Lebensmittel – Mittel zum Leben

Man merkt es kaum, aber langsam geht schon die erste Jahreshälfte ihrem Ende zu. Auch wenn die Berge noch Schnee zeigen, schmeckt es in den Tälern längst nach Heu. Das sagt uns: «Die Erntezeit beginnt.»

Lothar Schullerus
Merken
Drucken
Teilen
Die Erntezeit hat begonnen. (Bild: pd)

Die Erntezeit hat begonnen. (Bild: pd)

Man merkt es kaum, aber langsam geht schon die erste Jahreshälfte ihrem Ende zu. Auch wenn die Berge noch Schnee zeigen, schmeckt es in den Tälern längst nach Heu. Das sagt uns: «Die Erntezeit beginnt.»

Es mag zwar ein wenig ungewohnt erscheinen, das Heuen bereits mit der Erntezeit in Verbindung zu bringen, doch schon im 19. Jahrhundert wurde in einem Volkslied aus Nordmähren gesungen: «So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei. Da erntet der Bauer das duftende Heu. Er mäht das Getreide, dann drischt er es aus. Im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.»

Das Heuen eröffnet die Erntezeit des Jahres, und ihm folgen reihum die Früchte der Felder, der Gärten und der Wälder. Es sind Gaben Gottes für die Menschen, damit sie die harte Winterzeit überstehen mögen.

Doch davon nehmen wir nur noch wenig oder gar nicht Notiz. In der Zeit voller Supermarktregale vergessen wir, dass Lebensmittel das sind, was das Wort aussagt, nämlich «Mittel zum Leben». Lebensmittel sind die Dinge, ohne welche wir gar nicht leben können.

Ohne die Ernte der Gaben Gottes, ohne eine fachgerechte Verarbeitung und Lagerung steht der Hunger vor der Tür und hinter ihm der Tod. Darum wollen wir am Anfang der Erntezeit Gott danken, dass er uns wieder gibt, was wir zum Leben brauchen. Gleichzeitig wollen wir aber auch der Menschen gedenken, welche die schönen Sommermonate damit verbringen, diese Ernte zu pflegen und einzufahren. Während andere Ferien machen und sorglos am Strand liegen, kümmern sie sich in schweisstreibender Arbeit darum, dass im Winter alle zu essen haben.

Wenn wir die vollen Regale in den Läden sehen, sollten wir nie vergessen, dass sie sich nicht von allein füllen, sondern nur durch die harte Arbeit von Menschen gefüllt werden können. Besonders aber wollen wir der Menschen gedenken, die jetzt zur Alp fahren. Der Menschen, die den ganzen Sommer über eine Ernte einfahren, die in ihrer Art besonders ist. Es ist die Heilkraft der Alpkräuter und Blumen der Alpwiesen, die von den Kühen zu Milch und von den Menschen zu Milchprodukten verarbeitet wird. Wir schätzen den Alpkäse und lieben ihn in seiner Würzigkeit.

Wir wollen denen, die uns in diesem Sommer und die Zeit danach mit ihm versorgen, eine gute und gesegnete Alpzeit wünschen. Mögen Mensch und Tiere, wenn die Alpzeit vorbei ist, alle wieder gesund zu Tal steigen.

Möge Gottes Segen auch auf den Ackerbauern und ihrer Arbeit ruhen, damit wir auch weiterhin Mittel zum Leben haben und Gott dafür danken können.

Lothar Schullerus Pfarrer Reformierte Kirchgemeinde Nesslau (Bild: pd)

Lothar Schullerus Pfarrer Reformierte Kirchgemeinde Nesslau (Bild: pd)