Laufen ist doch kinderleicht, aber…

…wer mit dem Joggen beginnen will, lässt sich am besten zuerst beraten. Fitness-Trainer Roger Balsiger von Physio Training Gähler in Ebnat-Kappel ist einer der drei Leiter der Running School. Im Interview gibt er Jogging-Einsteigern Tips für den optimalen Start.

Christiana Sutter
Drucken
Yvonne Brändle, Roger Balsiger (Mitte) und Noldi Brunner bilden das Team der Running School. (Bild: Christiana Sutter)

Yvonne Brändle, Roger Balsiger (Mitte) und Noldi Brunner bilden das Team der Running School. (Bild: Christiana Sutter)

Warum muss Joggen überhaupt erlernt werden? Laufen ist doch kinderleicht.

Roger Balsiger: Genau. Als Kind hat man Schritt für Schritt laufen gelernt. Es ist aber eine Tatsache, dass wir uns mit unserem Lebensstil und der Passivität Bewegungsmuster angeeignet haben, die nicht mehr dem Ursprung entsprechen. Das kann zu Problemen in den Gelenken führen.

Jemand mit Gelenk- oder Herz-Kreislauf-Problemen kommt zu Ihnen. Wie gehen Sie vor?

Balsiger: Ich empfehle den interessierten Personen, dass sie Vorabklärungen beim Hausarzt machen sollen, das Alter spielt dabei keine Rolle. Möglicherweise kommen sie aber schon mit einer Empfehlung zu uns. Dieses Vorgehen gibt uns Sicherheit.

Mussten Sie auch schon jemandem vom Joggen abraten?

Balsiger: Ja, beispielsweise wenn die Fuss-, Knie- oder Hüftgelenke bereits zu grosse Schäden aufweisen.

Warum joggen überhaupt so viele Menschen?

Balsiger: Ein Grund kann sein, dass Menschen mittleren Alters, die bis dahin viel Zeit in den Beruf und die Familie investiert haben, bemerken, dass sie sich wieder einmal Zeit für ihren Körper nehmen sollten. Denn dieser ist auch wichtig. Möglicherweise spielt auch das Gewicht eine Rolle.

Ist Übergewicht ein Grund, nicht zu joggen?

Balsiger: Mit den übergewichtigen Menschen steigt man über das Walken ins Joggen ein, damit die Gelenke nicht so stark belastet werden. Dann ist natürlich auch eine Ernährungsumstellung notwendig, und sie sollten sich einem aktiveren Leben zuwenden.

Wie sieht eine erste Beratung bei Ihnen aus?

Balsiger: Nebst den ärztlichen Abklärungen, welche die Person schon hinter sich hat, befragen wir den Jogging-Einsteiger über seine Ziele. Dann ist es auch wichtig, wie viel Zeit jemand ins Training investieren möchte. Als nächstes kommt eine Standortbestimmung, ein Screening. Damit können wir feststellen, wie fit eine Person ist.

Was beinhaltet ein Screening?

Balsiger: Zuerst erstellen wir ein Bewegungsmuster. Ich schaue mir das Zusammenspiel der Gelenke mit der Muskulatur an. Kann ich Defizite erkennen, versuche ich diese mit einem speziellen Trainingsprogramm zu korrigieren. Dieses Programm kann Beweglichkeits-, Kraft-, aber auch koordinative Übungen enthalten. Nicht vergessen werden darf unser Motor, das Herz-Kreislauf-System. Wir erstellen auf dem Laufband eine Spiroergometrie. Das ist ein diagnostisches Verfahren, dass unter Belastung die Leistungsfähigkeit von Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel qualitativ und quantitativ untersucht.

Ist es nicht auch so, dass die Menschen im Frühling ein stärkeres Bedürfnis für Bewegung im Freien entwickeln?

Balsiger: Das trifft zu. Denn wenn es wärmer wird, lockt auch wieder die Badi. Das sind dann aber eher «Hauruck»-Aktionen.

Viele Menschen können die Zeichen ihres Körpers nicht richtig deuten. Wie kann man sie unterstützen?

