Lebenselixier Familie und Tradition

Mutterkühe, Pferde und als wichtiges Standbein die Weissküferei: In der Familie Jolanda und Werner Stauffacher dreht sich alles um Bodenhaftung und Traditionen. Dank gutem Zusammenhalt wird das grosse Arbeitspensum bewältigt.

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Unterwegs mit der Postkutsche: Werner Stauffacher (links) und Sämi Frick auf dem Weg Richtung Schwägalp.

Unterwegs mit der Postkutsche: Werner Stauffacher (links) und Sämi Frick auf dem Weg Richtung Schwägalp.

Dort wo das Tal der Luteren enger wird und bald die Steigung Richtung Schwägalp beginnt, im Ennetbühler Riet, haben sich Jolanda und Werner Stauffacher ihre Existenz aufgebaut. Auf dem Landwirtschaftsland von Jolanda Stauffachers Eltern konnte im Rahmen der Generationennachfolge ein Bauernhaus mit dazu gehörenden Ökonomiegebäuden erstellt werden. Werner Stauffacher, gelernter Weissküfer, brachte nach seiner Ausbildung bei Aernes Erben in Neu St. Johann und einer elfjährigen Anstellung im gleichen Betrieb das nötige Fachwissen für seine selbständige Tätigkeit mit.

Intakter Familienbetrieb

Dass Werner Stauffacher 1987 das Traditionsunternehmen im Sidwald mit seiner jungen Familie übernehmen konnte und mit dem Neubau im Riet die Weissküferei am neuen Standort weiter betrieb, war der Garant für den Erhalt des aussterbenden Berufs.

Seit einem Vierteljahrhundert widmet sich Werner Stauffacher der Weissküferei als selbständiger Unternehmer, oder um es mit seinen Worten zu sagen: «Wir konnten Anfang Oktober das silberne Firmenjubiläum feiern.» Was das Ehepaar vor 25 Jahren in Angriff genommen hat, darf sich heute sehen lassen. Als Ergänzung zur Weissküferei wird zudem seit 1997 ein Landwirtschaftsbetrieb geführt.

Original Braune mit Horn

Die Landwirtschaftliche Nutzfläche von 21,5 Hektaren erstreckt sich auf Höhenlagen zwischen gut 900 und 1800 Metern über Meer. Im vor 15 Jahren gebauten Laufstall werden Mutterkühe gehalten. «Fast alle Kühe sind Original Braune mit Horn», ist bei einem Besuch im Riet zu erfahren. Ein weiteres wichtiges Standbein, aber auch eine grosse Passion von Werner Stauffacher sind die Pferde. Alles begann 1985, als er mit Haflingerpferden die ersten Fahrten unternahm. Inzwischen gehören drei Moritzburger, bekannt als Sächsisch-Thüringische schwere Warmblüter, und ein Freibergerpferd zusammen. Mit diesen Tieren unternimmt Werner Stauffacher Kutschen- und Schlittenfahrten und als Besonderheit ist er von Mai bis Oktober zusammen mit Sämi Frick aus Urnäsch mit der original nachgebauten Postkutsche über die Schwägalp unterwegs. Dieses Modell Postkutsche war bis etwa 1918 von Ebnat über Wildhaus nach Buchs im Einsatz. Landwirtschaft, Fuhrhalterei und die Weissküferei bilden die drei Standbeine. Zwei Teilzeitkräfte arbeiten mit Werner Stauffacher in der Weissküferei. Es ist ein Treffpunkt für Menschen mit Freude am traditionellen Handwerk. «Gebrauchs- und Ziergegenstände werden bei uns hergestellt. Die handwerkliche Tradition hat für Werner Stauffacher vor allem in der heutigen schnelllebigen Zeit einen grossen Stellenwert. «Was bei uns aus der Werkstatt kommt, sind Unikate, es sind Gegenstände, welche wertbeständig sind und oft von Generation zu Generation weiter gereicht werden.»

Nicht nur im Beruf, auch in der kargen Freizeit haben Traditionen einen wichtigen Stellenwert. Singen und «zauren» gehören bei Werner Stauffacher dazu und für Jolanda Stauffacher ist es die Trachtengruppe, welche den Ausgleich zum Alltag bringt.

Brenten und Tansen

Wer nichts mit der Land- und Alpwirtschaft zu tun hat, wird sich unter dem Begriff Brente kaum etwas vorstellen können. Es ist ein rundes Gefäss, mit einem Bodendurchmesser von 30 oder 40 Zentimetern, mit nicht allzu hohem Rand. Früher wurde die frisch gemolkene Milch in eine Brente geschüttet, dann in einen kühlen Raum gestellt, um am nächsten Tag den Rahm oben abzuschöpfen. In einer Tanse aus Holz wurde bis Mitte des letzten Jahrhunderts die Milch in die Dorfsennerei getragen. Es gab, auch wenn dies aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist, tatsächlich Bauernbetriebe, die morgens und abends jeweils nur so viel Milch lieferten, wie in einer auf dem Rücken zu tragenden Tanse Platz hatte.

Auch die verschiedenen Gerätschaften aus Holz, sei es ein Sauerfass, ein Buder oder ein Schottenkübel – alles handwerklich hoch stehende Arbeiten und mit Liebe zum Detail verziert – finden Anklang. Regelmässig im Gebrauch sind die Fahreimer in verschiedenen Grössen. «Dank des weit verbreiteten Öberefahre werden diese Gefässe, meist verziert mit kunstvoller Bemalung auf dem Bödeli, in vielen Familien genutzt», freut sich der Weissküfer.

Adi Lippuner

Arbeit am Schottenkübel: Der Weissküfer Werner Stauffacher verziert ein selten gewordenes Stück. (Bilder: Adi Lippuner)

Arbeit am Schottenkübel: Der Weissküfer Werner Stauffacher verziert ein selten gewordenes Stück. (Bilder: Adi Lippuner)

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