Legehennen im Osterstress

HASLEN. Auf dem Rütihof legen Hühner Eier, die in der gesamten Ostschweiz verspeist werden. Im Hinblick auf Ostern werden täglich rund 14 000 Eier verpackt. Nach den Ostern wird die Produktion von Eiern gedrosselt. Die Planung aber läuft über das gesamte Jahr.

Bruno Eisenhut
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Eierproduzent Rolf Inauen lässt auf dem Rütihof täglich rund 14 000 Eier verpacken. (Bild: pd)

Eierproduzent Rolf Inauen lässt auf dem Rütihof täglich rund 14 000 Eier verpacken. (Bild: pd)

Nicht so einfach in zwei Sätzen sei es möglich, zu erklären, wie ein Eierproduzent die Ostersaison plane, schickt Rolf Inauen, Inhaber des Rütihofs in Haslen (siehe Kasten) auf die entsprechende Frage voraus. Er richtet den Blick über die Grenzen seines Hofs hinaus auf die gesamte schweizerische Branche der Eierproduzenten, um Klarheit zu schaffen. Die Nachfrage nach Eiern sei im Winterhalbjahr gross, besonders während der vorweihnachtlichen Backsaison und vor Ostern. In dieser Zeit werde rund 60 Prozent des Jahresumsatzes generiert, erklärt Rolf Inauen, «in der gesamten Branche wie auch auf dem Rütihof».

Planung eine Herausforderung

Die Eierproduktion könne nicht per Schalterumlegung gedrosselt oder erhöht werden, so Inauen. Die Planung der Produktion bezeichnet er denn auch als «Herausforderung». Ein Huhn beginnt im Alter von rund fünf Monaten Eier zu legen, nach dem ersten Legejahr nimmt die Qualität der Eier ab, die Schale wird brüchig. «Für den Privatgebrauch kann ein Huhn gut und gerne weitere ein oder zwei Jahre Eier legen, den hohen Qualitätsanforderungen des allgemeinen Marktes wird es aber nach einem Jahr nicht mehr gerecht», so Inauen.

Um die Nachfrage während den saisonalen Spitzen abdecken zu können, stallt Rolf Inauen die Küken nach genauem Zeitpunkt ein. Das Ergebnis: Während den Wintermonaten legen seine Hennen täglich rund 16 000 Eier – das Maximum, welches mit Einhaltung der Tierschutzverordnung auf dem Rütihof möglich ist. Und zurück zur Eingangsfrage: Genauso wie die Hühner auf dem Rütihof produziert die gesamte schweizerische Branche während der Hochsaison das Maximum an Eiern. «Der Rest, rund 50 Prozent, wird importiert und in der Industrie verarbeitet oder als Import-Eier verkauft», fasst Rolf Inauen zusammen.

Lagerung der gekochten Eier

Rolf Inauen spezialisiert sich mit seinem Unternehmen auf Frischeprodukte. Eingefärbte Eier produziert er zwar, zählt diese aber nicht zu seinem Kerngeschäft. Dennoch weiss der Eierproduzent, der sich als Unternehmer mit landwirtschaftlichem Hintergrund bezeichnet, wie dieses Geschäft funktioniert. Bunt bemalt soll es sein und vor allem einfach zu schälen. So wünsche sich der durchschnittliche Kunde ein gekochtes, bemaltes Osterei, erklärt der Appenzell Innerrhoder. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die gekochten Eier eine gewisse Zeit bei idealen Temperaturen gelagert werden. Und genau diese erforderliche Reifung macht sich die Branche zu Nutzen: Geht die Nachfrage nach den Eiern nach dem Weihnachtsgeschäft leicht zurück, werden die anfallenden Eier gelagert und gekocht. «Bis zum Ostergeschäft können so die Bestände erhöht werden», fasst Rolf Inauen zusammen.

Gelebte «Nachhaltigkeit»

Der Unternehmer Rolf Inauen ist sich bewusst, dass viele Marketingstrategien auf das Wort «nachhaltig» ausgerichtet sind und dadurch einen Marktvorteil erhofft wird. Auch er spricht von «Nachhaltigkeit», schiebt aber sogleich drei Begründungen nach: Den in der Eierproduktion unumgänglich anfallenden Hühnermist liefert Rolf Inauen einem Geschäftspartner. Dieser produziert darauf, ebenfalls für die Genossenschaft Migros Ostschweiz, Champignons für dasselbe Label wie Rolf Inauen seine Eier produziert. Weiter werden die Hennen nach ihrer Legezeit tiergerecht abtransportiert und geschlachtet. Sie gelangen als tiefgefrorene Suppenhühner in den Verkauf respektive dienen als Rohstoff der Nahrungsmittelindustrie. Und zuletzt macht sich Rolf Inauen die bestehenden Stallungen auf dem Rütihof zu Nutzen. Auf deren Dächer produziert er Solarstrom, und zwar so viel, dass er nebst dem Eigenbedarf auch Strom ins allgemeine Stromnetz einspeisen kann. Sein Betrieb bezeichnet Inauen demnach nicht nur als «Rütihof», sondern sichtlich auch ein wenig stolz als «Kleinstkraftwerk».

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