Balsiger: Als erstes empfehlen wir, langsam und ohne falschen Ehrgeiz zu starten. Dann kann eine Pulsuhr eingesetzt werden. Dabei geht es nicht nur darum, die optimale Zielzone fürs Training zu finden. Eine Pulsuhr gibt auch immer ein objektives Feedback – und schützt sie vor übermässigem Risiko.

Kann man den Umgang mit der Pulsuhr lernen?

Balsiger: Ja. Dieses Jahr bietet Sport Metzger, Wattwil, zusammen mit Physio Training Gähler, Ebnat-Kappel, eine Running School an. Eines der Module befasst sich mit dem pulsorientierten Training. Dieses hilft dem Jogging-Einsteiger beim Umgang mit der Uhr und schützt ihn auch vor falschem Ehrgeiz.

Joggen beginnt bei den Füssen. Worauf muss geachtet werden?

Balsiger: Hier spielt die Auswahl der passenden Laufschuhe eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, dass man einen passenden Joggingschuh hat, der den Laufstil der Person unterstützt, sowie den Körper langsam an die neue Belastung gewöhnt.

Wie sinnvoll ist es, vor einem Training zu essen?

Balsiger: Grundsätzlich soll mit einem leichten Hunger ins Training gestartet werden. Ein voller Magen ist nicht zu empfehlen. Wer am Abend ins Training geht, soll zwei bis drei Stunden vorher eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen.

Soll man sich während des Trainings verpflegen?

Balsiger: Bei unseren gemeinsamen Trainings am Dienstagabend ist eine Verpflegung nicht notwendig, denn sie dauern im Maximum eine Stunde. Für den Notfall haben wir Traubenzucker und Riegel dabei. Aber ein Bidon mit etwas Flüssigkeit ist sicher empfehlenswert.

Das ist jetzt viel Theorie. Wo bekommt man die Praxis?

Balsiger: Im Fitness-Center können Teile der körperlichen Leistungsfähigkeiten trainiert werden. Beispielsweise Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Für ein gezieltes Lauftraining geht man aber am besten in die Natur. Dafür gibt es gezielte Laufschulen, wie beispielsweise die Running School.

Welches ist die Idee der Running School, und wer steht dahinter?

Balsiger: Das Ziel der Running School ist es, dem Teilnehmer Trainingsstrategien und Hilfsmittel mitzugeben, wie mit wenig Aufwand ein gutes Ergebnis erzielt werden kann. Das beginnt mit der Diagnostik des Bewegungsapparats bei Physio Gähler. In speziellen Themen-Modulen wird beispielsweise über ein pulsorientiertes Training referiert. Ein anderes Modul ist ein Laufschuh-Test bei Sport Metzger. In den geführten Trainings lernt der Teilnehmer die richtige Lauftechnik, und es wird aufgezeigt, wie die Werkzeuge richtig eingesetzt werden. Unser Ziel ist es, ein abwechslungsreiches Training mitzugeben, das der Teilnehmer dann auch selbständig ausüben kann.

Bringt die Running School auch erfahrenen Joggern etwas?

Balsiger: Das kommt darauf an. Wenn ein versierter Läufer neue Inputs sucht, ist er bei uns sicher richtig.

Dieses Training erfolgt in einer Gruppe. Ist das Training mit Gleichgesinnten wichtig?

Balsiger: Viele Menschen benötigen die Verbindlichkeit eines regelmässigen Trainings. Mit dieser Regelmässigkeit gehen sie möglicherweise öfters ins Training. Es gibt aber auch immer mehr Personen, die das Bedürfnis zum sozialen Austausch haben. Denn viele Läufer sind sehr mitteilsam und möchten ihre Erfolge mit anderen teilen, ohne dass sie einen Wettkampf besuchen. Für solche sind Plattformen im Internet ideal. Da können sie sich vergleichen.

Warum joggen Sie und was bringt es Ihnen?

Balsiger: Ich betreibe grundsätzlich viele Sportarten. Seien es Einzel- oder auch Mannschafts-Sportarten. Für mich ist Joggen der beste Ausgleich zur Arbeit. Beim Joggen kommen mir auch die besten Ideen in den Sinn.

Aktuelle Nachrichten