Lehrberufe schmackhaft machen

Die Standortförderung «Appenzellerland über dem Bodensee» führte diese Woche erstmals einen Berufserkundungstag durch. Das Angebot richtet sich an Vorderländer Schülerinnen und Schüler der zweiten und dritten Oberstufe.

Marcel Jud
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Am Berufskundetag lernen Jugendliche aktiv den Alltag in verschiedenen Berufen kennen – wie hier in der Küche des Spitals Heiden. (Bilder: maj)

Am Berufskundetag lernen Jugendliche aktiv den Alltag in verschiedenen Berufen kennen – wie hier in der Küche des Spitals Heiden. (Bilder: maj)

VORDERLAND. «Unser regionales Gewerbe spürt zum einen, dass es immer weniger Schulabgänger gibt. Zum anderen ist vielen Schülern und Eltern gar nicht bewusst, wie viele verschiedene Betriebe es hier im Vorderland hat», sagt Simon Spillmann, Geschäftsführer der Standortförderung «Appenzellerland über dem Bodensee» (AüB). Beides führe dazu, dass das lokale Gewerbe zunehmend Mühe habe, freie Lehrstellen zu besetzen. Deshalb organisierte die AüB in Zusammenarbeit mit den Gewerbevereinen und Schulen des Vorderlandes diese Woche erstmals einen Berufserkundungstag. «Ziel ist, dass sich Sekundarschülerinnen und -schüler mit den Ausbildungsmöglichkeiten nah an ihrem Wohnort vertraut machen können», erklärt Spillmann.

Das Angebot fand Anklang, und es beteiligten sich alle Klassen der zweiten Oberstufe der Sekundarschulen Heiden, Oberegg, Walzenhausen und Trogen-Wald-Rehetobel. Ausnahme war die Schule Wolfhalden-Grub, die eine eigene Schnupperwoche durchführte. «Auch Schülerinnen und Schüler der dritten Oberstufe nahmen teil, die zurzeit noch nicht genau wissen, welche Lehrstelle für sie geeignet ist oder die noch keine gefunden haben», ergänzt Spillmann.

Einblick in den Berufsalltag

Während eines halben Tages «erkundeten» die Jugendlichen die Arbeitswelt. Sie mussten sich hierfür nicht bei den Betrieben bewerben, sondern konnten aus einer Liste von insgesamt 34 Berufen auswählen, für die auf Sommer 2017 Lehrlinge gesucht werden. «Diese Unverbindlichkeit des Kennenlernens ist genial», sagt Christoph Mettler, Betriebsleiter des Elektrizitätswerks Heiden, «gerade für Jugendliche, die noch etwas schüchtern sind und für die allein der Griff zum Telefonhörer viel Überwindung kostet.» Das Elektrizitätswerk Heiden gehört zu den 38 Betrieben, die sich am ersten Vorderländer Berufserkundungstag beteiligten.

Markus Meier, stellvertretender Küchenchef des Spitals Heiden, spricht das Konzept an, da «im Gegensatz zu anderen Angeboten, bei denen ganze Schulklassen bei mir in der Küche stehen, an diesem Morgen nur die kommen, die zumindest ein bisschen Interesse am Beruf eines Kochs haben». Die Jugendlichen würden etwa beim Gemüserüsten helfen oder Wasser aufkochen und erhielten so eine Ahnung vom Berufsalltag. Christin Walser, Leiterin Finanzen und Personal der Walser AG, sieht im Berufserkundungstag eine Chance, Jugendliche auf weniger bekannte Berufe aufmerksam zu machen: «Vor allem für die Lehrstellen im Bereich Polymechaniker und Anlagen- und Apparatebauer haben wir Mühe, Interessenten zu finden. Wir wollten deshalb selbst Orientierungsnachmittage anbieten. Die Idee des Berufserkundungstages kam also zum idealen Zeitpunkt.»

Regionalität fördern

Auch Simon Spillmann von der AüB sieht im Berufserkundungstag eine Möglichkeit, Jugendlichen Orientierung im breiten Feld der Berufsangebote zu verschaffen. Das Angebot sei zudem ein wichtiger Schritt, um «das regionale Gewerbe zu fördern und junge Arbeitskräfte in unserer Region zu behalten». Viele Jugendliche würden zunehmend Lehrstellen im Rheintal oder in der Stadt St. Gallen suchen.

Nebst dem Berufserkundungstag, der nun jedes Jahr stattfinden soll, publiziert die AüB deshalb eine Liste mit freien Lehrstellen in der Region, die in den Vorderländer Sekundarschulen aufgehängt wird.