerbau, dafür umso besser für die Viehhaltung eignet. Die lehmigen Böden bieten sehr gute Voraussetzungen für die Grasernte. Durch den richtigen Schnitt kann der Bauer in einer Wiese die proteinreichen Arten wie Klee fördern, um damit importierten Soja zu ersetzen. Andreas Aemisegger aus Lutzenberg erläuterte die Konservierung des Grases mittels Flachsilo oder Ballen. Die Zuhörer erfuhren, dass diese Methode weniger Energie verbraucht als die Herstellung von Heu. Zudem gingen beim Heuen die wertvollen Kräuter wie Klee eher verloren. Die Teilnehmenden staunten, dass die Kühe das für menschliche Nasen nicht sonderlich angenehm riechende Silofutter lieber fressen.

Kinder sollen von der Natur lernen

Naturpädagogin Michaela Linder und Gründerin der Bauernhofschule gab den Teilnehmenden einen Einblick in ihre Kurse, die von Schulen gebucht werden können. Bei Jörg Büchi vom Verein Agro-Image konnten sich die Lehrpersonen über die verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsarten und deren Nachhaltigkeit informieren. Der angehende Agronom vermittelte auch Ideen, wie das Thema mit den Schülern im Unterricht erarbeitet werden kann. Eric Wyss, Geschäftsführer des Umweltbildungsprogramm Globe, erklärte anhand praktischer Beispiele, was Regenwürmer über die Biodiversität aussagen und was die Verdauung der Kühe mit dem Klimawandel zu tun hat.

Die Ausserrhoder Lehrerschaft zeigte sich ausgesprochen interessiert an den landwirtschaftlichen Zusammenhängen und stellte den Referenten viele Fragen.