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LAUF/BIKE: Nur noch privat auf den Hausberg

Vereine haben vermehrt Mühe, einzelne Posten im Vorstand zu besetzen oder bei Veranstaltungen die Ressorts zu verteilen. Der LSC Wil streicht deshalb den Hörnli-Berglauf aus dem Terminkalender.
Urs Nobel
Wenn Hans Ziegler, der bisherige OK-Präsident des Hörnli-Lauf-und-Bike-Events, das nächste Mal aufs Hörnli fährt, dann benötigt er keine Startnummer mehr an seinem Velo. (Bild: Urs Huwyler)

Wenn Hans Ziegler, der bisherige OK-Präsident des Hörnli-Lauf-und-Bike-Events, das nächste Mal aufs Hörnli fährt, dann benötigt er keine Startnummer mehr an seinem Velo. (Bild: Urs Huwyler)

Urs Nobel

sport@wilerzeitung.ch

Die Region Wil und der untere Teil des Toggenburgs gehörten einst zum Mekka für leistungsorientierte Breitensportler. Ob Läuferinnen oder Biker, ihnen wurden ohne lange Anfahrtswege attraktive Wettkämpfe angeboten. Doch die Angebote sind dramatisch geschrumpft. Einerseits wegen rückläufiger Teilnehmerzahlen, anderseits fehlen den Vereinen jene Mitglieder, welche präsidiale Verantwortung übernehmen wollen. Den Bütschwiler Radsporttag beispielsweise gibt es nicht mehr, weil sich für einzelne Ressorts keine Chefs mehr finden liessen.

Aus dem Terminkalender gestrichen wurde nun auch der «Uf’s Hörnli»-Klassiker vom Pfingstsamstag. Besonders die Begründung für das Ende der traditionellen Veranstaltung lässt aufhorchen: Im Laufsportclub Wil wollte niemand das OK-Präsidium für den 41. Lauf von Fischingen aufs Hörnli und das 16. Bikerennen ab Oberwangen übernehmen. «Es ist so», bestätigt der bisherige Chef Hans Ziegler. 15 Jahre lang stand er dem OK vor, zuvor trug Ehrenpräsident Pius Brunschwiler 25 Jahre lang die Verantwortung für die Pfingstsamstag-Veranstaltung.

Sinkende Teilnehmerzahlen auch am Hörnli

Vordergründig scheint einzig ein Personalproblem für das «Uf’s Hörnli»-Ende verantwortlich. «Es gab allerdings schon längere Zeit Diskussionen über die Zukunft des Rennens», präzisiert Hans Ziegler. «Der Aufwand ist geblieben, die Teilnehmerzahlen gingen zurück. 2017 waren es mit etwas mehr als hundert Startern halb so viele Läufer wie zu den besten Zeiten. Bei den Bikern blieb die Zahl gleich.» Rund 70 Helferinnen und Helfer mussten jeweils für die Veranstaltung re-krutiert werden, zum Schluss blieb lediglich ein kleiner Gewinn. Die Frage, wieso dieser Aufwand weiterhin betrieben werden soll, wurde deshalb wiederholt gestellt.

Der Negativtrend erleichterte es des dem LSC Wil, den Stecker zu ziehen. «Ich hätte», so Hans Ziegler, «noch ein, zwei Jahre mit schwindender Begeisterung als OK-Präsident weitermachen können. Dies hätte das Ende jedoch nur hinausgeschoben. Heute kann jeder aus einem riesigen Angebot auswählen, viele wollen sich zu nichts verpflichten, keine Verantwortung mehr übernehmen. Dies geht vielen Vereinen ähnlich. «Wir können darüber debattieren, aber es ist heute so.»

Nur ein paar Einzelne drückten ihr Bedauern aus

Entsprechend gleichgültig fiel das Echo auf die Absage aus. Sie wurde zur Kenntnis genommen, vielleicht fünf Leute reagierten, drückten per Mail ihr Bedauern aus. «In zehn Jahren wissen nur noch die älteren Semester, dass es einst einen Hörnli-Lauf gab. Und die Geschichte interessiert niemanden», vermutet Idealist Ziegler. Ähnlich verhält es sich mit dem Radsporttag Bütschwil. Aus dem Terminkalender, aus dem Sinn.

Zu Ende geht auch der Toggenburger Bike-Cup. Bütschwil, Kreuzegg, Hörnli, Mosnang und Kirchberg bildeten einst das Gerippe. Mit zwei Events (Kreuzegg Classic/Bikerace Tuttwil) lässt sich keine Rennserie mehr durchführen. Daduch «stirbt» auch die zweite Herzensangelegenheit von Hans Ziegler, der «seinen» Cup Jahr für Jahr zu retten versuchte. «Schade finde ich die Entwicklung für die jungen Biker. Sie haben immer weniger Startmöglichkeiten. Deshalb werte ich die Absagen für die Region als sportlichen Verlust.»

Etwas Wehmut ist schon dabei

Radprofi Michael Albasini betitelte Leute wie Hans Ziegler kürzlich als (leider) aussterbende Sport-Romantiker. Sie setzten sich leidenschaftlich für den Sport in seiner ursprünglichen Form ein, doch das Umfeld verändere sich. «Das mag zutreffen», antwortet Hans Ziegler, der sich über Jahrzehnte in seiner Freizeit für die Allgemeinheit einsetzte und nun «Uf’s Hörnli» sowie den «Bike-Cup» sang- und klanglos wegbrechen sieht. «Etwas Wehmut ist schon dabei, doch andererseits habe ich nun mehr Freiraum.» Er sei ihm gegönnt. Vielleicht bikt der doppelte ex-OK-Präsident am Pfingstsamstag privat «uf’s Hörnli».

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