Laue «Midsommar»-Musik

Das St. Galler Kammerorchester unter Mathias Kleiböhmer und die Violinsolistin Heidi-Maria Makkonen spielten in Rehetobel klangschöne programmatische Musik mit nordländischem Flair.

Ferdinand Ortner
Drucken
Teilen

REHETOBEL. Das im Jahre 2011 gegründete St. Galler Kammerorchester und die junge finnische Violinsolistin Heidi-Maria Makkonen gestalteten am Sonntag in der reformierten Kirche Rehetobel einen Konzertabend. Der Dirigent Mathias Kleiböhmer präsentierte unter dem Motto «Midsommar» ein von nordländischer Musik geprägtes Programm mit Werken namhafter Komponisten aus dem europäischen Norden – aus Finnland (Jan Sibelius, Einojuhani Rautavaara), Norwegen (Edvard Grieg), Schweden (Lars Erik Larsson) und Estland (Arvo Pärt).

Das durch Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker verstärkte, engagiert musizierende Streichorchester bot eine gute Leistung mit differenziertem Vortrag, transparentem Spiel und feiner Klangkultur. Aus dem etwa 20köpfigen homogenen Klangkörper ragten vor allem die Violinsolistin Heidi-Maria Makkonen, die Konzertmeisterin Eveleen Olsen (Violine) und die Cellistin Christine Meyer hervor.

Die von der Volksmusik inspirierte typisch nordische Klangwelt beeindruckte durch die bunte Vielfalt differenzierter Stimmungsbilder, ihre subtile Emotionalität sowie die Melancholie und Poesie der Melodik. Besonders reizvoll wirkte auch die Gegenüberstellung romantischer und neoklassischer Kompositionen. Die emotional und eigenständig strukturierte Tonsprache der nordländischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 19. und des 20. Jahrhunderts nahm die Zuhörer von Konzertbeginn an gefangen.

Nordische Klangwelten

Stimmungsvoll eingeleitet wurde der Konzertabend mit schwedischer Serenaden-Musik, der neoklassischen kantablen «Liten serenad», op. 12, von Lars Erik Larsson (1908–1986), einem melodiös feinsinnig kontrastierenden Orchesterstück in fünf Sätzen. Auch bei der romantischen Volksweise «Folksvisenatt», einem melancholischen Nachtlied desselben Komponisten, beeindruckte das Orchester mit sonorem Streicherklang. Bei den einfach strukturierten und sphärisch klingenden «Fratres» für Solovioline und Streichorchester des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt aus Estland setzte Heidi-Marie Makkonen mit Spieltechnik und Ton solistische Highlights.

Solistische Kostbarkeiten

In diesen kontrastierenden, charmanten Solo-Paradestücken kamen die sensible Farbgebung und die schwerblütige Melodik mit den jähen Stimmungsumschwüngen sowie die eigenwillige Rhythmik – Charakteristika finnischer Volksmusik – wirkungsvoll zur Geltung. Während beim «Andantino» der «Canconetta von Kuolema» von Sibelius das romantische Streichorchester-Arrangement gefiel. Ein Glanzpunkt des Abends war das ursprünglich als Klaviersuite komponierte Orchester-Arrangement «Pelimannit-Fiddlers für Streichorchester» von Einojuhani Rautavaara, der in einem künstlerischen Naheverhältnis zu Sibelius stand. Diese fünf kunstvollen Variationen alter Polka-Melodien für Geiger waren von urwüchsiger Klangsymbolik und Rhythmik geprägt. Sie faszinierten als buntes Kaleidoskop alter Volkstänze, farbiger Naturstimmungen, mystischer Sagen und Begebenheiten aus historischer Zeit.

Imponierendes Orchesterwerk

Tief beeindruckende norwegische Musik im Stile der Bach-Händel-Zeit erlebten die atemlos lauschenden Zuhörer mit der barocken Suite «Aus Holbergs Zeit». Edvard Grieg (1843–1907) hatte sie als Festmusik zum 200. Geburtstag des dänisch-norwegischen Lustspieldichters Ludwig Holberg geschrieben.

Das ambitionierte St. Galler Kammerorchester erfreute mit einer lebendigen und ausdrucksstarken Aufführung der im französischen Stil komponierten sechs Sätze mit nordischem Flair und erntete – wie auch die Solistin des Abends – begeisterten Applaus.