Leere Berge – volle Museen

APPENZELLERLAND. Regentage gab es im Ferienmonat Juli zuhauf. Eine Umfrage bei Bädern, Museen, Bergbahnen, und Berggasthäusern zeigt, man versucht, das Beste aus dem schlechten Wetter zu machen.

Mea Mc Ghee
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Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung: Unter diesem Motto trotzte Leser Peter Böhi am Sonntag der Witterung und fotografierte den Regenwassersee auf der Alp Gross Hütten. (Bild: Peter Böhi)

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung: Unter diesem Motto trotzte Leser Peter Böhi am Sonntag der Witterung und fotografierte den Regenwassersee auf der Alp Gross Hütten. (Bild: Peter Böhi)

Das Wetter im Monat Juli fordert von Feriengästen im Appenzellerland und von Tourismus-Anbietern Flexibilität. «Drei Regentage, rauh und düster, gefolgt von einem strahlenden Morgen», so hatten wir es diesen Monat oft, sagt Rita Inauen, Wirtin im Berggasthaus Plattenbödeli. Beklagen wolle sie sich nicht, denn die Gäste seien gekommen, sobald das Wetter schön war. Familien würden sich kurzfristig für eine Wanderung im Alpstein entscheiden. «Und wir können an Wochentagen glücklicherweise stets eine Übernachtungsgelegenheit anbieten», sagt Rita Inauen. Natürlich hofft die Bergwirtin auf schönes Bergwetter, speziell für August und September, «den Wandermonaten schlechthin».

Auch für Luftseilbahn Wasserauen–Ebenalp sind Juli bis September wichtige Monate im Jahresgeschäft. «Der Parkplatz im Tal sollte jetzt voll besetzt sein, doch im Juli hat sich oft ein anderes Bild geboten», so Betriebsleiter Beni Fuchs. Vorgestern transportierte die Luftseilbahn nur gerade 100 Personen auf die Ebenalp und zurück, das sei rund 20mal weniger als an einem guten Sommertag. Dennoch müssen die Mitarbeitenden bis 21 Uhr die Stellung halten, da bis am 10. August Abendfahrten im Fahrplan stünden.

Freibad täglich offen

Zwei Schwimmer zogen gestern morgen im Freibad Herisau ihre Bahnen und trotzten dem misslichen Wetter. «Wir haben dieses Jahr neu täglich mindestens von 9 bis 11 Uhr offen, auch bei schlechtem Wetter», so Bademeister Rodolfo Patti. «Dieses Angebot wird von den Stammgästen geschätzt.» Gestern betrug die Wassertemperatur 20,4 Grad, sonst seien im Juli rund 25 Grad üblich. Abschrecken müsse dies niemanden, denn das Wasser heize schnell auf, sobald es einige warme Tage gebe.

Auf solche hofft Willi Alder, Abteilungsleiter Sport der Gemeinde Herisau, in dessen Verantwortung das Freibad steht. «Zwar zählten wir am Sonntag vor zwei Wochen rund 600 Eintritte, doch erst eine Hitzeperiode lockt richtig viele Gäste ins Freibad.» Eine Schlechtwetter-Alternative wäre das Hallenbad im Sportzentrum – allerdings ist es vom 21. Juli bis 3. August wegen dringender Revisionsarbeiten geschlossen. Diese Revision kurzfristig zu verschieben sei nicht möglich gewesen, so Willi Alder. Termine mit Handwerkern und Ferien des Personals liessen sich nicht ändern. Nun hofft er auf schöne Wochenenden, damit das Freibad Herisau mindestens die Vorjahreszahlen erreicht.

«Am ersten Regentag beschäftigen sich die Leute zu Hause, am zweiten gehen sie ins Kino und am dritten ins Hallenbad», sagt Robert Kühne, Betriebsleiter des Hallenbades Buchen in Speicher. Bis gestern besuchten im Monat Juli 2400 Gäste das Hallenbad. Das sind 900 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Mit 142 verkauften Eintritten war der 13. Juli der Spitzentag des Monats. Man merke aber trotz der guten Besucherzahlen, dass viele Leute in den Ferien weilen.

Tips für Regentage

«Die Feriengäste sind erstaunlicherweise trotz des vielen Regens guten Mutes», sagt Susanne Schmid, Mitarbeiterin der Tourist Information Urnäsch. Es sei aber nicht ganz einfach, den Gästen bei anhaltend schlechtem Wetter Ausflugstips zu geben. Zum Glück biete die Region einige Möglichkeiten: den Besuch der Schaukäserei Stein, ein Ausflug ins Dorf Appenzell oder eine Rundreise mit den Appenzeller Bahnen.

Profitiert habe das Museum Appenzell mit rund 20 Prozent mehr Besuchern im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat, sagt Andrea Signer, Leiterin der Tourist-Info Appenzell. Während die Feriengäste sich mit den Bedingungen arrangierten, würden jedoch die Tagestouristen bei Regenwetter weitgehend ausbleiben.

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