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LAWINENHUNDE: Gezieltes Schnüffeln seit 75 Jahren

Anlässlich des Jubiläums der Lawinenhunde-Ausbildung lud die Alpine Rettung Ostschweiz auf die Alp Sellamatt ein, wo sich die Besucher unter anderem von den Spürnasen aus dem Schnee retten lassen konnten.
Timon Kobelt
Nach verrichteter Arbeit bekommt der Lawinenhund sofort ein Spielzeug als Belohnung. (Bilder: Timon Kobelt)

Nach verrichteter Arbeit bekommt der Lawinenhund sofort ein Spielzeug als Belohnung. (Bilder: Timon Kobelt)

Timon Kobelt

timon.kobelt@toggenburgmedien.ch

«Eine Lawinenrettungsaktion muss für die Hunde ein Spiel sein», sagt Lawinenhundeführer Egon Beeler. Der 51-Jährige ist seit 15 Jahren mit den Spürnasen unterwegs. Es sei wichtig, dass man die Hunde mit einem Spielzeug oder mit einem Leckerli belohne, nachdem sie eine Person ausfindig gemacht hätten. «Es ist wichtig, den Hund spielerisch zu motivieren. Dann sind die Erfolgschancen am grössten», erklärt Beeler. So sei es beispielsweise entscheidend, dass eine in der Lawine begrabene Person den Hund mit Rufen animiere, sofern sie in der Lage dazu sei. «Dann gräbt der Hund noch entschlossener und schneller», sagt der Lawinenhundeführer.

Postenlauf mit den Lawinenhunden

Diese und viele weitere Informationen konnte die Bevölkerung am Sonntag auf der Alp Sellamatt in Alt St. Johann erfahren. Mehr noch: Man konnte vieles hautnah miterleben. Die Alpine Rettung Ostschweiz (ARO) hatte anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des Lawinenhundewesens einen Postenlauf aufgestellt. Die meisten Stationen hatten etwas mit den Lawinenhunden zu tun. Am begehrtesten war der Posten, bei dem sich die Leute selbst im Schnee verbuddeln lassen konnten, um dann von den Hunden gerettet zu werden. Wie ein Selbstversuch des Journalisten zeigt, gehen die Lawinenhunde nach der Witterungsaufnahme sehr schnell zu Werke. Innert kürzester Zeit scharren sie sich durch die Schneewand, hinter der maximal drei Leute zum Übungszweck Platz finden. Es bestätigt sich auch, was Egon Beeler gesagt hat: Je mehr man den Hund anfeuert, umso entschlossener verrichtet er seine Arbeit. Nach der erfolgreichen Bergung erhält der Hund umgehend einen Ball zum Spielen. Der Posten stösst bei den Besuchern, vor allem bei den Kindern, auf Begeisterung. Er liefert auch einen interessanten Einblick in die Situation einer Lawinenbergung, wobei im Echtfall wohl einiges weniger Platz unter der Schneedecke vorhanden wäre als beim Posten.

Bei anderen Stationen konnten die Besucher etwa die Junghunde beobachten, wie sie sich durch den Schnee kämpften. Des weiteren gab es auch Posten, die geschützt an der Wärme waren, bei denen Filme über die Geschichte des Lawinenhundewesens zu sehen waren. Nebst der simulierten Rettungsaktion durch die Lawinenhunde ging es auch bei den Sondierern praktisch zu und her. Lawinensonden werden eingesetzt, um die verschütteten Personen durch die Schneedecke hindurch genau zu lokalisieren. «Die Hunde können die Personen nicht ganz genau orten. Daher sind die Sonden nebst den Schaufeln extrem wichtige Werkzeuge bei Rettungsaktionen», sagen die Sondierspezialisten. Sollte man nur zwei oder drei Meter versetzt von den gesuchten Personen mit Graben beginnen, koste das wertvolle Zeit und Energie. «Die ersten 15 Minuten sind beim Bergen entscheidend. Innerhalb dieser Zeit können wir die Menschen meist lebend aus dem Schnee befreien», sagen die Sondierer. Der Postenlauf lockte trotz eisiger Kälte viele Schaulustige auf die Alp Sellamatt. Armin Grob, Regionalpräsident der ARO, zeigt sich zufrieden: «Es sind einige Leute gekommen, darunter auch Vertretende der kommunalen und kantonalen Politik.» Dies freue ihn besonders, da die ARO nach einem Leistungsauftrag des Kantons handle.

Demoübung sorgt für Action

Um mit den Hunden die Leistungen im Ernstfall abrufen zu können, ist eine spezielle Ausbildung notwendig. Lawinenhunde werden in der Schweiz seit den Zeiten des 2. Weltkrieges ausgebildet (siehe Info-Kasten). Die Ausbildung zum Lawinenhunde- führer kam erst etwas später auf. Zunächst einmal muss die normale Rettungsausbildung gemacht werden, bevor die Zusatzausbildung Retter mit Hund in Angriff genommen werden kann. «Die Zusatzausbildung nimmt rund drei Jahre in Anspruch. In jedem Jahr absolvieren die Auszubildenden einen einwöchigen Kurs, zu dem jeweils eine Abschlussprüfung gehört», sagt Ruedi Grob, Hundeverantwortlicher der ARO. Nach diesen drei Jahren trage man dann den Titel «Retter mit Hund» und sei faktisch einsatzfähig. «Wobei man erst im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung richtig einsatzfähig wird», ergänzt Ruedi Grob.

Am Mittag konnten die Besucher eine Demoübung mitverfolgen, bei der es viel Action gab. Die Hundeführer mussten vier «verschüttete» Personen bergen. Zu Beginn der Übung ging es hektisch zu und her, da es in den ersten 15 Minuten wie gesagt schnell gehen muss. Als «Chaosphase» bezeichnete der Speaker der Demoübung diese Viertelstunde. Für die Hunde sei es besser, wenn der Schnee trocken und nicht nass sei. «Nassschnee verdichtet sich ziemlich stark. Daher kommt wenig bis gar keine Witterung nach oben für den Hund», erklärt der Speaker. Aufgrund der Kälte war der Schnee bei der Demoübung sehr trocken und folglich fanden die Spürnasen die «begrabenen» Personen ziemlich schnell.

Video auf

www.tagblatt.ch/5226002

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