Leadertrikot als neue Motivation

Langlauf als Volkssport boomt in der Region. Auf Leistungsbasis sind allerdings wenige Wettkämpfer unterwegs. C-Kader-Mitglied Beda Klee vom SC Speer gehört zu den nationalen Hoffnungsträgern.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen
Beda Klee hat beim Continentalcup in Hochfilzen erstmals im gelben Leadertrikot starten dürfen. (Bild: pd)

Beda Klee hat beim Continentalcup in Hochfilzen erstmals im gelben Leadertrikot starten dürfen. (Bild: pd)

WATTWIL. Die Nordischen führen im Toggenburg gegen die Alpinen 1:0. Bei den Skifahrern gehört niemand einem Kader von Swiss Ski an, die Langläufer verfügen mit C-Kader-Mitglied Beda Klee (Wattwil) über die nationale Nummer eins der U20. Mit Rang eins und zwei in Frankreich sowie den Plätzen sechs (10 km Skating) und fünf (15 km klassisch) im Biathlon-Stadion Hochfilzen, Österreich, hat er sich in der europäischen Spitze etabliert. «Ich konnte», so der dreifache Schweizer Meister, «erstmals Ausländer schlagen, gegen die ich letztes Jahr noch keine Chance besass. Es geht also vorwärts.»

«Ein gutes Gefühl»

Erstmals war das Mitglied des SC Speer Ebnat-Kappel im Continental-Cup als Gesamtführender unterwegs. Letztmals trug als Toggenburger der Wattwiler Christoph Eigenmann nach dem Weltcup-Sprintsieg im Münchner Olympiastadion am 2. Januar 2007 in Oberstdorf ein Leadertrikot (Tour de Ski). «Es ist ein spezielles, aber gutes Gefühl, als Leader starten zu dürfen. Zudem motiviert das Trikot und stärkt das Selbstvertrauen. Wer es trägt, weiss, dass er jeden schlagen kann», erzählt der 19jährige Hoffnungsträger.

Realist trotz der Erfolge

Inzwischen hat Beda Klee in Davos schon mit Olympiasieger Dario Cologna und dem Weltcup-Team trainiert. Beim Saisonstart im Goms gewann der Loipen-Allrounder beide Rennen (Sprint/10 km). Damals handelte es sich um einen nationalen Vergleich, in Hochfilzen waren Junioren aus 18 Nationen am Start. «Es lief nicht optimal, doch insgesamt kann ich zufrieden sein», bilanzierte der in beiden Rennen mit zunehmender Dauer schneller werdende Klee. Nach der ersten Zielpassage lag er über 10 km auf Position 16, dann 11 und 7. Der U18-Europameister bleibt trotz der internationalen Erfolge Realist. «Wir haben letztes Jahr an der WM gesehen, auf welchem Niveau beispielsweise die plötzlich auftauchenden Russen oder Norweger laufen. Die Weltmeisterschaft wird in meinem letzten Juniorenjahr der Saisonhöhepunkt sein.» Russlands Nachwuchs gewann über 10 km und 20 km sämtliche Medaillen (Klee: 31./25.). Beda Klee wird auch ausserhalb der Langlauf-Szene einiges zugetraut. An den Micarna-Teamtagen beeindruckte der Jüngste auch die Routiniers, fightete im Unihockey, Curling oder Kart-Rennen. «Er ist ehrgeizig und bringt die nötige Lockerheit mit, beschäftigt sich nicht nur mit Langlauf», waren sich Nicola Spirig, Beat Hefti und Nöldi Forrer einig. Dazu passt die «Freizeitgestaltung»: Zwischendurch arbeitet der Maturand als Hilfsarbeiter in einer Davoser Schreinerei. Weshalb Jugendliche den vergleichsweise kostengünstigen Sport vor der Haustüre nicht rennmässig ausüben wollen, dürfte nach Ansicht von Beda Klee (oder Christoph Eigenmann) mit dem Trainingsumfang zusammenhängen. «Langlaufen ist als Breitensport wettkampfmässig für viele zu streng, trainingsintensiv und daneben ein Einzelsport.» Den meisten Jungen reiche es, einzelne Rennen ohne grössere Ambitionen zu bestreiten. Langlaufen ja, lang laufen auch, aber nicht lang schnell laufen.

Hänni Nummer zwei

Der 53jährige Clubkollege Reto Hänni ist derzeit die Nummer zwei im Churfirsten-Tal. Im OSSV-Kader scheint einzig Beda Klees zwei Jahre jüngere Schwester Adriana auf. Bezeichnend, dass die Eltern Cosima und Rolf Klee wie Reto Häni zum Leiterteam des SC Speer gehören und die Ebnat-Kappler als einziger Toggenburger Verein jeweils mit einer gemischten Gruppe aus Jugendlichen (U10) und Männern (Ü50) an den Läufen teilnehmen.

Aktuelle Nachrichten